Edelmetalle

Russische Goldminenaktien locken mit Wachstumschancen

03. Januar 2006 Der Goldpreis hat im Jahr 2005 die Schallmauer von 500 Dollar je Feinunze überwunden und damit den höchsten Stand seit 1981 erklommen. Und viele Rohstoff-Experten rechnen mittelfristig mit einem Anhalten dieses Aufwärtstrends.

Trotz der günstigen Goldpreisentwicklung fällt die Jahresbilanz der in Rußland und den GUS-Staaten tätigen Goldproduzenten maximal gemischt aus. Titeln wie Centerra Gold (ISIN: CA1520061021), Fortress Minerals Corp (CA34957A1093), Hambledon Mining (GB00B015PT76), Oxus Gold (GB0030632714) oder Peter Hambro (GB0031544546), die allesamt ansehnliche Gewinne erzielen konnten, stehen mit Werten wie Dragon Mining (AU000000DRA1), Buryatzoloto (US12315Q1076), Celtic Resources (US12315Q1076), Oriel Resources (GB0034246743) oder Trans-Siberian Gold (GB0033756866) auch viele Kursverlierer gegenüber.

Die nur durchwachsene Kursbilanz kommt auch deshalb überraschend, weil der russische Goldsektor weltweit am schnellsten wächst und die niedrigsten Produktionskosten aufzuweisen hat. In den vergangenen sechs Jahren ist die Goldproduktion im Schnitt um 8,4 Prozent pro Jahr gestiegen. Die Cash-Kosten lagen 2004 mit im Schnitt 220 Dollar je Feinunze dank niedrige Lohn- und Energiekosten um 14 Prozent unter dem weltweiten Durchschnitt, der sich ergibt, wenn man russische Produzenten ausklammert.

Goldminenaktien aus Rußland und den GUS-Staaten kaum beachtet

Unter den größten Produzentenländern steht Rußland mit den im Jahr 2004 produzierten 185 Tonnen Gold inzwischen auf Platz fünf. Dabei ist zu bedenken, daß das Land über sehr große, noch immer unerschlossene Reserven verfügt. Mit insgesamt rund 600 Goldproduzenten ist die Branche in Rußland noch immer stark fragmentiert. Hier ist in den nächsten Jahren mit einer Konsolidierung zu rechnen. Die fünf größten Produzenten kommen auf einen Marktanteil von 31 Prozent. Der mit Abstand größte Anbieter ist dabei Polyus. Der Marktführer gehört zum Rohstoffkonzern Norilsk Nickel, und die darin gebündelten Goldaktivitäten werden Anfang 2006 von Norilsk Nickel abgespalten.

Alle russischen Goldproduzenten werden im Ausland gehandelt. Sie werden von Spezialisten für den Goldminensektor abgedeckt, die wenig Erfahrung mit Rußland und den GUS-Staaten haben. In Rußland wird die Branche kaum beachtet und abgedeckt. Das hat zum einen damit zu tun, daß der Firmensitz im Ausland ist (in den meisten Fällen ist dieser in London, Toronto oder Vancouver zu finden) und diese Titel nicht in russischen Aktienindizes enthalten sind. Zu beachten ist auch, daß der Nachrichtenfluß oft noch spärlich ist. Alle diese Punkte führen zu einer geringen Beachtung der Branche und die damit verbundenen Marktineffizienzen bergen für gewöhnlich Anlagechancen.

Tiefe Bewertung gemessen an den Goldreserven

Wer sich mit den Branchenvertretern mit Aktivität in Rußland und den GUS-Staaten beschäftigt, der wird aber feststellen, daß diese Goldminenaktien gemessen an vielen Kriterien höher bewertet sind als ihre ausländischen Konkurrenten. Erklären läßt sich das mit den besseren Wachstumsaussichten. Auf Basis des Unternehmenswertes pro Feinunze an Goldreserven ergibt sich aber ein vorteilhafteres Bild. Die 66 Dollar, die sich hier ergeben, liegen um mehr als 40 Prozent unter der Relation, die der internationalen Konkurrenz zugebilligt wird. Nach Einschätzung von Aton sollte sich diese Differenz im Laufe der Zeit verringern. Zumindest dann, wenn der Goldpreis hoch bleibt und sich abzeichnet, daß die Wachstumspläne mehr sind als nur Träume. Wie immer bei Anlagen im Goldminensektor dürfen aber auch hier die mit eventuellen Explorationsrückschlägen verbundenen Risiken nicht unterschätzt werden. Zumal wie erwähnt auch der Nachrichtenfluß oft noch zu wünschen übrig läßt. Dank einer guten geologischen Datenbasis, die noch aus den Zeiten der Sowjetunion stammt, sind die Explorationsrisiken aber geringer als in vielen anderen Ländern.

Erstklassige Portfolios und damit ausgezeichnete Wachstumschancen haben nach Einschätzung von Tim McCutcheon, Goldminenanalyst beim Broker Aton, Unternehmen wie Bema Gold und Highland Gold. Bei beiden Werten rät er deshalb zum Kauf. An der auch in Südafrika, Chile und Kanada tätigen Bema Gold gefallen McCutcheon die ernorme Wachstumschancen, auf denen diese Gesellschaft in Rußland und in Chile sitzt. Ähnliches gilt auch für High River Gold, Hier dürften schon 2006 jeweils eine neue Mine in Rußland und in Burkina Faso in Betrieb genommen werden, welche die Produktion mehr als verdoppeln werden. Ebenfalls auf der Kaufliste von McCutcheon stehen Highland Gold. Das Unternehmen hatte in 2005 mit größeren Problemen zu kämpfen. Nach Veränderungen im Management dürfte es hier laut McCutcheon aber wieder aufwärts gehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET

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