31. März 2008 Mit dem Ende der Osterzeit sind Verunsicherung und Nervosität an die Aktienmärkte zurückgekehrt. Nachdem der Deutsche Aktienindex Dax in der Osterwoche um 3,8 Prozent zugelegt hatte, drückten Gerüchte über weitere Bankenschieflagen und Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise den deutschen Leitindex am Montag ins Minus.
Am Nachmittag pendelte das Barometer der 30 wichtigsten deutschen Börsenwerte um die Marke von 6500 Punkten - ein Minus von einem Prozent. Später erholten sich die Kurse ein wenig. Der besser als erwartet ausgefallene Chicagoer Einkaufsmanagerindex des Monats März, ein Frühindikator der amerikanischen Wirtschaft, beruhigte die Gemüter.
Diese Krise ist alles andere als vorbei
Auch die meisten anderen europäischen Leitindizes standen zum Wochenauftakt - allerdings bei äußert schwachen Handelsumsätzen - unter Druck. Händler bezeichneten die Kursgewinne der Vorwoche als Strohfeuer. Dieses sei zu einem nicht unerheblichen Teil durch Fonds ausgelöst worden, die auf fallende Kurse gewettet hatten und sich nun mit Aktien eindecken mussten. Diese Short-Seller" leihen Aktien aus und verkaufen diese sofort. Wenn die Wette aufgegangen ist, erwerben sie diese Wertpapiere später zu niedrigeren Kursen, um sie den Verleihern zurückzugeben.
Abermals standen die von der Finanzkrise gebeutelten Bankenwerte im Zentrum des Interesses. Der europäische Stoxx Banks gehörte zu den Branchenbarometern mit den höchsten Kursverlusten. Auf den Aktienmärkten reift die Erkenntnis, dass die Banken auch im ersten Quartal hohe Verluste aus der Finanzkrise tragen müssen. Die Turbulenzen hatten im Juli mit steigenden Ausfallraten auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt begonnen. Seit Jahresbeginn hat sich die Krise jedoch auf nahezu alle Kreditmärkte ausgeweitet.
Diese Krise ist alles andere als vorbei", sagt Erik Nielsen, europäischer Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs. Bislang haben die Banken nach Berechnungen der Finanzagentur Bloomberg auf der Welt rund 208 Milliarden Dollar an Verlusten ausgewiesen. Doch nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) drohen dem internationalen Finanzsystem Verluste von 800 Milliarden Dollar.
Schon jetzt hat die Krise die Rangordnung der internationalen Banken kräftig durcheinandergewirbelt: Nach einer Studie der Unternehmensberatung BCG haben die nordamerikanischen und westeuropäischen Banken allein im vergangenen Jahr fast 700 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren. Dagegen sind die Kurse von Banken aus Schwellenländern wie China, Indien und Russland enorm stiegen. Gemessen an der Marktkapitalisierung, stammten mittlerweile drei der vier der größten Banken der Welt aus China, sagt BCG-Partner Gerold Grasshoff. Schon vor einigen Monaten wurde der einstige Primus, die Citigroup, vom Thron gestürzt. Selbst die spanische Bank Santander ist mittlerweile mehr wert als der amerikanische Bankenriese.
Im Zentrum der Gerüchte über weitere Abschreibungen stand am Montag, wie schon so häufig, die Schweizer Bank UBS. Der Kurs fiel um mehr als 2,5 Prozent. Der Hauptgrund: Analysten der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch taxierten den Bedarf weiterer Wertkorrekturen der UBS auf 11 Milliarden Dollar. Am Dienstag oder Mittwoch sollte Klarheit darüber einkehren, ob die Bank eine noch größere Kapitalerhöhung benötigt als bislang angenommen. Denn dann wird die Tagesordnung zur Hauptversammlung am 23. April veröffentlicht. Die UBS-Führung muss dabei zu dem Antrag der Anlagestiftung Profond Stellung nehmen, die eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht im Umfang von 10 Milliarden Franken verlangt. Spekuliert wird, dass der Verwaltungsrat auf ein genehmigtes Kapital ausweichen könnte, was ihm mehr Flexibilität bei einer Kapitalerhöhung gäbe.
