Von Mark Arbeter
12. März 2008 Wird der erneute Test der Tiefs von Ende Januar gelingen, oder muss sich der Aktienmarkt auf eine weitere Talfahrt einstellen? Dies ist die große Frage, die wohl so manches Gemüt bewegt. Leider können wir keine genaue Antwort geben. Wir wissen jedoch, dass sich die internen Marktdaten im Laufe des Tests von Ende Januar bis Anfang März gewaltig verbessert haben.
Zudem hatte sich die Stimmung an den Märkten vor den jüngsten Kursavancen so weit auf die Bärenseite verlagert, dass man auf eine unmittelbare oder baldige Talsohle schließen könnte. Diese beiden positiven technischen Faktoren hindern den Aktienmarkt jedoch nicht zwangsläufig daran, noch ein Stück weiter einzubrechen. Sie erhöhen unserer Ansicht nach nur die Wahrscheinlichkeit, dass der größte Teil des Abwärtstrends bereits hinter uns liegt.
Hat der Markt die schlechten Nachrichten schon weitgehend vorweggenommen?
Wie wir in der vergangenen Woche feststellten, tendiert der Aktienmarkt nach wie vor primär nach unten, und die Mehrheit der zehn Sektoren des S&P befindet sich in einer größeren Korrektur oder in einem Bärenmarkt. Keine Überraschung für Branchenbeteiligte: Markttiefs nach größeren Korrekturen oder Bärenmärkten sind immer unangenehm. Die Kurse sind weitgehend unbeständig, zahlreiche Aktien fallen auf ihren Jahrestiefststand. Es mangelt nicht an negativen Charts und ebenso wenig an erschreckenden Fundamentaldaten. So etwa fühlt sich das gegenwärtige Umfeld an.
Die nächste Frage, die wir nicht beantworten können: Hat der Markt all die schlechten Neuigkeiten in ausreichendem Maße in die Preise eingebunden? Wieder einmal machen uns Interndaten und Stimmung glauben, dass dies eigentlich der Fall sein müsste, doch lässt sich das gewiss nicht mit Sicherheit sagen. Möglicherweise müssen wir uns noch ein weiteres Mal auf einen Abwärtstrend einstellen, bevor diesem unsäglichen Treiben ein Ende gesetzt wird.
Obgleich uns dieses Umfeld ein schreckliches Gefühl beschert, lassen die internen Marktdaten derzeit einige recht starke bullische Divergenzen erkennen, was unserer Ansicht nach eine Vorbedingung für ein größeres Markttief darstellt. Als der S&P-Index am 22. Januar bei 1310 Punkten schloss, schossen an der New Yorker Börse die neuen Tiefstände als prozentualer Anteil der Gesamtemissionen auf 33,2 Prozent. Dies ist eine extreme Zahl, und die höchste seit dem 31. August 1998. Zufällig war dies das erste Tief der Doppelboden-Formation von 1998. Als der S&P am 6. März bei 1304 Punkten schloss, lag der prozentuale Anteil der neuen Tiefstände an der New Yorker Börse lediglich bei 8,9 Prozent und bildete somit eine recht dramatische bullische Divergenz aus. Dies lässt uns darauf schließen, dass sich die Charts vieler Aktien an der New Yorker Börse in einem weitaus besseren Zustand befinden als während der Paniktiefs im Januar. Beim Nasdaq markierten 27,8 Prozent der Emissionen neue Tiefststände - die höchste Zahl seit mehr als einem Jahrzehnt -, während am 6. März, als der Index unter dem Schlussstand vom Januar lag, nur 9,5 Prozent der Nasdaq-Emissionen neue Tiefs erreichten.
Werfen wir einen Blick auf andere interne Kennzahlen, so sehen wir im Grunde genommen dieselben bullischen Divergenzen. Das rückläufige Handelsvolumen im Nasdaq lag am 22. Januar bei 2,5 Milliarden Aktien - ein deutlich höherer Wert als das Downvolumen, das am 6. März mit 1,9 Milliarden Aktien zu Buche schlug. An der New Yorker Börse kletterte das Downvolumen am 17. Januar mit 1,9 Milliarden Aktien gegenüber 1,5 Milliarden vom 6. März auf seinen jüngsten Höchststand. Allerdings weisen nicht alle Interndaten bullische Divergenzen auf. So überstieg die Anzahl der rückläufigen Emissionen vom 6. März sowohl an der NYSE als auch im Nasdaq die entsprechende Zahl von Ende Januar.
