01. Juli 2008 Der Aktienindex Euro Stoxx 50 ist am Dienstag im Handelsverlauf in der Spitze deutlich um 2,6 Prozent gefallen und erreichte mit 3.266 Punkten ein neues Jahrestief. Damit machten die Aktienkurse zu Beginn des zweiten Halbjahres dort weiter, wo sie das erste Halbjahr aufgehört haben: mit kräftigen Verlusten. Von den Werten im Deutschen Aktienindex Dax fielen am Dienstag die Aktien der Deutschen Bank, von Metro, MAN, Lufthansa und Deutsche Post auf so tiefe Kurse wie in den vergangenen zwölf Monaten nicht. Der Deutsche Aktienindex Dax sank am Dienstag in der Spitze um 2,5 Prozent auf 6260 Punkte.
Dass der Dax anders als der Euro Stoxx 50 sein Jahrestief von 6.167 Punkten, das er im März erreicht hat, noch nicht wieder unterboten hat, ist wesentlich auf eine unterschiedliche Berechnungsmethode zurückzuführen. Der wichtigste europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 ist ein Kursindex, der Dax hingegen ein "Perfomance-Index"; in solch einem Index werden die - hierzulande überwiegend im April und Mai gezahlten - Dividenden berücksichtigt. Doch auch wenn man wie im Dax unterstellt, dass die Rekorddividenden im Frühjahr zu niedrigeren Kursen als zu Jahresbeginn wieder in Dax-Werte investiert wurden, beläuft sich das Minus des wichtigsten deutschen Aktienindex am Ende des ersten Halbjahres auf 20,4 Prozent. In der zwanzigjährigen Geschichte des Dax hat es noch nie einen so hohen Verlust in einem üblicherweise im Vergleich zum zweiten Halbjahr besseren ersten Halbjahr gegeben.
Starke K+S-Aktie macht den M-Dax vergleichsweise robust
Der M-Dax für die mittelgroßen Aktientitel hat sich im ersten Halbjahr 2008 deutlich besser geschlagen als der Dax. Doch das liegt ganz wesentlich an der Aktie des Düngemittelspezialisten K+S, die von den kräftig gestiegenen Preisen für Agrarrohstoffe profitiert hat; sie wird im September aller Voraussicht nach in den Dax aufrücken. Im Tec-Dax haben Aktien aus der Branche der erneuerbaren Energien wie Repower und die von Bosch gekaufte Ersol den Index gestützt. Im Dax ist Volkswagen bester Wert mit einem Halbjahresplus von rund 17 Prozent. Der Aktienkurs von VW wird getrieben durch die Spekulation auf eine Übernahme durch Porsche.
Die Gründe für die insgesamt sehr schlechte Wertentwicklung auf den Aktienmärkten sind schnell aufgezählt: Die immer wieder aufflammende Finanzkrise hält die Bankaktien im Griff. Spekulationen über weitere Abschreibungen und dann womöglich nötige Kapitalerhöhungen erscheinen vielen Anlegern offenbar plausibel - insbesondere bei der Deutschen Bank, der Hypo Real Estate und der im M-Dax enthaltenen Aareal Bank. Automobilaktien sind besonders belastet von den hohen Ölpreisen. Angesichts der kräftig gestiegenen Benzinkosten beginnen die Verbraucher, ihr Fahrverhalten zu ändern. Die Aktie von Daimler trifft das besonders. Banken und Automobilwerte führen die Liste der Branchenverlierer an.
Den ganzen Aktienmarkt belastet die Sorge vieler Anleger vor einer zu straffen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB wird am Donnerstag aller Voraussicht nach ihren Leitzins von 4 auf 4,25 Prozent anheben, nachdem sie den Zins über die gesamte Finanzkrise hinweg konstant gehalten hatte - und obwohl nun eine spürbare Konjunkturabschwächung auch im Euro-Raum bevorstehen dürfte. Analysten ziehen Parallelen zur Lage zu Beginn der neunziger Jahre, als die amerikanische Wirtschaft wie heute in schwacher Verfassung war, die Bundesbank nach 15 Monaten unveränderten Zinsen den Leitzins von 6 auf 8 Prozent erhöhte und Deutschland 1992 in eine Rezession fiel. Damals, 1992, verlor der Dax im dritten Quartal 15 Prozent und dann im vierten Quartal nochmals 12 Prozent.
Aktien sehen optisch günstig aus - allerdings auf Basis optimistischer Erwartungen
Auf den ersten Blick erscheinen die deutschen Aktien nach dem Kursrutsch des ersten Halbjahres nun mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als zehn angesichts eines langjährigen Durchschnitts von 16 günstig bewertet. Analysten unterstellen allerdings in ihren Gewinn-Schätzungen für 2009, dass die Unternehmensgewinne um mehr als 10 Prozent steigen werden. Inzwischen aber müssen selbst die größten Optimisten zugeben, dass die rekordhohen Ölpreise ein hohes Risiko für die Konjunktur und damit für die Absatzchancen der Unternehmen darstellen. Hinzu kommt der Euro-Kurs, der in Dollar seit Jahresanfang um 8 Prozent aufgewertet hat und ebenfalls auf die Margen vieler Unternehmen drückt.
Auch machen die im zweiten Quartal 2008 schon kräftig gestiegenen langfristigen Zinsen im Euro-Raum für manche Anleger offenbar auch Staatsanleihen wieder zu einer Investition, die anstelle von Aktien in Betracht kommt. Seit dem Tief im März, als die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bis auf 3,7 Prozent fiel, ist die Zehn-Jahres-Rendite inzwischen in der Spitze auf 4,7 Prozent geklettert. Allerdings ergibt sich für jetzt investierende Anleger - ein anschließend unverändert bleibendes Kursniveau von Festverzinslichen unterstellt - eine zumindest nach Steuern wenig befriedigende Jahresrendite. Je nach Steuersatz liegt sie für die meisten Anleger um 3 Prozent. Angesichts einer Inflationsrate von 4 Prozent lässt sich mit Anleihen daher nur schwer die Kaufkraft erhalten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET, M.M.WARBURG INVESTMENT RESEARCH, reuters
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,65 | +39,95 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +9,49 | +16,79 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | +2,60 | +16,77 |
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +11,06 | +3,23 |
| MERCK KGAA INHABER - | +2,96 | +4,80 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +1,10 | +4,86 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.062,45 | +11,40 |
| TecDax | 584,64 | +13,14 |
| DowJones | 9.025,61 | +6,80 |
| Nasdaq | 1.772,22 | +7,44 |
| STOXX 50 | 2.688,32 | +11,00 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,35 | -0,64 |
| Bund Future | 114,39 | -0,24 |
| Gold | 836,38 | -1,30 |
| Öl | 76,94 | +0,38 |