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Adidas-Aktie trabt wegen Reebok gemütlich hinterher

05. März 2008 Die Adidas-Aktie kommt nicht mehr voran. Klar ist inzwischen auch, warum: Auch drei Jahre nach der Übernahme bleibt die Marke Reebok das Sorgenkind. 2007 schrumpfte der Umsatz von Reebok um sechs Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Nun hat Adidas Reebok-Chef Paul Harrington zum 1. April 2008 gefeuert. Doch der Nachfolger kommt aus dem gleichen Haus, es ist Marketing-Chef Uli Becker. Ob das eine gute Wahl war? Immerhin ist er als alter, erfahrener Adidas-Mann bekannt. Die Deutschen ziehen jetzt also die Zügel deutlich an, was sie schon längst hätten tun sollen.

Reebok ist zu schlecht und zu groß

Adidas hatte Reebok eigentlich übernommen, um auf dem amerikanischen Markt besser Fuß zu fassen. Doch sie hätten es besser weiter allein versucht. Denn seither kommt Reebok kaum noch voran. Offenbar ist der Brocken Reebok zu schlecht und zu groß gewesen. Zudem wurde die Übernahme nicht konsequent genug vollzogen. Vorerst sieht es auch nicht danach aus, als könnte sich das bessern. Denn Reebok verliert weiter gegenüber Nike.

Der Adidas-Aktie könnte es daher schwer fallen, das aktuelle Niveau zu halten. Hochgehalten wird die Aktie derzeit wohl nur noch, weil die Historie so hervorragend ist und auch das Ergebniswachstum künftig zweistellig ausfallen soll. Damit hat Adidas einen Bonus bei vielen Anlegern. Zum Glück kauft der Konzern derzeit aktiv Aktien zurück, das sichert die Basis derzeit noch ab und schützt wahrscheinlich vor weiteren Verlusten.

Optimistisch für die Zukunft

Adidas steigerte seinen Gewinn 2007 trotz der Probleme in Amerika um 14 Prozent auf 551 Millionen Euro. Der Konzern verzeichnete damit das siebte Jahr in Folge ein zweistelliges Gewinnplus. Der Konzernumsatz erhöhte sich aufgrund der Stärke des Euro aber um lediglich zwei Prozent auf 10,3 Milliarden Euro. Die Auftragsbücher für das Jahr 2008 sind wegen zahlreicher Sportereignisse wie die Olympischen Spielen in Peking und der Fußball-Europameisterschaft gut gefüllt. Deshalb blickt Adidas auch zuversichtlich nach vorne.

Von diesem Optimismus ließ sich auch die Börse am Mittwoch zeitweise ein wenig anstecken. Titel von Adidas profitierten unter dem Strich, wenngleich es zwischenzeitlich stark auf und ab ging. Nachdem die Aktien zunächst um bis zu 3,59 Prozent auf 42,94 Euro gestiegen waren, fielen sie gegen 11.25 Uhr mit einem Minus von 0,82 Prozent dann sogar auf 41,11 Euro ans Dax-Ende. Der deutsche Leitindex stieg zur selben Zeit um 1,14 Prozent.

Analysten bleiben positiv gestimmt

Die Reaktionen der Analysten sind zwiespältig. Ihre Kursziele erscheinen derzeit weit weg. Ein wenig Zweckoptimismus klingt auch durch.

„Die Zahlen für das vierte Quartal sehen okay aus, aber der Auftragsbestand bei Reebok ist sogar noch schlechter als erwartet“, sagte Equinet-Analyst Ingbert Faust. Dagegen sei der Auftragsbestand bei der Marke Adidas sehr stark und über seinen Schätzungen ausgefallen. Insgesamt bleibe er bei seiner positiven Sicht auf das Unternehmen. Reebok sei aber weiterhin mit Blick auf die mittelfristige Entwicklung das große Fragezeichen. Faust bestätigte die Aktie mit „Buy“ und einem Kursziel von 55 Euro.

Robert Greil von Merck Finck & Co sagte, die Zahlen lägen sowohl unter seinen als auch unter den Markterwartungen. Der Quartalsumsatz habe seine Prognose fast erreicht. Doch operativ hinke Adidas seinen Schätzungen hinterher, wofür vor allem höhere Marketing- und Integrationskosten bei Reebok verantwortlich seien. Bei den Marken habe der Umsatz bei Adidas und Taylor-Made sich gut entwickelt und bei Reebok enttäuscht. Der Ausblick des Unternehmens für das laufende Jahr sei konservativ und keine große Überraschung. Greil blieb bei seiner Einstufung „Buy“ für die Aktie.

Leicht unter den Erwartungen

Die Jahreszahlen hätten im Rahmen der Erwartungen bis leicht darunter gelegen, schrieb Analyst Thilo Kleibauer von M.M. Warburg. Auch er hob den starken Auftragsbestand bei der Marke Adidas hervor. Der Experte erwartet nicht, größere Änderungen bei seinen Schätzungen vornehmen zu müssen, auch wenn die Entwicklung bei Reebok wieder enttäuscht habe. Angesichts der starken Gewinndynamik, des Margenpotentials und der attraktiven Bewertung bleibe die Einstufung „Buy“.

