Photovoltaik

Aktie von Phoenix Solar ringt um neues Allzeithoch

Die Sonne glänzt hell über Phoenix Solar

Die Sonne glänzt hell über Phoenix Solar

02. November 2007 Der Donnerstag war ein trauriger Tag an allen Börsen. An allen? Nein, ein kleiner Index von 30 Werten vermochte sich zu behaupten und ein Plus von 0,06 Prozent in den Feierabend zu retten. Die Rede ist vom deutschen TecDax, besser gesagt vom deutschen SolarDax, da diese Branche mit einer Gewichtung von rund 30 Prozent viel über Wohl und wehe des Index' entscheidet.

Ersol verzeichneten ein Plus von 6,7, Solon von 5,1 und Q-Cells von 3,6 Prozent. Sogar die Aktien von Conergy, die vor kurzem noch so stark unter Druck gestanden hatten, konnten sich mit einem Plus von 0,3 Prozent behaupten.

Starker Lauf

Wesentlicher Treiber für die Kursanstiege war der auf ein neues Rekordhoch gestiegene Ölpreis, da die Anleger dann dazu neigen, davon auszugehen, dass alternative Energieträger wie die Solarenergie attraktiver sind und dies den Unternehmen zugute kommt.

Am Donnerstag können sich die TecDax-Solarwerte dem Abwärtstrend nicht mehr so ganz entziehen, zumal der Rohölpreis am Vorabend deutlich zurückkam und aktuell keine Neigung verspürt sein rekordhoch von 96,24 Dollar zu übertrumpfen. Insofern liegen nur Conergy mit 1,8 Prozent deutlich im Plus, vor allem weil der Aktienkurs im Oktober in der Spitze um 55 Prozent nachgegeben hat. Auch Solon verzeichnen noch ein bescheidenes Plus.

Außerhalb des TecDax hielten sich die Kursgewinne an Allerheiligen mit Ausnahmen in Grenzen. Neben der Solarvalue AG verzeichneten nur Phoenix Solarstrom mit einem Plus von 7,5 Prozent deutliche Kurszuwächse und auch an Allerseelen ist es die einzige Solar-Aktie, die sich mit einem Plus von fünf Prozent fest zeigt.

Starkes Quartal

Hintergrund dürften die vom Unternehmen vorgelegten vorläufigen Geschäftszahlen für das dritte Quartal sein. Demnach hat das Systemhaus für Photovoltaik den Umsatz im Berichtszeitraum um 156 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 73,2 Millionen Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis (vor Zinsen und Steuern, Ebit) wuchs im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres um mehr als das Sechsfache auf 9,5 Millionen Euro. Damit erreichte die Ebit-Marge 13 Prozent nach nur 2,1 Prozent im zweiten Quartal und 5,3 Prozent im dritten Quartal des Vorjahres.

In den ersten neuen Monaten des laufenden Jahresstiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum um das Doppelte auf 132,0 Millionen Euro und damit über den Gesamtumsatz des Vorjahres von 119 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis nach neun Monaten beträgt 9,0 Millionen Euro und liegt ebenfalls deutlich über dem Ebit des Geschäftsjahres 2006 von 4,8 Millionen Euro. Die Ebit-Marge im Zeitraum Januar bis September 2007 liegt bei 6,8 Prozent.

Als Hauptgrund für die Zuwächse bei den Konzernzahlen hat das Unternehmen hohe Umsätze im Segment Komponenten & Systeme und die erfolgreiche Umsetzung von Photovoltaik-Anlagen im Ausland ausgemacht. „Wir haben im dritten Quartal eine enorme Nachfrage nach Solarmodulen insbesondere aus Deutschland verzeichnet“, erklärt eine Firmensprecherin. Außerdem habe eine Reihe von Großprojekten umgesetzt werden können.

Starke Prognose

Der Vorstand passte zudem seine Prognose für den Konzern an und geht nun für das Gesamtjahr 2007 von Gesamtumsatzerlösen von mehr als den bislang prognostizierten 200 Millionen Euro und einem Ebit von mehr als 11 Millionen Euro. Bislang wurde ein Betriebsergebnis von neun Millionen Euro vorausgesagt.

Das zeigt aber gleichzeitig, dass das dritte Quartal ein Ausnahmequartal war, in dem zum einen überproportional viel Umsatz generiert wurde. Für das vierte Quartal ist wohl von einem Umsatz auf dem Niveau des dritten Vierteljahres auszugehen. Zum anderen wird das Betriebsergebnis im letzten Viertel deutlich niedriger ausfallen, ergeben sich rechnerisch doch lediglich zwei Millionen Euro als Differenz zwischen dem Ebit nach neun Monaten und der angepassten Prognose.