Das tägliche Momentum, mit dem sich die Kursbewegungen des S&P vollziehen, ist in einen Abwärtstrend umgeschlagen, könnte jedoch einige positive Divergenzen ausbilden. Ende Januar zeigten sich sowohl der 14-Tage-RSI als auch der tägliche MACD stark überverkauft und bauten diese überverkauften Bedingungen mit der jüngsten Aufwärtsbewegung wieder ab. Sollten sich die Kurse in den nächsten Tagen wieder umkehren, so befänden sich sowohl der RSI als auch der MACD auf einem höheren Niveau als im Januar und hätten somit bullische Divergenzen ausgebildet. Auf wöchentlicher Basis lässt das Momentum einen klaren Abwärtstrend erkennen, doch möglicherweise könnte der 14-Tage-RSI eine bullische Divergenz ausbilden. Dies gilt nicht für den wöchentlichen MACD, der am 6. März einen weiteren Tiefststand verzeichnete.
Laufen die Börsen nach oben, geraten die Anleihen in die Defensive
Stimmungsseitig werden weiterhin größere Korrekturen und Bärenmärkte erwartet, die vielfach die Talsohle markiert haben oder ihr sehr nahe waren. Das Equity-only-Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Optionsbörse stieg am 6. März auf 1,12 - ein extremes Angstniveau und der höchste Wert seit dem 6. August 2004. So schlitterte der Aktienmarkt nur knapp an einem größeren Tief vorbei. Das über 5 Tage berechnete Equity-only-Put/Call-Verhältnis ist auf 0,91 gestiegen und befindet sich somit sehr nahe an dem jüngsten Hoch vom Januar. Der 10-Tage-Wert ist ebenfalls auf die im Januar beobachteten Niveaus geklettert, und dies waren die höchsten seit 2004.
Der ISE-Sentiment-Index (ISEE) weist seit Anfang Januar durchweg niedrige Werte auf, was darauf schließen lässt, dass die Privatanleger an den Märkten in hohem Maße besorgt sind. Diese niedrigen Werte haben den exponentiellen 21-Tage-Durchschnitt auf 90 und den exponentiellen 50-Tage-Durchschnitt auf 98 gedrückt - beides Rekordtiefs für den Index.
Die Consensus-Umfrage ergab einen Bullenanteil von lediglich 23 Prozent. Dieser Wert ist der niedrigste seit Februar 2003 und befindet sich sehr nahe dem endgültigen Tief des Bärenmarkts. Die Umfrage der AAII (American Association of Individual Investors) zeigt einen Bullenanteil von nur 22 Prozent und damit einen der niedrigsten Werte seit mehr als einem Jahrzehnt. Leider können wir in der Investor's-Intelligence-Umfrage von MarketVane nicht die gleiche Bärenstimmung beobachten. Wir würden uns wünschen, dass alle Sentiment-Indikatoren ein hohes Maß an Angst zeigen, doch leider fügen sich die Dinge nicht immer so zusammen.
Wir glauben nach wie vor, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve zu langsam reagiert, da die Rendite der zweijährigen amerikanischen Staatsanleihe 140 Basispunkte unter dem Tagesgeldsatz der Fed liegt. Leider hinkt die Fed seit der zweiten Hälfte des Jahres 2007 den Marktsätzen hinterher, was unserer Ansicht nach stark mit der rückläufigen Konjunktur und dem schwachen Aktienmarkt verbunden ist. Möglicherweise werden Aktienmarkt und Wirtschaft auch weiterhin enttäuschen, bis die Fed mit den Marktsätzen gleichzieht. Falls der Aktienmarkt schließlich seine Talsohle erreicht und danach beginnt, nach oben zu tendieren, wird dies unserer Ansicht nach ein guter Zeitpunkt sein, längerfristige Staatsanleihen zu verkaufen, da festverzinsliche Papiere von den Abflüssen aus dem Aktienmarkt profitieren.
Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's
Text: Standard & Poor's Equity Research
Bildmaterial: AP
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| LINDE AG INHABER - A | +2,07 | +2,47 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,16 | +1,82 |
| ADIDAS AG INHABER - | +0,66 | +1,68 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,37 | -1,81 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,10 | -1,68 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | -0,51 | -1,37 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.422,30 | +0,03 |
| TecDax | 827,16 | +0,24 |
| DowJones | 11.543,96 | -1,46 |
| Nasdaq | 2.367,52 | -1,83 |
| STOXX 50 | 3.365,63 | +0,18 |
| Nikkei 225 | 13.072,87 | +2,39 |
| S&P 500 Zert. | 12,95 | +1,17 |
| Euro/Dollar | 1,47 | +0,00 |
| Bund Future | 114,16 | -0,12 |
| Gold | 829,80 | +0,00 |
| Öl | 113,83 | -0,54 |
Soso, Frau Y. geht es also nicht um die Macht....
00:05Lehrgeld ? Es hat eben keiner "gelernt"
23:46