Stahl

Thyssen-Krupp-Aktie: Erst einmal abwarten

04. Dezember 2007 2005 und auch noch 2006 waren zwei Jahre, in denen Stahl eines der Lieblingsthemen der Börse war. Entsprechend fielen auch die Kursstiegerungen aus. Die Notierung der Salzgitter-Aktie versiebenfachte sich, der Preis von Voestalpine stieg um das Dreieinhalbfache, der von Thyssen-Krupp um das Zweieinhalbfache und Posco verdoppelten sich.

Das laufende Jahr war ganz anders. Das Plus ist zumeist bescheiden gewesen und seit dem Sommer ist die Herrlichkeit ohnehin vorbei, die Kursverluste sind meist sehr deutlich. Zwar machen die Unternehmen noch immer gute Gewinne, doch der Zauber ist spätestens mit der Finanzkrise etwas verflogen, in der eher Gewinnmitnahmen angesagt sind.

Rekordgewinn wie erwartet

Das zeigt sich auch darin, dass die Zahlen, die der Stahl- und Maschinenbaukonzern Thyssen-Krupp für das abgelaufene Geschäftsjahr 2006/07 am Dienstag vorlegte, eher nüchtern aufgenommen wurden.

Höhere Stahlpreise und eine steigende Nachfrage hätten dem Stahlkonzern ermöglicht, die Markterwartungen relativ genau zu treffen, sagen Börsianer in einer ersten Einschätzung. Die Zahlen seien insgesamt „wie erwartet“ ausgefallen, die Erhöhung der Dividende habe ebenfalls den Prognosen entsprochen.

Thyssen-Krupp hat im abgelaufenen Geschäftsjahr allerdings einen Rekordgewinn eingefahren. Der Gewinn vor Steuern stieg um 27 Prozent auf 3,33 Milliarden Euro. Nichtsdestoweniger hatten sich Analysten im Schnitt 3,46 Milliarden Euro versprochen. Den Umsatz verbesserte das Unternehmen um zehn Prozent auf 51,7 Milliarden Euro.

Immer noch im Stahlboom

Den Nettogewinn verbesserte Thyssen-Krupp um 28,5 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern bei dieser Kennzahl die Erwartungen der Analysten, die im Durchschnitt mit 2,08 Milliarden Euro gerechnet hatten. Thyssen-Krupp hat damit das fünfte Mal in Folge ein verbessertes Ergebnis vorgelegt.

Die Zuwächse hat das Unternehmen maßgeblich dem seit Jahren boomende Stahlgeschäft zu verdanken. Die Stahlsparte steigerte ihr Ergebnis vor Steuern um 18,2 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro, der Umsatz verbesserte sich um 9,3 Prozent auf 13,21 Milliarden Euro.

Das zuletzt wegen des Verfalls des Nickelpreises schwächelnde Edelstahlgeschäft verzeichnet sogar ein Ergebnisplus von 83,7 Prozent auf 777 Millionen Euro, der Umsatz stieg um knapp 36 Prozent auf 8,75 Milliarden Euro.

Strafe lässt Gewinn der Aufzugsparte in den Keller fahren

Kräftige Zuwächse verzeichnete auch die Aufzugs- und Dienstleistungssparte, deren Umsatz um 9,6 Prozent auf 4,71 Milliarden Euro stieg. Indes führte die Kartellstrafe von rund 480 Millionen Euro im Gesamtjahr zu roten Zahlen: Vor Steuern wies Thyssen-Krupp in der Sparte einen Verlust von 113 Millionen Euro nach einem Gewinn von 391 Millionen Euro im Vorjahr aus.

