Nebenwerte

Unruhige Zeiten in Deutschland

Von Daniel Mohr

09. Januar 2008 Das Jahr 2008 hat für die meisten Aktien mit Kursverlusten begonnen. Während sich der Deutsche Aktienindex Dax mit einem Abschlag von bislang etwas mehr als 2 Prozent noch ganz passabel geschlagen hat, ging es für die deutschen Nebenwerte deutlich nach unten. Der 50 Werte umfassende MDax liegt seit Jahresbeginn 7 Prozent im Minus, der TecDax hat alleine am Montag mehr als 4 Prozent an Wert verloren und der SDax setzt nach einem verlustreichen Jahr 2007 seine schwache Entwicklung im neuen Jahr gleich fort. Erst am Dienstag war für die Nebenwerteindizes der erste Handelstag im Jahr 2008 mit Kursgewinnen.

An der Entwicklung der Nebenwerte zeigt sich die Unsicherheit, die den Aktienmarkt insgesamt befallen hat, besonders deutlich. Dieselben Aktien, die am Freitag und Montag noch zu den großen Verlierern gehört hatten, waren am Dienstag bereits wieder die Favoriten der Anleger. So verloren die im TecDax notierten Solaraktien am Montag allesamt zwischen 6 und 10 Prozent an Wert, am Montag gewannen sie zwischen 3 und 15 Prozent.

Flucht in liquidere Werte

Unter dem Strich hat in den vergangenen drei Monaten jedoch ein sukzessiver Ausstieg der Anleger aus den Nebenwerten stattgefunden. „Die Angst vor einem größeren Kurseinbruch ist da. Die Anleger fliehen deshalb in die liquideren Dax-Werte oder verabschieden sich ganz aus dem Aktienmarkt“, sagt Heiko Bienek, Fondsmanager des Nebenwertespezialisten Lupus alpha. Für eine kluge Strategie hält er das nicht. „Die Investoren schauen momentan nicht auf die Chancen, sondern wollen vor allem ihr Risiko minimieren.“

Dabei hätten einige Nebenwerte durchaus Potential. „Heidelberger Druck, Tognum, Homag und SAF Holland sind Weltmarktführer in ihren jeweiligen Branchen und sind derzeit mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von 7 bis 9 sehr niedrig bewertet“, sagt Bienek.

Höhere Bewertung durch größeres Wachstum

Auch ein Blick auf den Gesamtmarkt zeigt, dass Nebenwerte mittlerweile ihre Bewertungsprämie zum Dax deutlich abgebaut haben. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2008 ergibt sich für den MDax ein KGV von 12,8 und für den Dax von 12,3. „Die höheren Wachstumsaussichten der Nebenwerte würden jedoch auch eine höhere Bewertung rechtfertigen“, sagt Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus&Burkhardt.

Bei vielen konjunktursensiblen Werten hält er bereits eine Rezession in den Vereinigten Staaten und in der Folge kaum noch steigende oder gar fallende Unternehmensgewinne für weitgehend eingepreist. „Sollten die in den kommenden Wochen vorgelegten Jahresergebnisse die gesunkenen Erwartungen zumindest erfüllen und die Ausblicke nicht besonders pessimistisch ausfallen, dürfte dies den Aktien einen Schub nach oben verleihen“, sagt Borghoff.

Schwacher Start der Nebenwerte bedenklich

Zwar rechnet er kurzfristig noch mit kräftigen Kursausschlägen nach unten wie nach oben, auf Sicht von 12 Monaten sieht er jedoch wieder eine positive Grundstimmung zurückkehren. Zu denken gibt ihm allerdings der schwache Start der Nebenwerte ins neue Jahr. „Im Januar haben sich die Nebenwerte fast immer deutlich stärker entwickelt als die großen Aktien, das ist nun umgekehrt“, sagt Borghoff.

Sollte die wirtschaftliche Entwicklung jedoch klar schwächer werden als bislang angenommen, werden die Aktien der Nebenwerte nach Ansicht der meisten Marktbeobachter stärker darunter leiden, als diejenigen der großen Dax-Konzerne. Unter den Nebenwerten befinden sich mehr Zykliker - also Unternehmen deren geschäftlicher Erfolg eng an das Wirtschaftswachstum gekoppelt ist. Außerdem neigen Anleger in unsicheren Zeiten zunächst zum Abbau der riskantesten Positionen und dazu gehören die Aktien von Nebenwerten.

Risiko für weitere Rückschläge begrenzt

Nebenwerteexperte Bienek rät den Anlegern dennoch, aktiv nach den Chancen bei Nebenwerten Ausschau zu halten. „Die nächsten ein bis zwei Jahre werden ein El Dorado für Stock Picker“, sagt Bienek. Als Beispiel nennt er die Konsumbranche. „Trotz Konsumschwäche gelang es hier Unternehmen wie Boss, Douglas und Gerry Weber in den vergangenen Jahren mit überzeugenden Wachstumsraten zu glänzen. Sie haben sich durch kluge strategische Entscheidungen ihre eigene Unternehmenskonjunktur geschaffen.“

Solche Beispiele gebe es immer wieder unter den Nebenwerten. Das Risiko für weitere große Rückschläge hält er zudem für begrenzt. „Institutionelle Investoren haben sich in den vergangenen drei Monaten zur Risikominimierung in großem Stil aus den Nebenwerten verabschiedet“, sagt Bienek. Daher dürfte der Kursdruck von dieser Seite allmählich nachlassen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET

NamePunkteProzent
Dax 6.440,70 -1,46
TecDax 721,58 -3,36
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.354,58 -0,97
Nikkei 225 13.603,31 +2,18
Euro/Dollar 1,57 +0,01
Bund Future 110,94 +0,75
Gold 931,30 +0,39
Öl 124,98 -1,22
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