Flugverkehr

Lufthansa-Aktie setzt den Steigflug fort

25. Oktober 2006 Wieder mal ein neues Jahreshoch - die Lufthansa-Aktie ging am Mittwoch mit einem Plus von 1,4 Prozent auf 17,85 Euro aus dem Handel. Seit mehr als zwei Jahren zeigt der Chart nach oben, ein neues Fünf-Jahres-Hoch ist in Reichweite (Isin DE0008232125).

Das jüngste Plus ist mit guten Geschäftszahlen zu erklären, die das Unternehmen am Mittwoch vorlegte. Europas zweitgrößte Fluggesellschaft steigerte in den ersten neun Monaten ihren Betriebsgewinn stärker als erwartet und hob deshalb ihre Prognose für das Gesamtjahr deutlich an.

Betriebsgewinn steigt um 47 Prozent

Die Deutsche Lufthansa stellte für 2006 ein operatives Jahresergebnis von rund 750 Millionen Euro in Aussicht, 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Zur Jahresmitte hatte das Unternehmen lediglich erklärt, Ziel sei das Vorjahresergebnis von 577 Millionen Euro zu übertreffen. Damit rückt Lufthansa dem mittelfristigen Ziel näher, bis 2008 ein operatives Jahresergebnis von einer Milliarde Euro zu erzielen.

Der jüngste Aufwärtstrend mit einem deutlichen Gewinnsprung zur Jahresmitte hielt bei Lufthansa auch in den vergangenen Monaten trotz der hohen Ölpreise an. So verbesserte sich der Betriebsgewinn von Januar bis September auf 691 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das sind 47 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit übertraf das Unternehmen die bereits optimistischen Erwartungen von Branchenexperten, die im Schnitt mit einem Anstieg auf 630 Millionen Euro gerechnet hatten.

Kostensenkungsprogramm greift

Der Konzernüberschuß belief sich auf 414 Millionen Euro und lag damit lediglich auf Vorjahresniveau. Allerdings waren 2005 Einmalerträge bei der im Vorjahr erworbenen Fluggesellschaft Swiss zu Buche gestanden. Der Lufthansa-Konzernumsatz erhöhte sich bis Ende September auf 15 (Vorjahreszeitraum: 13,3) Milliarden Euro.

Wachstumstreiber dürfte im traditionell starken dritten Quartal vor allem das Passagiergeschäft gewesen sein. Lufthansa hatte im September erstmals in einem Monat mehr als fünf Millionen Fluggäste befördert. Mit günstigen Tickets für Europaflüge wurde die Auslastung der Maschinen auf diesen Strecken verbessert.

Zum stark verbesserten Betriebsergebnis trägt nach Experteneinschätzung auch das inzwischen weitgehend umgesetzte Kostensenkungsprogramm bei, das Konzernchef Wolfgang Mayrhuber 2004 gestartet hat. Einzelheiten zur Neun-Monatsbilanz will Lufthansa am Donnerstag vormittag auf einer Pressekonferenz mitteilen.

Aktie hat den bitteren Sinkflug längst beendet

Alles in Butter also? Wer auf den Jahreschart blickt, muß diesen Eindruck bekommen. Die langfristigen charttechnischen Aufwärtstrends sind ohnehin intakt (siehe Charts).

Der Zehn-Jahres-Chart dagegen sieht nicht ganz so gut aus. Ihr Rekordhoch erreichte die Lufthansa-Aktie 1998 bei 28,71 Euro. 2000 und 2001 schaffte es der Kurs nochmals über 25 Euro, doch danach begann ein bitterer Sink-, wenn nicht Sturzflug, der erst 2003 bei 6,91 Euro ein Ende fand. Seit der Korrektur im Jahr 2004 zeigt der Kurs recht steil nach oben, allein in den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie mehr als 55 Prozent an Wert gewonnen.

Das Geschäft ist volatiler als es scheint

Deutsche Lufthansa: Das klingt nach einem grundsoliden Investment. Doch die Aktie - siehe oben - ist volatiler, als die vergangenen Monate suggerieren könnten. Wie volatil das Luftfahrtgeschäft ist, läßt sich auch gut an der langfristigen Entwicklung wichtiger Kennzahlen ablesen.

Während der Umsatz in den vergangenen zehn Jahren im Trend klar nach oben wies - er erhöhte sich von 10,7 Milliarden Euro 1996 auf 18,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr - ist das operative Ergebnis gehörigen Schwankungen unterworfen. Im vergangenen Jahr standen hier 453 Millionen Euro. Im Jahr 2000 waren es noch eine Milliarde gewesen, im Jahr darauf dagegen nur 28 Millionen. 2001 und 2003 schrieb der Konzern unter dem Strich tiefrote Zahlen.

Die Umsatzrendite (gemessen am Ergebnis vor Ertragssteuern) stieg im vergangenen Jahr zwar von 3,2 auf 4,8 Prozent, davor war sie - mit Ausnahme der beiden Verlustjahre - aber deutlich höher. 1998 etwa konnte die Lufthansa noch jeden zehnten Umsatzeuro als Gewinn verbuchen. Indes ist dies kaum verwunderlich, da die Liberalisierung des Luftfahrtsektors erst in diesen Jahren zu greifen begann und so bis dahin noch ein Gutteil Monopolgewinne anfiel.

Harte Konkurrenz, Gefahr von Anschlägen

Die meisten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung 17,8 für dieses und 13,8 für das kommende Jahr. Mit Blick auf die jüngst vorgelegten Zahlen und Erwartungen ist diese Bewertung durchaus gerechtfertigt. Auch die erwartete Dividendenrendite für 2007 von immerhin 3,15 Prozent kann sich sehen lassen.

Trotzdem dürfen Anleger die Risiken keinesfalls vergessen. Die großen Luftfahrtunternehmen müssen nicht nur im Kampf gegen die Billigkonkurrenz bestehen, sondern auch weitere Anschläge fürchten, wie sie sich am 11. September 2001 ereigneten. Auch die fast wieder in Vergessenheit geratene Vogelgrippe könnte den Investoren einen Strich durch die Rechnung machen. Ein solches Ereignis bricht bei Aktien von Fluggesellschaften wohl jeden Aufwärtstrend. Absicherungsstrategien sind deshalb unabdingbar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: ddp, FAZ.NET

 
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