Gerüchte im Bankensektor - Quartalsultimo-Effekte am Geldmarkt
Zudem waren die Märkte verstört, weil die UBS Herabstufungen in Kundendepots einräumen musste. Betroffen sind vor allem amerikanische Anleger, die Auction Rate Securities" (ASR) gezeichnet hatten. Sie waren mit dem Versprechen gelockt worden, ASR könnten die höhere Rendite langfristiger Anleihen mit kurzfristiger Verfügbarkeit verbinden. Jetzt sind auch diese Märkte weitgehend illiquide, und die UBS hat Wertberichtigungen bis zu gut 20 Prozent vorgenommen. Neben dem Rufschaden befürchten Marktbeobachter als Folge davon eine Kette juristischer Auseinandersetzungen, in welche die Bank in den Vereinigten Staaten geraten könnte.
Die Meldung zum erhöhten Wertberichtigungsbedarf der UBS heizte abermals das gegenseitige Misstrauen der Banken an und belastete den europäischen Geldmarkt. Zum anderen führten Händler die Liquiditätsverknappung auf den Quartalsultimo am Montag zurück. An diesem Tag seien die Banken mit Blick auf ihre Quartalsbilanzen stets besonders zurückhaltend mit der Vergabe von Krediten an andere Institute, erläuterten Händler. In diesem Jahr gelte dies erst recht.
Um die so bedingte Liquiditätsknappheit zu lindern, beraumte die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag kurzfristig eine zusätzliche Versteigerung von Bankenliquidität an. 25 Kreditinstitute reichten Gebote über insgesamt 73,7 Milliarden Euro ein, die EZB teilte 15 Milliarden Euro zu einem Durchschnittsjahreszins von 4,13 Prozent zu. Der Marginalzins - der niedrigste Satz, zu dem Gebote noch akzeptiert wurden - betrug 4,06 Prozent.
Die Institute müssen diese Kredite bereits am Dienstag zurückzahlen. Am Nachmittag wurde Tagesgeld mit Abwicklung am Dienstag, dem ersten Tag im neuen Quartal, allerdings weiterhin recht hoch mit 4,08 Prozent gehandelt. Auch der Euribor-Zins für Dreimonatskredite verharrte mit 4,73 Prozent auf hohem Niveau. Am Freitag hatte die EZB angekündigt, in dieser Woche erstmals Refinanzierungskredite mit sechsmonatiger Laufzeit zu versteigern. Diese Ankündigung hat somit bislang noch keine erkennbare Wirkung auf die Zinsen am Geldmarkt gezeitigt.
Text: F.A.Z., 01.04.2008, Nr. 76 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,83 € | +2,82% |
| Salzgitter | 69,75 € | +1,90% |
| MAN | 55,20 € | +1,43% |
| Volkswagen | 74,88 € | +1,29% |
| Dt. Telekom | 10,41 € | +1,22% |
| Dt. Bank | 50,38 € | −0,82% |
| Fresenius Vz | 48,42 € | −0,96% |
| Lufthansa | 11,83 € | −1,09% |
| K+S | 41,10 € | −1,11% |
| Henkel Vz | 36,43 € | −1,33% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.963,66 | +0,56% |
| TecDAX | 812,07 | −0,70% |
| MDAX | 7.477,49 | +0,31% |
| SDAX | 3.547,92 | +0,01% |
| REX | 377,94 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.950,76 | +0,84% |
| Dow Jones | 10.461,60 | +0,46% |
| Nasdaq 100 | 1.838,44 | +0,53% |
| S&P500 | 1.114,05 | +1,05% |
| Nikkei225 | 10.378,00 | +1,91% |
| EUR/USD | 1,4286 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 72,57 $ | −0,58% |
| Gold | 1.105,50 $ | +0,09% |
| Bund Future | 122,52 € | −0,31% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index22.12.2009 13:00 |
1400,97 | 1349,16 | 1295,46 |
Performance-Index22.12.2009 13:50 |
309,05 | 298,10 | 283,62 |
Euro-Aktien-Index22.12.2009 13:50 |
145,13 | 141,26 | 130,27 |
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