Der Geschäftsbereich Technologies, der unter anderem das Transrapid- und das Autozuliefergeschäft umfasst, verzeichnete einen Umsatzanstieg von 1,4 Prozent auf 11,52 Milliarden Euro, der Vorsteuergewinn kletterte um knapp ein Drittel auf 544 Millionen Euro. Der Umsatz der Dienstleistungssparte stieg um 17,6 Prozent auf 16,71 Milliarden Euro zu. Vor Steuern verdiente Thyssen-Krupp in diesem Bereich 704 Millionen Euro und damit 46 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Geschäftsjahr habe sich besser entwickelt als zunächst erwartet, sagte Konzernchef Ekkehard Schulz. Für das im September 2008 endende aktuelle Geschäftsjahr erwartet der größte deutsche Stahlkonzern bei Erlösen von rund 53 Milliarden Euro ein Ergebnis vor Steuern und wesentlichen Sondereffekten von über drei Milliarden Euro.

Weniger Gewinn im laufenden Geschäftsjahr

Dabei werden wohl insbesondere die Anlaufkosten der geplanten Stahlwerke in den Vereinigten Staaten und Brasilien belasten. Thyssen-Krupp will sein Wachstum in den kommenden fünf Jahren mit Investitionen von 18 bis 20 Milliarden Euro vorantreiben. Bis 2010 soll im amerikanischen Bundesstaat Alabama ein neues Stahl- und Edelstahlwerk mit rund 2.700 Mitarbeitern errichtet werden. Der deutsche Branchenprimus investiert 3,7 Milliarden Euro in die Anlage. Bereits im Frühjahr 2009 soll die Produktion in einem rund drei Milliarden Euro teuren Werk in Brasilien in Betrieb aufgenommen werden.

Händler hatten darauf gehofft, dass der Umsatzausblick etwas helfen könnte, sahen sich aber getäuscht. Die zahlen kamen bei den Anlegern gar nicht gut an. Kurs nach Eröffnung des Handels rutschte der Aktienkurs 4,5 Prozent ins Minus auf 38,19 Euro ab. Auch die Dividendenerhöhung auf 1,30 Euro je Aktie nach einem Euro im Vorjahr half nicht.

Bewertet ist die Aktie auf Basis der noch aktuellen Analystenschätzungen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Geschäftsjahr von 8,5. Diese Prognosen gehen allerdings von einem Gewinnanstieg je Aktie von 5,6 Prozent aus. Da der Gewinn aber sinken soll, beträgt das KGV damit eher rund neun. Das ist nicht überteuert, für eine Stahlaktie aber eben doch etwas mehr als gewöhnlich, wenngleich ein Bewertungsaufschlag für den Maschinenbaubereich zu rechtfertigen ist.

Charttechnische Lage wenig aussagekräftig

Charttechnisch ist die Lage durchwachsen. Nach den Kursaufschlägen der vergangenen Tage hat die Aktiennotierung ihren Trend nach unten in Richtung der Unterstützung bei 35 Euro abfangen können. Mit dem Kursrutsch von heute ist sie indes am Widerstand bei 40 Euro gescheitert. Damit rückt die Marke von 35 Euro wieder in den Blick, wenngleich das Augusttief von 38,06 Euro und das Novembertief von 36,95 Euro dazu erst einmal unterboten werden müssen.

Insofern befindet sich der Aktienkurs derzeit etwas im Niemandsland, zumal auch MACD und RSI keine wirklich eindeutigen Signale liefern. Daher empfiehlt es sich, sich erst einmal zurückzulehnen und die weitere Entwicklung abzuwarten. Und wer hohe Positionen sein eigen nennt und auf unrealisierten Gewinnen sitzt, schadet sich auch nicht, wenn er einige davon in klingende Münze umwandelt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

 
Tops & Flops+/-Prozent
INFINEON TECHNOLOGIE +0,20 +4,04
BAYER AG INHABER - A +1,36 +2,52
THYSSENKRUPP AG INHA +0,51 +1,61
MUENCHENER RUECKVERS -13,96 -11,99
ALLIANZ SE VINK.NAME -9,03 -7,89
COMMERZBANK AG INHAB -1,73 -7,81
NamePunkteProzent
Dax 6.341,30 -1,54
TecDax 713,89 -1,07
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.303,44 -1,52
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
Euro/Dollar 1,57 +0,26
Bund Future 111,45 +0,46
Gold 932,02 +0,47
Öl 124,98 -1,22
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