25. April 2008 Die ärgsten Ängste der Anleger vor einem scharfen wirtschaftlichen Abschwung und sinkenden Unternehmensgewinnen haben sich am Freitag an den Aktienbörsen weiter zerstreut. Glänzende Quartalsberichte einiger Unternehmen waren für viele Investoren Anlass zum Aktienkauf.
Vor allem Ericsson begeisterte die Anleger mit einem unerwartet starken Geschäftsbericht (Anleger rehabilitieren Ericsson-Aktie). Der Kurs der Ericsson-Aktie sprang um bis zu 27 Prozent. Allerdings hatte sich der Wert zuvor seit dem vergangenen Herbst halbiert. Unter den deutschen Aktien ragten BMW heraus. Der Automobilhersteller hatte seine Jahresprognose bekräftigt.
Der Deutsche Aktienindex gewann rund 1,1 Prozent auf 6897 Punkte. Er liegt zwar noch rund 13 Prozent unter dem zu Jahresbeginn erreichten Niveau. Doch im Vergleich zum Höhepunkt der Finanzkrise im März hat er sich um rund 10 Prozent erholt. Parallel zur Erholung der Aktien spielt allerdings der Anstieg der Inflationsraten in aller Welt eine wachsende Rolle.
Kurse japanische Anleihen zeitweise ausgesetzt
Während in Deutschland wegen der Teuerungsrate von mehr als 3 Prozent die Verzinsung der Staatsanleihen in den vergangenen Wochen allmählich gestiegen ist - für zehnjährige Titel des Bundes von 3,7 auf zuletzt 4,2 Prozent -, hat die unerwartet hohe Inflationsrate in Japan am Freitag eine ungewöhnlich heftige Reaktion der Anleger ausgelöst. Zeitweise setzte die Tokyo Stock Exchange (TSE) den Handel aus, nachdem die Kurse der Terminkontrakte auf Staatsanleihen auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten gefallen waren.
Als Folge der Inflationsdaten gaben viele Händler ihre Erwartung auf, dass die Bank von Japan in den kommenden Monaten den Leitzins von 0,5 Prozent senken würde, und wechselten zur Pro gnose einer Zinserhöhung in den kommenden zwölf Monaten. Die Markterwartung hat sich komplett gedreht, hieß es in Händlerkreisen. Die landesweite Inflationsrate war im März auf ein Zehn-Jahreshoch von 1,2 Prozent gestiegen, wie das Statistikamt vor Handelsbeginn mitgeteilt hatte.
Der Preisdruck dürfte weiter hoch sein
Zu den Inflationssorgen trug auch bei, dass die Teuerungsrate im Großraum Tokio trotz der Halbierung der Benzinsteuer im April und damit deutlich gesunkenen Kraftstoffpreisen nicht gefallen, sondern gestiegen war. Dies deutet auf weiteren Preisdruck hin, weil die Regierung die Benzinsteuer im Mai wieder anheben will. Die Inflationsdaten für den Großraum Tokio liegen einen Monat früher vor als die landesweiten Werte.
Die Rendite auf japanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stieg am Freitag um 0,15 Punkte auf 1,64 Prozent. Die Terminkontrakte auf diese langfristigen Anleihen gaben um 1,49 Punkte auf 135,59 Prozent nach.
Der Euro fällt gegenüber dem Dollar
Gemessen an den Kursbewegungen der Aktienmärkte, wirkt das gering, doch für Anleiheinvestoren, die risikoscheuer sind, sind solche Verluste ungewöhnlich. Die Inflationsentwicklung war am Freitag nur der Auslöser für den Kursverfall. Schon seit Mitte März haben die Kurse der japanischen Staatsanleihen, nach einem monatelangen Anstieg, spürbar nachgegeben.
Händler nennen als Gründe dafür die Erholung des Dollar gegenüber dem Yen und die steigenden Rohstoffpreise, welche auch die amerikanische Zentralbank von weiteren Zinssenkungen abhalten könnte. Diese Aussicht bestimmt auch den Handel mit dem Euro. Zu Wochenbeginn hatte der Wechselkurs noch ein Rekordhoch von gut 1,60 Dollar je Euro erreicht (Der Euro steigt erstmals über 1,60). Doch danach setzte eine Gegenbewegung ein. Allein am Freitag büßte die europäische Gemeinschaftswährung gut einen amerikanischen Cent ein und wurde im späten europäischen Geschäft mit knapp 1,56 Dollar gehandelt.
Text: ruh./pwe.
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +1,48 | +1,98 |
| CONTINENTAL AG INHAB | +0,36 | +0,49 |
| DAIMLER AG NAMENS - | +0,12 | +0,30 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | -0,84 | -3,12 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,52 | -2,58 |
| BAYERISCHE MOTOREN W | -0,74 | -2,58 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.256,20 | -0,98 |
| TecDax | 802,53 | +0,73 |
| DowJones | 11.417,43 | +0,61 |
| Nasdaq | 2.389,08 | +0,20 |
| STOXX 50 | 3.259,83 | -1,08 |
| Nikkei 225 | 12.752,21 | -0,77 |
| S&P 500 Zert. | 12,65 | -0,55 |
| Euro/Dollar | 1,48 | +0,54 |
| Bund Future | 114,28 | -0,42 |
| Gold | 826,52 | +1,75 |
| Öl | 114,78 | +3,31 |
