Pharmazie

Stada-Aktie fehlen die Impulse

27. März 2008 Dass Stada im vergangenen Jahr erneut Rekordergebnisse einfahren konnte, war schon bekannt. „2007 war für Stada das zwölfte Jahr in Folge, in dem wir neue Spitzenwerte bei Umsatz und Ertrag erreichen konnten“, sagte der Stada-Vorstandsvorsitzende Hartmut Retzlaff.

Die Internationalisierung der vergangenen Jahre zeigt weiter Wirkung, 2007 erzielten die Bad Vilbeler rund 63 Prozent des Umsatzes im Ausland. In Deutschland, dem weiterhin größten nationalen Markt von Stada, steigerte der Konzern den Umsatz um 20 Prozent auf 579,8 Millionen Euro.

Zwölftes Rekordjahr in Folge

Bei einem Umsatzanstieg von weltweit 26 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro stieg der Konzerngewinn um 14 Prozent auf 105,1 Millionen Euro. Unter Herausrechnung einmaliger Sondereffekte könnte Stada 146,8 Millionen Euro verbuchen. Wie bereits bekannt, belastete die Restrukturierung des Vertriebs den Gewinn mit 61,5 Millionen Euro vor Steuern. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 19 Prozent auf 215,5 Millionen Euro.

Das ist nicht neu, wurde dies doch schon Anfang des Monats vermeldet. Damals gab Stada keine Prognose für das laufende Jahr ab. Der Vorstand gehe davon aus, dass das im M-Dax notierte Unternehmen „auch künftig in einem herausfordernden Umfeld ein nachhaltiges operatives Wachstum erreichen kann und dass damit der erfolgreiche Wachstumskurs des Konzerns auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden kann“, hieß es lediglich.

Prognose weiter eher unbestimmt

Am Donnerstag nun wurde das Unternehmen konkreter - indes nur ein wenig. Man strebe weiterhin operativ wie auf Erlösbasis Zuwächse und eine weitere Verbesserung des Marktanteils im Marktsegment Generika an. Die tief greifenden Veränderungen des deutschen Generika-Marktes durch die Rabattverträge würden Stada aus heutiger Sicht „ nicht dauerhaft beeinträchtigen“. In einzelnen nationalen Märkten könne es allerdings immer wieder zu signifikanten regulatorischen Eingriffen, intensivem Wettbewerb und signifikantem Margendruck kommen, räumte Stada am Donnerstag ein.

Der langjährige Wachstumskurs soll durch geeignete Zukäufe beschleunigt werden, man prüfe kontinuierlich geeignete Übernahmeobjekte - auch das ist nichts Neues, ebenso wenig wie die Bekräftigung, man halte zur Schaffung eines ausreichenden Finanzierungsrahmens für die Akquisitionsvorhaben weiterhin geeignete Kapitalmaßnahmen für vorstellbar. Dies gelte für den Fall, dass Zukäufe die Eigenkapitalquote zu stark belasten sollten, erläuterte Stada.

Hoffen auf das dreizehnte Rekordjahr

Stada wies Ende 2007 eine Eigenkapitalquote von 36,6 Prozent aus, die damit deutlich im zufrieden stellenden Bereich von über 30 Prozent liege. Somit stünden dem Konzern auch unverändert für das weitere Wachstum ausreichende Finanzmittel zur Verfügung. Insofern steht eine Kapitalerhöhung auch nicht unmittelbar bevor, allzumal Stada bislang keine Neigung zu gigantischen Zukäufen gezeigt hat.

Insofern bleibt letztlich alles bei dem Generika-Hersteller beim alten - und so überrascht nicht, dass der Aktienkurs am Donnerstag zunächst praktisch unverändert den Handel eröffnet.

Letztlich ist es dies im Grunde eine gute Nachricht, kann man damit doch 2008 auf das dreizehnte Rekordjahr in Folge hoffen. Das tun offenbar auch zahlreiche Anleger zu tun und so lässt sich konstatieren, dass sich die Stada-Aktie im schwierigen laufenden Jahr recht gut geschlagen hat - Pharma-Aktien gelten eben als defensive Werte.

Stabile Kursentwicklung...

Zwar könnte sich auch die Stada-Notiz im März dem Abwärtsdruck an den Börsen nicht entziehen, doch fing sich in den vergangenen Tagen der Kurs wieder. Dabei mag eine Rolle gespielt, dass sich einige Investoren für den Donnerstag eine etwas konkretere, positive Prognose gewünscht und diese auch erwartet haben.

Diese Erwartung wurde enttäuscht, aber eine gute Nachricht gab es dann denn doch: Der Arzneimittelhersteller hat seinen Marktanteil in Deutschland 2007 auf 10,9 von 9,3 Prozent im Vorjahr deutlich erhöht. Stada profitierte von einer kräftigem Umsatzplus von 69 Prozent bei der Billigmarke Aliud, die zahlreiche Rabattverträge mit Krankenkassen abgeschlossen hat, so dass sich diese bislang offenbar eher positiv auswirken.

Damit scheinen sich die Anleger zu bescheiden und verhalfen dem Wert etwas später zu einem Plus von knapp einem Prozent. Die künftige Kursentwicklung hängt nicht zuletzt von der Entwicklung des Gesamtmarktes ab. denn mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der Analystenprognosen von knapp 16 für das laufende und 13,7 für das kommende Jahr ist die Aktie zwar nicht mehr so teuer wie einst, aber recht angemessen bewertet. Und die Dividendenrendite von knapp zwei Prozent erscheint nicht unbedingt ein Kaufargument zu sein.

... dürfte sich fortsetzen

Charttechnisch befindet sich die Notiz ein wenig im Niemandsland. Kurzfristig stellt die Marke von 44 Euro einen Boden dar, bis zum Februarhoch von 47,45 Euro gibt es etwas Luft. Längerfristig ist die Notierung bei 42,50 Euro gut unterstützt. Gelingt es die Marke von 47,50 Euro zu überwinden, so schienen 50 Euro in Reichweite zu sein. Doch derzeit fehlen eben die Impulse aus guten Prognosen oder neuen Akquisitionen. Insofern dürfte sich der Kurs aller Voraussicht nach erst einmal im Bereich zwischen 44 und 47,50 Euro einpendeln.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

 
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