23. Juli 2008 Das Internet zieht zwar immer mehr Nutzer an und beflügelt auf diese Weise die Geschäfte der Unternehmen, die die sich bietenden Chancen nutzen. Allerdings wollen nicht alle - das zeigte sich in den vergangenen Jahren unter anderem in den mangelhaften und wenig Ziel gerichteten Investitionen der Auflage verlierenden Verlage - und zweitens können nicht alle, obwohl sie wollen.
Letzteres zeigt sich unter anderem an der Entwicklung von Yahoo im Vergleich zu der Googles. Während Google mittels innovativer Ideen deutlich und profitabel wächst, laufen die Geschäfte bei Yahoo nur noch harzig, obwohl das Unternehmen früher am Markt war und ursprünglich über eine ausgezeichnete Marktstellung verfügte.
Flache Umsatz- und Gewinnentwicklung
In den vergangenen Monaten flachte nicht nur das Umsatzwachstum völlig ab, sondern auch die Gewinnentwicklung stagniert schon seit Monaten. Das zeigt sich exemplarisch am zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres: Der Überschuss fiel im Vergleich zur Vorjahresperiode aufgrund höherer Ausgaben für neue Projekte um fast ein Fünftel auf 131 Millionen Dollar, während der Umsatz gerade einmal um sechs Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar zunahm. Die Zahlen lagen unter den mittleren Erwartungen der Analysten, manche Experten hatten aber noch weniger erwartet.
Während die Erlöse auf dem Heimatmarkt zulegten, fielen sie international deutlich. Die allgemeine Konjunkturschwäche treffe auch Yahoo, sagte Yang. Das Ergebnis je Aktie lag bei neun Cents nach elf im Vorjahr. Analysten hatten elf Cents erwartet.
Für das Gesamtjahr konkretisierte Yahoo den Ausblick auf Umsatz und Gewinn und verringerte die Spannbreite etwas. Der Umsatz soll 2008 nun zwischen 7,35 und 7,85 Milliarden Dollar liegen. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen sieht der Konzern zwischen 1,83 und 1,98 Milliarden Dollar.
Die Aktie reagierte darauf nachbörslich mit einem Kursplus von knapp 2,5 Prozent. Angesichts des schon seit Monaten andauernden, übergeordneten Abwärtstrends heißt das allerdings nicht viel. Immerhin ist die Aktie des Unternehmens mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 31 und 27 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr angesichts der erzielten Wachstumsraten noch zu teuer.
Teure Aktie - fehlende Wachstumsideen - gebundene Managementkapazitäten - schwächelnder Markt
Insgesamt dürfte angesichts der offensichtlichen Ideenlosigkeit des Managements und der Bindung der Kapazitäten aufgrund der Übernahmequerelen kaum verwundern, dass sich das Unternehmen quasi selbst zum Verkauf stellt, obwohl es in der jüngeren Vergangenheit entsprechende Offerten negativ beschied. Yahoo sei für einen Verkauf oder eine Übernahme weiter offen, solange ein solches Geschäft den Unternehmenswert erhöhe, betonte Jerry Yang, Gründer und Vorstandschef des Unternehmens. Seit Ende Januar hatte Yahoo mehrere Offerten Microsofts im Wert von rund 45 Milliarden Dollar als zu niedrig ausgeschlagen. Inzwischen liegt die Marktkapitalisierung bei gerade noch knapp 30 Milliarden Dollar.
Es fragt sich, was Yang angesichts der schwachen operativen Entwicklung des eigenen Unternehmens noch erwartet, nachdem die guten Angebote ausgeschlagen wurden. Zuletzt warfen sich Yahoo und Microsoft gegenseitig vor, nicht wirklich an einem Geschäft interessiert zu sein. Erst am Montag einigte sich Yahoo mit dem kritischen Großaktionär Carl Icahn und räumte dem Milliardär drei Sitze im Verwaltungsrat ein. Icahn will nun das Gremium nicht mehr stürzen, beharrt aber auf zumindest einem Teilverkauf von Yahoo an den weltgrößten Softwarekonzern.
Auf ein zu hohes Angebot sollten die Aktionäre aber nicht hoffen. Denn die Gelegenheit ist vorbei, vor allem auch aufgrund der nachlassen weltwirtschaftlichen Dynamik, die sich unter anderem in einem schwächelnden Werbemarkt zeigt.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +49,65 | +16,98 |
| DAIMLER AG NAMENS - | +0,79 | +2,89 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,60 | +2,60 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,56 | -13,08 |
| SAP AG INHABER - AKT | -2,92 | -10,11 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,66 | -9,73 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.354,16 | -0,61 |
| TecDax | 590,67 | -2,23 |
| DowJones | 9.955,50 | -3,58 |
| Nasdaq | 1.862,96 | -4,34 |
| STOXX 50 | 2.872,92 | +0,02 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,47 | -2,06 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,42 |
| Bund Future | 117,04 | +0,05 |
| Gold | 884,05 | +2,59 |
| Öl | 86,68 | -6,11 |