Finanzwerte

Krise bei Bear Stearns mahnt zur Vorsicht

14. März 2008 Die Börsianer neigen gemeinhin zum Optimismus. Das gilt selbst für den Blick auf die Finanzwerte. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Empfehlungen, sich solche Papiere ins Depot zu legen. Immerhin sei es schon in der Vergangenheit richtig gewesen, in Zeiten der Panik zu kaufen.

Ob solche Ratschläge richtig sind, mag dahingestellt bleiben. Denn die Panik im Markt scheint gegenwärtig immer größer zu werden. Das zeigt sich an der Kursentwicklung der Aktien der amerikanischen Bank Bear Stearns. Sie befinden sich im freien Fall. Alleine am Freitag geht es um 16 Prozent nach unten. Seit Januar des vergangnen Jahres hat das Papier 81 Prozent seines Wertes verloren. Alleine in der laufenden Woche belief sich der Wertverlust auf etwas mehr als 60 Prozent.

Kollaps nur knapp verhindert

Diese Kursentwicklung ist auf Gerüchte und inzwischen auch auf Meldungen zurückzuführen, nach denen das Geldinstitut JP Morgan und die amerikanische Notenbank die fünftgrößte amerikanische Investmentbank vor einem möglichen Kollaps bewahren mussten. Die Fed New York und JP Morgan stellen Bear Stearns kurzfristig Gelder zur Verfügung, um einen finanziellen Engpass zu verhindern, wie JP Morgan am Freitag mitteilte. Bear Stearns erklärte, seine Liquiditätspositionen hätten sich in den vergangenen 24 Stunden „signifikant“ verschlechtert.

Schon in den vergangenen Tagen hatte es wiederholt Gerüchte an den Finanzmärkten gegeben, Bear Stearns habe Liquiditätsprobleme. Ein Grund dafür seien gestiegene Kosten zur Absicherung von Schulden. Die Credit-Default-Swaps mit einer Laufzeit von einem Jahr sind in den vergangenen Tagen drastisch ansgestiegen auf zuletzt mehr als 1.200 Basispunkte. Dabei hatte ein führender Manager des Konzerns noch am zehnten März die Gerüchte als „absolut lächerlich“ zurückgewiesen. Auch am zwölften März hatte Bear Stearns erklärt, das Institut habe genügend Liquidität und man sei mit den Gewinnschätzungen der Analysten für das erste Quartal zufrieden.

Zum Börsenkurs

Allerdings wurde inzwischen klar, dass solche Aussagen angesichts der sich rasch verschlechternden wirtschaftlichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten nur eine kurze Halbwertszeit haben. Angesichts der amerikanische Hypothekenkrise musste Bear Stearns im vierten Quartal des Jahres 2007 wegen hoher Abschreibungen den ersten Verlust der Firmengeschichte ausweisen. Die Investmentbank hatte zunächst im Rahmen des boomenden Hypothekargeschäfts prosperiert und war kräftig und ertragreich gewachsen. Schließlich hat sich das Haus aber dann mit schlecht besicherten Hypotheken kräftig verspekuliert. Im vergangenen Sommer schickte es Schockwellen durch die globalen Finanzmärkte, als zwei seiner Hedge-Fonds zusammenbrachen.

Amerikanische Broker auch in der kommenden Woche im Fokus

Die Mitteilung von Bear Stearns zeigt laut Carl Lantz von Credit Suisse, dass das Finanzhaus „nicht mehr genug Geld gehabt hat, um morgens die Lichter anzuschalten. Und das ist auch für das große Ganze natürlich keine angenehme Nachricht.“ Bear Stearns habe es offensichtlich nicht mehr geschafft, bis zum 27. März durchzuhalten, um ein neues Refinanzierungsgeschäft mit der Federal Reserve in Anspruch zu nehmen, vermutet der Anlagestratege. Am Terminmarkt sind inzwischen die impliziten Volaitlitäten für bis zum 22. März laufende, aus dem Geld liegende Optionen auf die Aktien von Bear Stearns bis auf knapp 500 Prozent gestiegen. Das heißt, die Optionshändler rechnen kurzfristig mit den gößten nur denkbaren Kursbewegungen. Letzlich scheinen sie gegenwärtig einen Totalausfall nicht auszuschließen.

„Die amerikanische Broker werden auch in der kommenden Woche im Fokus stehen“, prognostiziert die Bank UBS in einem Marktausblick. Diese Sicht dürfte sich nach der Hiobsbotschaft von Bear Stearns noch verstärken. Am Dienstag legen Goldman Sachs und Lehman Brothers ihre Zahlen für das erste Quartal vor, nur wenige Stunden vor der Zinsentscheidung der Fed. Am Mittwoch folgen Bear Stearns und am Donnerstag Morgan Stanley. Die Kursverluste der vergangenen Tage und Wochen lassen nicht viel Gutes erahnen. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, die Finanzwerte weiterhin mit der gebotenen Skepsis zu betrachten. Sehr wahrscheinlich haben nicht nur die amerikanischen Häuser weitere Problempositionen in ihren Büchern, sondern auch ihre Pendants in Europa und vor allem auch in Asien. Von den asiatischen Instituten hat man bisher nur relativ harmlose Meldungen gehört.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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