Finanzmärkte

Spanische Börse knabbert am Allzeithoch

05. Dezember 2007 An den internationalen Börsen ist wieder einmal der Optimismus in vollen Zügen ausgebrochen. Ob er ein Vorspiel auf das zum Jahresende anstehende Window Dressing ist, in dessen Rahmen die Portfolio- und Fondsmanager ihre Performance noch einmal mit Aktienkäufen künstlich aufpeppen, oder ob er sich fundamental rechtfertigen lässt, wird sich erst noch zeigen müssen.

Gegenwärtig tun die Marktteilnehmer jedoch zumindest so, als ob es keine Kreditkrise gäbe und als ob sie keine realwirtschaftlichen Folgen hätte. Dabei scheinen sie auf die lockeren geldpolitischen Zügel der Zentralbanken zu bauen, die nichts aus platzenden Kurs- und Preisblasen der Vergangenheit gelernt zu haben zu scheinen und die zumindest in den angelsächsischen Staaten schief liegenden Banken und sonstigen Spekulanten mit Zinssenkungen immer wieder zu Hilfe kommen.

Ibex befindet sich knapp unter seinem Allzeithoch

Manche Märkte befinden sich nach den Korrekturen der vergangenen Wochen inzwischen schon wieder auf oder zumindest nahe an einem Rekordniveau. Dazu zählt auch die spanische Börse. Am Mittwoch legt sie zwar im Vergleich mit anderen Märkten nur unterdurchschnittlich zu, allerdings liegt der Ibex mit einem Stand von 15,804 Punkten nur knapp unter dem noch Anfang November erreichten Allzeithoch.

Das ist erstaunlich, läuft doch das lange Zeit die spanische Konjunktur antreibende Immobiliengeschäft in Spanien längst nicht mehr rund und zieht damit auch die allgemeine Konjunktur im Lande nach unten. Tatsächlich wurde der Markt in den vergangenen Monaten auch von den Aktien des Versorgers Acciona, der Börse Bolsa Y Mercado, des Technologieunternehmens Gamesa, des Telekommunikationsunternehmens Telefonica nud nicht zuletzt auch durch die Versorgerwerte des Landes nach oben getrieben.

Auf der anderen Seite mussten Bau- und Immobilienunternehmen wie Immobiliaria, Sacyr Vallehermoso, Fomento de Construcciones y Contratas (FCC), Ferrovial oder auch Acerinox Kursverluste von bis zu 35 Prozent hinnehmen. Sie sind die Folge der in den Stammgeschäften schlecht laufenden Geschäfte und des Preisverfalls bei Immobilien.

Die Unternehmen haben darauf in weiser Voraussicht reagiert und sich mit einer schleichenden Änderung des Geschäftsmodelle darauf eingestellt. In der jüngeren Vergangenheit investierten sie zum Teil deutlich im Energie- und Infrastrukturbereich. Aufgrund der deutlich teurer gewordenen Energiepreise scheinen sich solche Strategien zumindest bisher in diesem Bereich ausgezahlt zu haben.

Spanische Bauunternehmen haben in den vergangenen Monaten diversifiziert

Den Anfang machte ACS im September des Jahres 2006, als das Unternehmen sich mit fast zwei Milliarden Euro am Versorger Iberdrola beteiligte. Mit dem Anteil von 7,2 Prozent ist ACS bereits der größte Einzelaktionär. ACS ist zudem mit 40 Prozent am Gasversorger Union Fenosa beteiligt. Nur drei Monate später sicherte sich Sacyr mit sieben Milliarden Euro mit 20 Prozent am spanisch-argentinischen Mineralölkonzern Repsol YPF und stieg zum führenden Anteilseigner auf. Auch die Grupo Ferrovial hat heftig investiert und unter anderem die Flughäfen in London übernommen. Ob dieser Schachzug angesichts eines hohen Übernahmepreises und angesichts des in den kommenden Jahren zunehmenden Wettbewerbs - open sky - bei Interkontinentalflügen klug war, dürfte dagegen noch offen bleiben.

Fakt ist, dass diese spanischen Unternehmen aufgrund der veränderten Geschäftsmodelle von vielen Analysten positiv betrachtet werden. Die Robustheit ihrer Gewinnentwicklung werde unterschätzt, heißt es. Fakt ist allerdings auch, dass ihre operative Entwicklung immer noch stark vom Bau- und Immobiliengeschäft abhängt.

Auf dieser Basis sollten sich kritische Anleger schon fragen, ob die Papiere trotz einer optisch scheinbar vernünftigen Bewertung noch Kurspotential haben können. Die Papiere der Grupo Ferrovial jedenfalls sind mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 27 auf Basis der Gewinnschätzungen sicherlich keine Schnäppchen. Fakt ist auch, dass die im Ibex seit Jahresbeginn führenden Werte inzwischen schon vergleichsweise teuer geworden sind.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET

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