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Interhyp-Aktie nach Prognosesenkung auf Talfahrt

14. September 2007 Dass es mit dem amerikanischen Wohnimmobilien- und Hypothekenmarkt eben nicht zum besten steht, ist wohl kein Geheimnis. Doch mittlerweile scheint es so, als ob dieser auch an anderen Ecken der Welt in eine schwächere Phase übergeht.

So häufen sich Negativmeldungen aus England, wo das Finanzinstitut Victoria Mortgage Funding, das Hypothekenkredite an private Bauherren mit niedriger Kreditwürdigkeit vergibt, unter Insolvenzverwaltung gestellt wurde und nach Medienberichten der größte Baufinanzierer Northern Rock die Bank von England wegen einer finanziellen Notlage um Hilfe gebeten hat.

Wohnimmobilienmarkt in der Krise

Auch in Deutschland läuft es alles andere als gut. Die Zahl der Baugenehmigungen in den ersten sechs Monaten des Jahres ist trotz guter Gesamtkonjunktur im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38 Prozent eingebrochen, die für Ein- und Zweifamilienhäuser sogar um rund 50 Prozent.

Hart traf dies Deutschlands größter Fertighausbauer Kampa, der wegen des eingebrochenen Fertighausmarktes bis zu 200 Arbeitsplätze abbauen will. „Der Markt ist 2007 regelrecht zusammengebrochen“, erläuterte Schmidt. Erwartet habe Kampa dagegen einen Rückgang um fünf Prozent. Nach dem Auslaufen der Eigenheimzulage fielen vor allem junge Familien mit niedrigem Einkommen als Bauherren aus.

Wie am Freitag deutlich wurde, betrifft dies nicht nur den Bau-, sondern auch den Finanzierungsmarkt. Am Morgen senkte der Baufinanzierungsvermittler Interhyp die Prognosen für das laufende Jahr gesenkt. Als Grund nannte das Münchener Unternehmen am Donnerstagabend das nochmals schwierigere Marktumfeld für private Wohnimmobilien und eine entsprechend schwächer als erwartete Nachfrage.

Prognosen gesenkt

Unter diesen Rahmenbedingungen rechnet Interhyp für 2007 nunmehr mit einem Finanzierungsvolumen von rund 5,7 Milliarden Euro, einem Rohertrag von rund 75 Millionen Euro und einem Betriebsergebnis (vor Zinsen und Steuern, Ebit) von rund 27 Millionen Euro.

Ursprünglich hatte das Unternehmen mit einem Finanzierungsvolumen von mehr als 6 Milliarden Euro, einen Rohertrag von über 80 Millionen Euro und einem Ebit von rund 32 Millionen Euro gerechnet.

Angesichts dessen kam es am Freitagmorgen, wie es kommen musste. Der Kurs der im Kleinwerteindex SDax notierten Aktien des Unternehmens brach zum Handelsbeginn um 25 Prozent auf 64,49 Euro ein.

Dabei ist die Revision der Prognose, unternehmerisch betrachtet, eigentlich keine Katastrophe. Das Unternehmen wies darauf hin, dass man auch mit der neuen Prognose im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von rund 30 Prozent des Finanzierungsvolumens erreiche.

Auch das Ebit würde, werden die neuen Vorgaben erfüllt, um 20 Prozent wachsen, was sicherlich ein recht ansehnliches Plus darstellt. Im ersten Halbjahr hatte das Unternehmen immerhin ein Plus von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt.

Aktie ist immer noch kein Schnäppchen

Was dem Aktienkurs stärker zum Verhängnis wird, sind offenbar die hohen Erwartungen, die darin eingepreist wurden im Zusammenhang mit einem Markt, der auf schlechte Nachrichten aus der Immobilienfinanzierungsbranche äußerst allergisch reagiert und dabei nicht unbedingt differenziert.

Ausgehend von den ursprünglichen Analystenprognosen betrug das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des Schlusskurses vom Donnerstag für das laufende Jahr 26,5 und 17,6 für das kommende Jahr. Geht man von einer Verringerung des Gewinns je Aktie im laufenden Jahr im Rahmen der gesenkten Betriebsergebnisprognose aus, so ist das KGV für das laufende Jahr nach dem Kurseinbruch vom Freitag leicht auf 24,4 gefallen.

Damit ist die Aktie trotz der hohen Wachstumsraten immer noch kein rechtes Schnäppchen. Vor allem aber zeigt sich einmal mehr, dass der deutsche Wohnimmobilienmarkt immer noch nicht aus dem Schneider ist. Auch der August lief schlecht, wenngleich die Einbußen laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens NTC nicht so hoch ausfielen wie erwartet.

Vorsichtiger Hoffnungsschimmer im August

Der NTC-Bau-Index verbesserte sich von 43,4 Punkten im Juli auf 45,9 Zähler, bleibt damit aber weiter unter der Marke von 50 Punkten und signalisiert damit rezessive Tendenzen. NTC macht einen stark gesunkenen Auftragseingang verantwortlich. „Nachgelassen hat die Nachfrage zu Beginn des zweiten Halbjahrs insbesondere im Bereich Wohnungsbau“, hieß es. Die Baubranche beurteilt die Aussichten für die kommenden zwölf Monate pessimistisch, der betreffende Teilindex sank unter die Marke von 50 Punkten.

Auch wenn in die Augustzahlen Anzeichen einer Bodenbildung hinein interpretiert werden können, rät die offenbar verfrühte Hoffnung auf eine bessere Entwicklung im vierten Quartal des Vorjahres zur Vorsicht. Solange sich eine Erstarkung des privaten Wohnungsbaus nicht deutlich abzeichnet, wird dies auch Interhyp bremsen, obgleich das Unternehmen angesichts eines Marktanteils von unter drei Prozent seine Positionierung auch in einem angespannten Markt weiter verbessern kann, wie auch die immer noch starken, revidierten Prognosen nahelegen.

Viele negative Faktoren kommen zusammen

Andererseits sind mit dem starken Kurseinbruch sämtliche Trendlinien nach unten glatt durchschlagen worden, so dass der seit April anhaltende Abwärtstrend eine dramatische Beschleunigung erfahren hat und im frühen Handel auch das Novembertief von 62,50 Euro durchschlagen wurde.

Damit steuert die Notierung auf einen Test des im Mai 2006 erreichten Tiefs von 54 Euro zu, weil sämtliche Unterstützungen durchbrochen wurden - mit Ausnahme der aus der Seitwärtsbewegung nach dem Börsengang resultierenden Linie bei 50 Euro.

Solange sich die Bewegung nicht beruhigt hat, ist ein Anstieg vorläufig nicht angezeigt, allzumal im Kurs immer noch ein gewisses Erwartungsniveau eingepreist ist. In einem stabileren Umfeld und mit einem freundlicheren Kursbild könnte das Papier aber wieder interessant werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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