„Das dritte Quartal war in Bezug auf die Ertragsstärke sicher ein sehr besonderes. Diese Entwicklung wird sich im vierten Quartal in der Form nicht ohne Weiteres fortsetzen“, betonte auch die Sprecherin.

Unruhiges Umfeld

Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26,7 für das laufende und 18.8 für das kommende Jahr ist die Phoenix-Aktie im Branchenvergleich eher preiswert, allzumal das KGV für 2007 nach der erhöhten Prognose wohl eher niedriger ausfallen dürfte. Charttechnisch ist der Aktiennotierung zudem gelungen, endlich die Hochs des Vorjahres wieder zu überwinden. Mit 30 Euro war das Papier noch nie so gut bezahlt.

Indes ist noch nicht ausgemacht, dass dieses Hoch den Tag überleben kann. Denn nicht nur ein schwacher Gesamtmarkt reizt zu Gewinnmitnahmen, für Solar-Aktien scheint das Umfeld am Freitag ungünstig.

Das liegt in erster Linie an einem Zeitungsbericht, wonach die Förderung des Solarstroms in den kommenden Jahren deutlich gekürzt werden soll. Die Vergütung für die Betreiber neuer Solarstrom-Anlagen werde von 2009 an pro Jahr im Schnitt um acht Prozent sinken. Darauf hätten sich Bundesumwelt- und Wirtschaftsministerium in den Verhandlungen zum Klimaschutzprogramm verständigt.

Innovationsanreize und -bremsen

Die Regierung wolle damit eine überhöhte Förderung der Stromerzeugung durch Photovoltaik verhindern und einen Anreiz setzen, dass die Anlagen billiger werden. Die Regierung könnte damit auf Kritik von Stromkonzernen, Wirtschaftsverbänden und Verbraucherschützern reagieren, die die Kosten der Förderung für zu hoch halten.

Schon lange wird kritisiert, dass die technische Entwicklung der Branche viel schneller gegangen sei als geplant und daher die hohen Subventionen nicht nur nicht notwendig, sondern auch kontraproduktiv seien. Da der Produktionsaufwand doppelt so schnell sinke wie die Einspeisevergütung, ermögliche dies den Herstellern, überhöhte Preise zu verlangen.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) dürfte ein Solarmodul je Watt Leistung nur etwa 3 Euro kosten, derzeit sind es 4 bis 4,50 Euro. Dies sei auch der Grund, warum die Solar-Unternehmen so gut verdienten. In der Branche werde im Moment regelrecht abgezockt, sagte selbst der frühere Umweltminister Jürgen Trittin erst in diesem Jahr.

Schon jetzt beklagen Fachleute, dass die Hersteller angesichts der üppigen Förderung träge würden. Ähnlich wie die deutsche Automobilindustrie beim Hybridantrieb könnten sie Neuerungen verschlafen und ihren Vorsprung durch Technik schnell einbüßen.

Im Wesentlichen nichts Neues

In einer Kürzung der Förderung läge für gute Unternehmen der Branche also auch eine Chance. Für Anleger hieße dies aber sich auf niedrigere Gewinne einzustellen und das dürfte - falls die Maßnahme tatsächlich durchgeführt würde - die mit KGVs von 40, 50 und mehr gehandelten Aktien deutlich belasten - und tut es auch schon am Freitag.

Doch die Verluste halten sich in Grenzen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass „der Neuigkeitswert des Artikels recht gering“ ist, wie ein Analyst kommentiert. Es sei bereits aus dem Entwurf ersichtlich gewesen, dass sich die Degression ab 2009 und nochmals ab 2010 verstärken werde. Vielmehr komme es zu nach der jüngsten Rekordfahrt zu Gewinnmitnahmen.

Insofern sind auch die Aussichten für die Phoenix-Aktie derzeit vor allem auf charttechnischer Basis recht gut, obgleich einiges davon abhängt, ob sich der Kurs über dem Hoch von 2006 behaupten kann. Sollte er darunter schließen, wäre dies kein Gutes Zeichen, vielmehr stehen dann aufgrund des steilen Kursanstiegs von mehr als 80 Prozent in den vergangenen zehn Wochen weitere Gewinnmitnahmen zu befürchten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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