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AWD-Aktie derzeit ohne Aufwärtspotential

18. August 2005 Schwache Zahlen für das zweite Quartal legte am Donnerstag morgen der Finanzmakler AWD vor. Der Umsatz der im MDax gelisteten Gesellschaft schrumpfte im zweiten Quartal um 4,2 Prozent auf 148,9 Millionen Euro, anstatt wie erwartet auf über 160 Millionen Euro Umsatz zu wachsen. Vor allem in Deutschland sanken die Erlöse um 18 Prozent auf 71,5 Millionen Euro. Die Zahl der Neukunden fiel in den ersten sechs Monaten von 108.300 auf 96.500.

Etwas besser nimmt sich die Gewinnseite aus. Unter dem Strich sei von April bis Juni ein Konzerngewinn von zwölf Millionen Euro angefallen, teilte die im MDax gelistete Gesellschaft mit. Allerdings stagnierte der Betriebsgewinn (Ebit) mit 16,6 Millionen Euro. Schuld daran sind nach Unternehmensangaben Belastungen in Höhe von drei Millionen Euro, die durch die Integration des britischen Finanzberaters Chase de Vere entstanden seien. Ohne diese sei die Ebit-Marge im Quartal von 10,7 auf 13,2 Prozent gestiegen. Tatsächlich betrug die Marge 11,1 Prozent.

Kunden verschieben Abschlüsse vor Neuwahlen

Demnach hätte das Betriebsergebnis sogar über den Prognosen gelegen. Analysten waren im Mittel ihrer Prognosen von einem Ebit von 18,3 Millionen Euro ausgegangen.

Den Umsatzrückgang begründete AWD damit, daß deutsche Kunden aufgrund der hohen Änderungsdichte im Bereich Altersvorsorge ihre Vorsorgeentscheidungen in Erwartung der Neuwahlen verschieben würden. Denn andererseits legten die Umsätze in Österreich, Osteuropa, Großbritannien zu. In der Schweiz fielen die Umsätze allerdings ebenfalls um rund zwei Prozent.

Auch im Bereich betriebliche Altersvorsorge legte AWD den Angaben zufolge weiter zu. Der Umsatzanteil der 3.900 Firmenkunden sei im Vorjahresvergleich um zwei Prozentpunkte auf acht Prozent geklettert, hieß es. Ende des Jahres sollen es mindestens zehn Prozent sein.

2005 Umsatzrückgang in Deutschland möglich

Spätestens zum Jahresende aber soll das Geschäft wieder anziehen. „Unsere Erwartungen an die Umsatzentwicklung in diesem Markt sind nicht voll umfänglich eingetroffen“, erklärte AWD-Chef Carsten Maschmeyer in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht über die ersten sechs Monate. „Wir sind allerdings optimistisch, daß nach den vielen Änderungen und der hoffentlich schnellen politischen Klarheit über steuerliche Abzugsfähigkeit beziehungsweise -förderung der Umsatz auch in Deutschland spätestens im vierten Quartal deutlich anziehen wird.“ Dazu soll auch Chase de Vere beitragen, die zu einem signifikant höheren Umsatz in Großbritannien beitragen sollen - heißt es im Halbjahresbericht.

Eine konkrete Ergebnisprognose für die nächste Zeit gab AWD erneut nicht ab. Hehre Ziele hat Maschmeyer dagegen für die etwas fernere Zukunft. Im Jahr 2008 soll bei Provisionserlösen von einer Milliarde Euro ein Ebit von mindestens 135 Millionen Euro erzielt werden.

Doch im Laufe des Vormittags begann AWD-Chef Maschmeyer zurückzurudern. Er könne derzeit keinen kurzfristigen Ausblick für die Region Deutschland geben, sagte er. „Damit können wir aus heutiger Sicht auch nicht ausschließen, daß wir zum Jahresende das teilweise durch Vorzieheffekte besonders hohe Umsatzniveau des Vorjahres nicht erreichen werden.“ Im ersten Halbjahr 2005 hatte der Umsatzrückgang in Deutschland 7,9 Prozent betragen.

Später am Tag räumte AWD-Finanzchef Ralf Brammer dann ein, daß in Anbetracht des Rückgangs im Hauptmarkt Deutschland im ersten Halbjahr und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung, die Erlöse 2005 auch in der gesamten Gruppe rückläufig sein könnten.

Umstrittenes Vertriebssystem

Diese negative Prognose und die erneut schwachen Umsatzzahlen lassen aufhorchen. Bereits im ersten Quartal war der Umsatz im Gegensatz zu den Vorjahren praktisch kaum über das Ergebnis des Vorjahresquartals gestiegen. Für die Kritiker des Unternehmens ist diese Entwicklung jedenfalls Wasser auf die Mühlen. Nachdem nach dem Börsengang zunächst die Schmährufe verstummt waren, nach denen AWD noch als „provisionshungrige Drückerkolonne“ verschrien war, hatte diese im Frühjahr wieder Aufwind bekommen.

Käufer von Anteilen geschlossener Fonds beschwerten sich laut der Süddeutschen Zeitung über falsche Beratung. Frühere Mitarbeiter, deren Rechtsanwälte und Verbraucherschützer prangerten immer wieder den AWD als klassischen Strukturvertrieb im negativen Sinne an. „Es drängt sich der Eindruck auf, als basiere der Erfolg von AWD maßgeblich darauf, immer wieder neue Mitarbeiter anzuwerben und deren Bekannten- und Verwandtenkreis 'auszuschlachten'.“ Seien diese persönlichen Kontakte erst einmal „ausgelutscht“, werde es für neue Mitarbeiter schwer. Nur wer seinerseits wieder genug neue Untervermittler angeworben hat, könne Erfolg haben.

