12. Mai 2004 OMV und Repsol haben einiges gemeinsam: Sie versorgen ihre Kunden mit Öl und Treibstoffen sowie Gas und sind große Spieler ihrer Branche in Europa. Die Österreicher von OMV vor allem in Zentraleuropa, die Spanier von Repsol besonders auf der iberischen Halbinsel. Doch obwohl sie in ähnlichen Gewässern fischen, hat sich ihr Geschäft im ersten Quartal unterschiedlich entwickelt.
Während OMV die Analystenprognosen recht klar unterlaufen und mithin die Börsianer enttäuscht hat, konnte Repsol die Erwartungen übertreffen. Das spiegelt sich in den Kursen der Aktien wider: OMV verlieren in Wien 4,3 Prozent auf 152,80 Euro, Repsol legen dagegen in Madrid 1,4 Prozent auf 17,13 Euro zu.
Doch in den nächsten Monaten könnten sich beide Titel auf andere Weise gegenläufig entwickeln. Denn die Österreicher freuen sich über verbesserte Margen im laufenden Quartal, während die Spanier höheren Steuern in Argentinien, wo sie einen gut Teil ihres Öls pumpen, entgegensehen.
OMV wegen Margendrucks und Investitionen unter Prognosen
Die OMV AG hat im ersten Quartal das Betriebsergebnis (Ebit) gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf 148 Millionen Millionen Euro nach 145 Millionen Euro im Vorjahr gesteigert. Analysten hatten aber ein Ebit von 168 Millionen Euro erwartet. Der Periodenüberschuß stieg den Angaben zufolge um zwölf Prozent auf 105 Millionen Euro nach 94 Millionen Euro. Den Konzernumsatz bezifferte die OMV mit 2.199 Millionen Euro nach 1,792 Milliarden Euro vor Jahresfrist. Die Umsatzsteigerung um 23 Prozent sei vor allem höheren Mengen- und Preisniveaus zu verdanken. Nur: Der Markt hatte mit Erlösen von 2,58 Milliarden Euro gerechnet.
Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, ist die Ergebnisverbesserung auf das Wachstum im Geschäftsbereich Exploration und Produktion (E&P) und Erdgas sowie auf Anlagenverkäufe zurückzuführen. Der Zuwachs sei allerdings wegen sinkender Margen im Raffineriegeschäft, schlechten Wetters für den Einsatz von Düngemitteln und eines geringen Ertragswachstums im Geschäftsbereich E&P aufgrund des starken Euro gedämpft ausgefallen. Außer einem verbesserten Beteiligungsergebnis hätten sich geringere Steuerauswirkungen durch in das zweiten Quartal 2004 verschobene Rohöl-Liftings positiv ausgewirkt, hieß es zur Erklärung.
Wie Klára Székffy, Analystin der Raiffeisen Centro-Bank (RCB) in Wien, im Gespräch mit FAZ.NET ergänzte, hat OMV auch unter einem schlechter als erwartet verlaufenen Tankstellengeschäft gelitten sowie Investitionskosten und Produktionsausfälle durch den Umbau einer Raffinerie in Wien-Schwechat zu schultern gehabt. Die Margen für Öl seien von 3,8 Dollar auf 2,7 Dollar je Barrell (152 Liter) gesunken. Denn OMV produziere zwar selbst Öl, aber nur etwa 45 Prozent der benötigten Menge. Und die Preise für Rohöl seien stärker gestiegen als die Tarife für Ölprodukte.
Analystin für zweites Quartal und Jahr von OMV zuversichtlich
Die OMV AG hat gleichwohl für das Gesamtjahr 2004 unveränderte Wachstumsziele. Das Ergebnis des ersten Quartals stützt die Erwartung, daß OMV im laufenden Jahr das Vorjahresergebnis erreichen wird, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht nachteilig ändern, wie es heißt. Wachstum in den Kernbereichen bei gleichzeitiger Steigerung der Ertragskraft sei weiterhin die Leitlinie. Zudem will OMV im Laufe des Jahres die Hälfte des Weges zu Verdoppelung der Marktposition sowie des Unternehmenswertes bis 2008 erreicht haben.
Die RCB-Analystin ist ebenfalls zuversichtlich: Die Raffinerie-Margen seien im laufenden Quartal stark. Zweitens erwarte sie für den Sommer ein saisonal bedingt anziehendes Tankstellen-Geschäft. Drittens dürfte OMV von den im zweiten gegenüber dem ersten Quartal deutlich gestiegenen Ölpreisen profitieren, die durch einen sinkenden Euro ergänzt würden. Somit kämen mehr Euro je Dollar in die Kasse. Dessen ungeachtet habe der Konzern auch 2003 ein relativ schwaches erstes Vierteljahr gehabt und danach mächtig zugelegt.
