Aktienmarkt Amerika

Google, K-Swiss und Marvel bestehen harten Test

Von John Dorfman, Bloomberg News

29. Oktober 2004 Hohe Rentabilität und niedrige Verbindlichkeiten sind eine starke Kombination. Wenn man eine Aktie findet, die beide Qualitäten gleichermaßen besitzt, ist das zwar noch keine Garantie für Kursgewinne - wann gibt es die schon. Aber zumindest erhöht es die Gewinnchancen. Etwa zehn Prozent der amerikanischen Aktien haben eine hohe Rentabilität vorzuweisen, womit hier eine Eigenkapitalrendite von mindestens 25 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr gemeint sein soll. Etwa 21 Prozent der Aktien sind von Unternehmen mit niedrigen Verbindlichkeiten. Als „niedrige Verbindlichkeiten“ sollen hier Verbindlichkeiten gelten, die weniger als zehn Prozent des Eigenkapitals ausmachen.

Weniger als drei Prozent aller amerikanischen Aktien erfüllen beide Kriterien. Eine davon ist Google, von der in letzter Zeit viel die Rede war. Nach einem Börsengang mit enormem Werbeaufwand im August sind die Google-Aktien bisher um 120 Prozent gestiegen. Dennoch empfehle ich Google nicht. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 160 ist die Aktie für meinen Geschmack zu teuer. Ich empfehle aber fünf andere Aktien, die auch zu besagten drei Prozent gehören.

CMGI

Da ist zunächst einmal CMGI. Das Unternehmen unterstützt Firmen im Ein- und Verkauf über das Internet. CMGI war einst der Inbegriff der Internet-Euphorie und war an unzähligen anderen Webfirmen mit bis zu 100 Prozent beteiligt. Anfang 2000 wurde die Aktie zu einem Kurs von über 163 Dollar gehandelt. Heute steht sie bei 1,40 Dollar. Die Verbindlichkeiten des Unternehmens betragen etwa sechs Prozent des Eigenkapitals. Die Anleger sind nicht mehr so begeistert vom Internet, obgleich es inzwischen zu einem untrennbaren Bestandteil des täglichen Lebens geworden ist. Zu Spitzenzeiten wurde CMGI mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 300 gehandelt. Heute sind die Zahlen eher bodenständig: Kurs-Gewinn-Verhältnis zwölf, Kurs-Buchwert-Verhältnis 1,9 (Eigenkapital pro Aktie) und Kurs-Umsatz-Verhältnis 1,7. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im Juli 2004 endete, erwirtschaftete CMGI eine Eigenkapitalrendite von 32 Prozent. Die Verbindlichkeiten des Unternehmens betragen etwa sechs Prozent des Eigenkapitals. Ich habe ein Faible für gefallene Engel. CMGI ist so tief gefallen, daß kein Analyst die Aktie mehr beachtet. Ich halte sie jedoch für empfehlenswert.

Darüber hinaus empfehle ich Watson Wyatt & Co., wie ich es auch im letzten und vorletzten Jahr getan habe. Die Aktie ist in diesem Jahr um elf Prozent gestiegen und hat in den letzten zwei Jahren 38 Prozent zugelegt. Watson Wyatt ist ein Personalberatungsunternehmen, das Firmen bei der Mitarbeitersuche sowie bei deren Bindung und Motivation unterstützt. Seit dem mit Verlust abgeschlossenen Geschäftsjahr 1998 erwirtschaftet das Unternehmen seit sechs Jahren in Folge Gewinne. Im Geschäftsjahr 2004 (das am 30. Juni endete) erzielte Watson Wyatt eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent. Das Unternehmen hat keine Verbindlichkeiten. Angesichts der Erfolgsbilanz des Unternehmens ist Watson Wyatt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,2 angemessen bewertet.

Abercrombie & Fitch

Ein weiterer Rückkehrer ist Abercrombie & Fitch Co., ein Unternehmen, das adrette Kleidung für (vorwiegend) junge Damen und Herren verkauft. Die Aktie hat 99 Prozent zugelegt seit ich sie vor zwei Jahren an dieser Stelle empfohlen habe, davon 32 Prozent im vergangenen Jahr. Trotz dieser Gewinne wird Abercrombie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von zwei gehandelt - was noch immer nicht überhöht ist. Im vergangenen Geschäftsjahr (das am 31. Januar endete) erzielte das Unternehmen eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent. Das Unternehmen hat keine Verbindlichkeiten.