Da die AWD-Berater als Selbständige agierten, stünden sie unter enormem Verkaufsdruck. Von Aussteigern fordere der AWD angeblich Provisionen und andere Gelder zurück, teilweise in Höhe von mehreren tausend Euro“, sagte Michael Bose, Mitgründer des Vereins der ehemaligen AWD-Mitarbeiter in Marburg, der SZ.

Strittig ist auch die Mitarbeiter-Fluktuation. Während AWD-Chef Maschmeyer diese bei hauptberuflichen Mitarbeitern mit einer Quote von sieben Prozent als unter dem Marktdurchschnitt liegend angibt, tauchen nach Angaben des Vereins der ehemaligen AWD-Mitarbeiter von 5.712 Mitarbeitern nach 16 Monaten 2.935 Mitarbeiter in der Adressdatei nicht mehr auf.

Sentiment gefährdet

Vorgeworfen wird dem AWD auch sich auf Kosten der Mitarbeiter zu bereichern, indem er sie zum einen an den laufenden Kosten für ihren Anteil am AWD-Büro, Software, Werbematerial und vieles mehr beteilige, zum anderen aber keine Bestandsprovisionen zahle, so daß die Mitarbeiter auf den Neuverkauf angewiesen seien.

Die AWD-Gegner dürften die Zahlen als Beleg ansehen, daß das Strukturvertriebssystem in Schwierigkeiten gerät. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Vorwürfe, sind die Zahlen für das erste Halbjahr alles andere als positiv, wenngleich die Gewinnentwicklung noch zufriedenstellend verlaufen ist. Auch die schon seinerzeit heftig kritisierte Tatsache, daß am 12. März 2005 AWD-Chef Maschmeyer und seine Kinder insgesamt 7,6 Millionen Aktien der AWD Holding zum Preis von über einer Viertelmilliarde Euro außerbörslich verkauften, dürfte jetzt wieder sauer aufstoßen. Allerdings hält die Familie Maschmeyer immer noch rund 30 Prozent am Unternehmen.

Anfänglich schien der Aktie noch das Sentiment im allgemein positiven Börsenumfeld entgegen zu kommen. Das zeigte sich darin, daß sich zur Börseneröffnung der Kursverlust mit einem Minus von 1,75 Prozent noch moderat ausnahm. Der scheibchenweise nachgeschobene schlechte Ausblick aber drückte die Aktie stückweise ins Minus. Gegen 11:45 Uhr betrug dieses dann bereits 4,1 Prozent.

Auch die Analysten des Bankhauses Metzler stuften die Aktie auf „Verkaufen“ von „Kaufen“ herunter und senkten das Kursziel auf 31 Euro von 39 Euro. Gründe für die Herabstufung seien die schwache Umsatzentwicklung und das moderate Beraterwachstum, sagte Metzler-Analyst Sven Janssen. Gerade letzterer Kritikpunkt läßt angesichts der Vorwürfe gegen die Vertriebsstruktur aufhorchen.

Aktie ohne Aufwärtspotential

Damit sich die AWD-Aktie auf den derzeitgen Kursniveau halten kann, muß der Strom der schlechten nachrichten am heutigen Tag möglichst rasch zum Stillstand kommen. Vor allem aber darf sich das Unternehmen im laufenden dritten Quartal nicht noch einen Ausrutscher leisten. Denn die Aktie ist äußerst hoch bewertet. Selbst nach dem Kursrückgang am Donnerstag morgen beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr noch 23, für das kommende Jahr 20. Selbst MLP ist für das laufende Jahr nur mit einem KGV von 18 bewertet - für das kommende Jahr allerdings bereits mit 22. Diese Bewertung muß das Unternehmen rechtfertigen. Im ersten Halbjahr ist das allenfalls in Teilen der Fall. Und nach dem am Donnerstrag immer schlechter werdenden Ausblick sieht es auch für die Zukunft nicht sehr rosig aus.

Charttechnisch stellt sich die Aktie derzeit noch vergleichsweise gut dars. Seit Anfang 2003 hat sie von ihrem Tief bei 9,58 Euro zuletzt bis auf 38,90 Euro Anfang des Monats zugelegt. In der kurzen Frist sieht es indes nicht mehr ganz so günstig aus. Nach den Ergebnissen des ersten Quartals brach die Aktie bereits ein, erholte sich dann aber seit Anfang Juni stark. Doch Anfang August drehte sich die Stimmung wieder. Sah es am Donnerstag anfänglich danach aus, daß der langfristige Abwärtstrend nicht gefährdet würde, so ist dieser mittlerweile bedroht. Bei einem Minus von vier Prozent ist der Kurs allerdings noch ein gutes Stück von der 200-Tage-Linie entfernt. Vor allem aber fehlt der Aktie nach den heutigen Ergebnissen das Aufwärtspotential. Deswegen gibt es derzeit sicher bessere Alternativen.


Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von AWD in den vergangenen fünf...

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von AWD in den vergangenen fünf Jahren.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von AWD in den vergangenen zwöl...

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von AWD in den vergangenen zwölf Monaten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AWD

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
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