Von Independent Research hieß es, die Zahlen seien „vor allem ergebnisseitig unter unseren Erwartungen ausgefallen“. Der Auftragsbestand bei Reebok sei weiter schwach, bei Adidas bewerte er diesen positiv. Analyst Zafer Rüzgar passte daher seine Ergebnisschätzungen für den Gewinn je Aktie leicht nach unten an. Die Einstufung bleibe „Akkumulieren“ bei einem Kursziel von 44 Euro.

Adidas hat im Gesamtjahr sowie im vierten Quartal 2007 seinen Gewinn nicht ganz so stark gesteigert wie von Analysten erwartet. Dagegen übertraf der Umsatz die Schätzungen. Den Aktionären will Adidas eine um 19 Prozent höhere Dividende von 0,50 Euro je Aktie zahlen nach 0,42 Euro im Vorjahr. Im laufenden Jahr soll der Gewinn um „mindestens“ 15 Prozent steigen. Die Erlöse sollen 2008 währungsbereinigt im hohen einstelligen Bereich wachsen.

Saisonabhängig

Der Ausblick und das Aktienrückkaufprogramm stützten die Stimmung, erklärte Kepler-Analyst Mark Josefson. Equinet verwies darauf, dass das vierte Quartal sehr saisonabhängig ist. Kepler ließ sein Kursziel bei 52 Euro.

Der Kursentwicklung von adidas dürfte unter der schwachen Leistung von Reebok und der Region Nordamerika leiden, glaubt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Rohertragsmarge von Adidas habe mit 46,6 Prozent knapp unter der Prognose gelegen (47,1 Prozent), sei aber mehr als ausreichend, um die höheren operativen Kosten aus der Reebok-Integration und der anstehenden Fußball-WM auszugleichen. Das Kursziel: 48 Euro, der Rat: Kaufen.

Adidas bestätigt den Ausblick für 2009

Mit Blick auf das anhaltende organische Wachstum der Marken sowie der Synergien aus der Reebok-Integration werde erneut mit einer starken Umsatz-und Gewinnentwicklung gerechnet, schreibt der Vorstand in seinem am Mittwoch vorgelegten Geschäftsbericht 2007.
Der Konzernumsatz soll währungsbereinigt im hohen einstelligen Bereich steigen. Hierzu würden vor allem die Marke adidas, die Marke TaylorMade-adidas Golf und die Revitalisierung von Reebok beitragen.

Die Rohertragsmarge des Konzerns sieht der Vorstand zwischen 46 Prozent und 48 Prozent. Für 2007 wurde ein Wert von 47,4 Prozent ausgewiesen. Im laufenden Jahr soll diese Marge der Prognose zufolge auf 47,5 Prozent bis 48 Prozent steigen. Hier sollen sich der veränderte Produktmix und die geografische Verteilung, der Ausbau der eigenen Einzelhandelsaktivitäten sowie Kostensynergien aus der Reebok-Integration positiv auswirken. Diese würden jedoch durch steigende Einkaufspreise weitgehend aufgehoben.
Für die operative Marge prognostiziert der Vorstand einen Anstieg auf rund 11 Prozent. Im Jahr 2008 soll diese Kennzahl auf mindestens 9,5 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr erreichte sie einen Wert von 9,2 Prozent. Der Anstieg würde durch ein geringfügig niedrigeres Marketingbudget erreicht sowie durch Effizienzsteigerungen auf Grund der Synergien aus der Reebok-Integration.

Steigende Umsätze und steigende Profitabilität würden dann das Konzernergebnis im Jahr 2009 im zweistelligen Prozentbereich steigen lassen, heißt es weiter.

Für die weitere Integration der Sparte Reebok zeigte sich der Vorstand zuversichtlich. Die Einmalkosten würden sich im Jahr 2009 auf 15 Millionen bis 25 Millionen Euro belaufen, die Synergien auf 175 Millionen Euro. Der Vorstand plant bis zum Jahr 2009 den Umsatz durch die Integration von Reebok um 500 Millionen Euro zu steigern.

Adidas-Chef verdient weniger als sein Gegenspieler bei Puma

Adidas-Chef Herbert Hainer hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient als Puma-Chef Jochen Zeitz. Hainer kassierte 4,7 Millionen Euro, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht von Adidas hervorgeht. Zeitz, Vorstandschef des viel kleineren Rivalen Puma, erhielt rund 7,2 Millionen Euro. Er bleibt damit einer der bestbezahlten Manager in Deutschland. Der gesamte Adidas-Vorstand kam auf Vergütungen von 11,1 Millionen Euro. 2006 waren es insgesamt 9,4 Millionen Euro, davon rund 3,8 Millionen für Hainer.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @stt
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, F.A.Z.

 
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