K-Swiss

An vierter Stelle möchte ich K-Swiss besonders hervorheben, ein Unternehmen, das Sportschuhe herstellt. Ich halte K-Swiss-Aktien für mich persönlich und auch für meine Kunden. Im vergangenen Jahr hatte K-Swiss eine Eigenkapitalrendite von 31 Prozent vorzuweisen. Das Unternehmen hat keine Verbindlichkeiten und wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 gehandelt. K-Swiss betreibt kein Sponsoring berühmter Sportler, was für einen Sportschuhhersteller ungewöhnlich ist. Die Gewinne bzw. Umsätze des Unternehmens sind jedoch in den letzten fünf Jahren mit einer jährlichen Rate von 32 bzw. 22 Prozent gestiegen.

Als letzte Empfehlung erscheint mir Marvel Enterprises mit einem Kurs von 13,90 Dollar bzw. einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 interessant. Das Unternehmen besitzt die Rechte an etwa 4.700 Figuren, darunter Spiderman und die X-Men. Marvels Verlagszweig kontrolliert etwa ein Drittel des amerikanischen Marktes für Comic-Hefte. Dennoch stammt der größte Teil des Umsatzes aus dem Bereich Spielwaren. Ebenfalls bedeutend, wenn auch eher sporadischer Natur, ist die Lizenzvergabe für Filme. Marvel erzielte im vergangenen Jahr eine Eigenkapitalrendite von 42 Prozent und hat keine Verbindlichkeiten.

Diese fünf Unternehmen müssen einer Tradition gerecht werden. Die Aktien aus meinen bisherigen vier Empfehlungslisten von Unternehmen mit hoher Rentabilität und niedrigen Verbindlichkeiten lagen in ihrer Performance alle über dem Standard & Poor's 500-Aktienindex und erzielten Gewinne.

Ross Stores

Die erste Liste dieser Art habe ich im Oktober 2000 zusammengestellt. Die Aktien, die ich damals empfohlen habe, sind seitdem um 47 Prozent gestiegen, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum von vier Jahren 15 Prozent verloren hat. Vier der sechs empfohlenen Aktien sind gestiegen, wobei Ross Stores mit 184 Prozent am meisten zugelegt hat. Gemeint ist hier die Gesamtrendite einschließlich Dividenden jeweils vom Zeitpunkt der Veröffentlichung der Liste bis zum 22. Oktober (bzw. bis zum 26. Oktober bei der letzten Liste). Bei den älteren Listen beziehen ich mich auf die wöchentlichen Kurse, bei der jüngsten Liste auf Tageskurse. Die Aktien der Liste vom Oktober 2001 haben 28 Prozent zugelegt, während der S&P eine Rendite von sechs Prozent zu verzeichnen hatte. Nur drei der sechs von mir empfohlenen Aktien stiegen, aber der 244-Prozent-Gewinn von TM Century hob den Durchschnitt.

Die Aktienempfehlungen von vor zwei Jahren gewannen 54 Prozent, im Vergleich zu einem 26prozentigen Gewinn im S&P. Fünf der sechs Aktien sind gestiegen, wobei das Highlight der 99-Prozent-Gewinn von Abercrombie & Fitch war. Der einzige Verlierer war Schering-Plough. Die von mir ausgewählten Aktien von letztem Jahr waren nicht ganz so erfolgreich mit einem Zuwachs von 12 Prozent, verglichen mit einem Gewinn von acht Prozent im S&P. Drei der fünf empfohlenen Aktien sind gestiegen, wobei Nautilus Group mit 71 Prozent Steigerung am besten abschnitt.



Text: Bearbeitung: @thwi

 
NamePunkteProzent
Dax 6.536,09 +1,45
TecDax 746,70 +2,21
DowJones 11.632,38 +0,26
Nasdaq 2.325,88 +0,95
STOXX 50 3.387,50 +1,84
Nikkei 225 13.312,93 +0,97
S&P 500 Zert. 12,80 +2,40
Euro/Dollar 1,57 +0,10
Bund Future 110,11 +0,03
Gold 923,08 +0,15
Öl 126,52 -4,27
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