Repsol vor höheren Steuern und neuer staatlicher Konkurrenz
Ob das bei der spanischen Konkurrenz auch der Fall sein wird, kann mit einem Fragezeichen belegt werden. Doch zuerst zur jüngsten Quartalsbilanz: Die Repsol-YPF SA hat wegen ungünstiger Währungskurseffektebeim Nettoergebnis zwar einen Rückgang von 26 Prozent auf 520 Millionen Euro verbucht. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen des Marktes dennoch. Analysten hatten mit einem Nettoergebnis von 497 Millionen Euro geschätzt. Das operative Ergebnis lag mit einer Milliarde Euro zwar um 100 Millionen Euro niedriger als vor einem Jahr, aber um 50 Millionen Euro über der Konsensschätzung. Als Grund für den Rückgang beim Nettoergebnis nannte Repsol-YPF die geringeren Margen im Raffinieriegeschäft, ein Schicksal, das der Konzern mit OMV teilt.
Im zweiten Quartal muß Repsol mit anhaltendem Druck auf die Erträge rechnen. Zwar dürften die gestiegenen Ölpreise und die Sommersaison auch für das Geschäft der Spanier gut sein. Doch Ungemach kündigt sich in Argentinien an. Denn das sich aus einer Rezession erhebende Land will nicht nur die Ausfuhrsteuer bei Öl von 20 auf 25 Prozent anheben und eine entsprechende Steuer von 15 Prozent auf Exportgas einführen: Es plant auch den Aufbau einer staatlichen Ölfördergesellschaft, um unabhängiger von privaten Unternehmen dieser Branche zu werden.
Die neuen Steuern werden sich direkt nachteilig auf die Gewinne auswirken und eine schlechtere Stimmung am Markt schaffen, äußerte Jacobo Penaranda, Vermögensmanager bei Barclays Fondos in Madrid, zu Bloomberg News.
Beide Aktien recht günstig bewertet und im Aufwärtstrend
Diese Gemengelage könnte die Aktie, die innerhalb von nur fünf Tagen 7,6 Prozent ihres Wertes eingebüßt hat, obwohl Repsol von den andere Titel belastenden Ölpreisen profitiert hat, mittelfristig unter Druck halten. Dessen ungeachtet ist charttechnisch noch alles im Lot. Die Aktie bewegt sich im Aufwärtstrend und ist bei etwa 16,25 Euro gut unterstützt. Technische Kaufsignale würde sie bei einem Sprung über das Jahreshoch bei 18,40 Euro senden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,94 erscheint sie überdies vernünftig bewertet.
Mit einem KGV von 9,3 ist OMV jedoch etwas günstiger bewertet, wobei sich dieser Titel ebenfalls im Aufwärtstrend bewegt. Aktuell leidet er unter den relativ schwachen Quartalszahlen. Zudem ist das Chartbild ein wenig eingetrübt, da es dem Titel zuletzt mehrfach nicht gelungen ist, die Marke von 164 Euro zu nehmen. Allerdings befindet er sich noch in der zuletzt geltenden Handelsspanne, die nach unten bei 150 Euro begrenzt ist. Nicht unter dieses Niveau zu rutschen, wäre wichtig. Andernfalls bietet sich erst bei 134 Euro wieder ein Haltepunkt. Angesichts der Aussicht auf ein starkes zweites Quartal und ein ebensolches drittes Vierteljahr besteht aber die Aussicht, daß der Titel diese Unterstützung nicht braucht, sondern sich vielmehr bald wieder nach oben orientiert, wenn die jüngsten Zahlen verdaut sind. Unter dem Strich mutet OMV mithin einen Tick attraktiver an.
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktien von OMV (oben) und Repsol seit einem Jahr.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @thwi
Bildmaterial: OMV
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +0,89 | +2,10 |
| CONTINENTAL AG INHAB | -0,11 | -0,15 |
| MERCK KGAA INHABER - | -0,78 | -1,03 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,17 | -5,14 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,52 | -5,01 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -1,76 | -4,24 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.127,44 | -2,42 |
| TecDax | 761,19 | -4,17 |
| DowJones | 11.220,96 | +0,29 |
| Nasdaq | 2.255,88 | -0,14 |
| STOXX 50 | 3.185,83 | -2,72 |
| Nikkei 225 | 12.212,23 | -2,75 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,43 | +0,04 |
| Bund Future | 115,28 | +0,12 |
| Gold | 802,80 | +0,00 |
| Öl | 104,17 | -3,09 |