Internet & Einzelhandel

Amazon-Euphorie: Aktie völlig überteuert

24. Oktober 2007 Die Aktien vieler Technologie- und Internetunternehmen sind in den vergangenen Monaten phantastisch gelaufen. Die Stimmung in diesem Bereich mag den einen oder anderen schon an jene Phase des Marktes Ende der neunziger Jahre im vergangenen Jahrhundert erinnern, als sie ebenso abgehoben haben. Es war die Periode kurz vor dem nachfolgenden Crash.

Während Unternehmen wie Google, Research in Motion oder auch Apple auf gesunden Füßen stehen und sowohl Umsatz als auch Ertrag deutlich steigernd können, so gilt das dagegen für Amazon nur bedingt. Der Umsatz konnte in den vergangenen Jahren zwar im Trend gesteigert werden, allerdings stagniert die Gewinnentwicklung je Aktie schon seit Jahren.

Unternehmen ist deutlich verschuldet - Aktie hoch bewertet

Ein Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenkapital von 167 Prozent spricht ebenso für sich, wie Kurs-Gewinn-Verhältnisse von himmelhohen 67,4 und 50,3 auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 15 könnte man von einer normalen Bewertung reden. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis beträgt bei Amazon 3,17 und bei der Metro AG dagegen gerade einmal 0,32.

Trotz der extrem hohen Bewertung konnte die Aktie in den vergangenen Monaten massive Kursgewinne verbuchen. Ausgehend von einem Zwischentief bei 26 Dollar im August des vergangenen Jahres konnte sie inzwischen satte 287 Prozent auf zuletzt 100,82 Dollar zum offiziellen Handelsschluss am Dienstag zulegen. Der Grund dafür dürfte allerdings weniger in der fundamentalen Entwicklung des Unternehmens gelegen haben, als im allgemeinen Wirtschafts- und Aktienoptimismus der internationalen Anleger.

Trotz der offensichtlichen Schwierigkeiten der amerikanischen Konjunktur belebt er sich immer wieder neu und hat in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass Hedge-Fonds und andere ihre so genannten „Shorts“ auf die Aktie von Amazon zurückgekauft haben, mit welchen sie zuvor auf fallende Kurse gewettet hatten. Genau dieser Vorgang dürfte die Aktie schnell und stark nach oben getrieben haben - ohne Rücksicht auf die fundamentale Lage und Entwicklung des Unternehmens.

Intensiver Wettbewerb dürfte die Ertragsentwicklung einschränken

Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres konnte das Unternehmen zwar den Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 41 Prozent auf 3,26 Milliarden Dollar steigern und den Gewinn auf 80 Millionen Dollar oder 19 Cents je Aktie vervierfachen. Allerdings spielt dabei ein Basiseffekt eine Rolle, denn die Gewinne waren im zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres besonders schwach ausgefallen.

Zudem fiel die Ertragsprognose für das vierte Quartal zumindest angesichts der hohen Erwartungen des Marktes enttäuschend aus: Das Unternehmen geht davon aus, im vierten Quartal einen operativen Gewinn zwischen 221 und 291 Millionen Dollar erzielen zu können. Für das Gesamtjahr prognostiziert das Management einen Umsatzzuwachs von 36 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 675 Millionen Dollar. Aus diesem Grund verbuchten die Amazon-Papiere am Dienstag im nachbörslichen Handel deutliche Kursverlusten und liegen auch in Deutschland mit einem Abschlag von sieben Prozent am Mittwoch deutlich im Minus.

Grundsätzlich dürfte das Unternehmen aufgrund seiner Strategie, Umsätze um beinahe jeden Preis zu generieren, weiterhin wachsen können. Allerdings ist der Wettbewerb mit Ebay und anderen Anbietern intensiv. Er dürfte die Margen unter Druck halten. Auf dieser Basis lässt sich fragen, ob sich Anleger die Aktie auf dem aktuellen Bewertungsniveau ins Depot legten sollten. Es sei denn, sie spekulierten auf die spekulative Dynamik, die das Papier in den vergangenen Monaten nach oben getrieben hat. Das jedoch ist riskant.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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