Commerzbank

In Sippenhaft mit der Hypo Real Estate

Der Commerzbank-Turm in Frankfurt steht, die Aktie muss schwerem Sturm standhalten

Der Commerzbank-Turm in Frankfurt steht, die Aktie muss schwerem Sturm standhalten

29. September 2008 Der Strudel, der die Aktie der Hypo Real Estate am Montag um knapp 70 Prozent auf 4,20 Euro in die Tiefe riss, hat weitere Titel auf dem deutschen Kurszettel erfasst. Insgesamt lag der Dax bis zum frühen Nachmittag 2,8 Prozent im Minus bei 5895 Punkten. Mehr als 15 Prozent auf 12,22 Euro verloren die Papiere der zweitgrößten privaten Bank. Zeitweise lag das Minus der Commerzbank-Aktien bei 26 Prozent.

Ein pikantes Detail ist, dass auch die Analysten der Commerzbank ihr Anlageurteil für Hypo Real Estate senkten. Von der Empfehlung „Kaufen“ reichten sie die Aktie des Immobilienfinanzierers auf „Reduzieren“ durch. Das Kursziel für die Aktie des Immobilienfinanzierers von bislang 20 Euro werde überarbeitet. Damit trugen auch sie zu dem Kurssturz bei, der ebenfalls die Commerzbank-Aktie belastete.

Auslöser für die aktuelle Kursbewegung ist der Immobilienfinanzierer Eurohypo, den die Commerzbank vor rund drei Jahren übernommen hatte. Die Commerzbank hatte ursprünglich in der Eurohypo ihr Hypothekengeschäft mit dem der Deutschen Bank und der Dresdner Bank zusammengelegt. Nur wenige Aktien der Eurohypo waren an der Börse notiert. Als die Deutsche Bank und die Dresdner Bank sich von ihren Anteilen trennen wollten, bereitete die Eurohypo in einem zweiten Börsengang eine breite Streuung ihrer Aktien vor. Dann jedoch kaufte die Commerzbank den beiden anderen Großaktionären deren Anteile ab und verleibte sich die Eurohypo ein.

Die Commerzbank werde nach den Turbulenzen um die Hypo Real Estate in Sippenhaft genommen, hieß es. „Bei der Commerzbank sehen Anleger über die Tochter Eurohypo Verbindungen zum Geschäft mit der Hypo Real Estate“, sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Dabei war die Eurohypo unter ihrem ehemaligen Chef Bernd Knobloch am Markt für ein sehr effizientes und strenges Risikomanagement bekannt.

Die große Unbekannte aus Sicht der Anleger ist jedoch die Essen Hyp, bei der manche Börsianer noch unentdeckte Immobilienrisiken vermuten. Auf jeden Fall hat die Commerzbank durch den Kauf der Eurohypo ein relativ hohes Engagement in Immobilienfinanzierungen, das die Bank jetzt belastet.

Am Montag war die Pressestelle von Vorstandschef Martin Blessing bemüht, den durch den Kurssturz entstandenen Schaden zu begrenzen. Die Commerzbank habe ihre Refinanzierung für dieses Jahr bereits abgedeckt, sagte ein Sprecher der Bank. Im Wesentlichen geschehe dies über Einlagen, die eine sehr stabile Grundlage bildeten. Langfristige Kredite seien langfristig refinanziert. Dies gelte auch für die Hypothekentochter Eurohypo.

„Das Erschreckende ist, dass man den Banken nichts mehr glauben kann“, kommentierte jedoch ein Händler und gab damit die Grundstimmung gegenüber dem Finanzsektor wieder.

Außerdem nimmt die Skepsis gegenüber der geplanten Übernahme der Dresdner Bank zu. Die Commerzbank lade sich damit unter Umständen unübersehbare Risiken auf, sagte ein Händler, um die hohen Kursverluste der Commerzbank in der jüngsten Zeit zu erklären. Als die Commerzbank Anfang September bekanntgab, die Dresdner Bank von der Allianz zu kaufen, schloss die Aktie schon um 10 Prozent niedriger und damit auf einem Mehrmonatstief.

Der Preis von 9,8 Milliarden Euro, den die Commzerbank zahlen will, erscheint vielen Anlegern als zu hoch. „Der Verkaufspreis für die Dresdner von 9,8 Milliarden Euro liegt über unseren Erwartungen“, meint James Quin, Analyst der Citigroup. „Wir sehen trotz des mittelfristig positiven Einflusses deutliche Risiken bei der Umsetzung des Deals“, sagte Philipp Häßler von Equinet.

Text: hlr.
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z.

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