Anlagestrategie

2008 auf die Gewinner vom Vorjahr setzen?

Von Sam Stovall

04. Januar 2008 In dieser Zeit des Jahres werfen manche Anleger einen Blick auf die zurückliegenden zwölf Monate, um daraus Rückschlüsse auf mögliche Überflieger des bevorstehenden Jahres zu ziehen.

Meine Favoriten-Portfolios umfassen drei Sektoren und zehn Branchen des S&P-500, die in den vergangenen zwölf Monaten die beste Kursentwicklung erzielt haben. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind natürlich keine Garantie für zukünftige Erträge, doch die historische Entwicklung hat sich als guter Leitfaden für die Outperformance von Branchen (seit 1970) und Sektoren (seit 1990) erwiesen.

Setzt man auf eine Erholung schwacher Werte oder auf die Fortsetzung bestehender Trends?

Wenn Sie vor der Wahl stünden, in eines der folgenden zwei Portfolios zu investieren, für welches würden Sie sich entscheiden? Portfolio Nr. 1 besteht zu gleichen Dollarbeträgen aus den zehn Branchenindizes des S&P-500, die im Vorjahr am schlechtesten abgeschnitten haben. Portfolio Nr. 2 umfasst die zehn Sektoren mit der im vorangegangenen Jahr besten Wertentwicklung.

Für eine Entscheidung zugunsten der Branchen-Flop-10 spricht nach unserer Ansicht die Erwartung einer möglichen Erholung dieser Gruppe. Diejenigen, die sich für die Branchen-Top-10 entschieden haben, rechnen wahrscheinlich damit, das Momentum auf ihrer Seite zu haben. Was ist mit Blick auf die historische Entwicklung die beste Wahl?

Seit 1970 verzeichnete der S&P-500 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR; ausschließlich Kurssteigerungen ohne Wiederanlage der Dividenden) von 7,6 Prozent und eine Standardabweichung (eine Messgröße für die Volatilität) von 16,1. Die risikoadjustierte Rendite (die erzielte Rendite im Verhältnis zum eingegangenen Risiko) betrug in diesem Zeitraum 0,47 (je höher dieser Wert, desto besser).

Ein Anleger, der sich für das Portfolio mit den zehn schlechtesten Branchen entschied, erzielte eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 7,8 Prozent, die mit Blick auf die Standardabweichung jedoch mit einer höheren Volatilität erkauft wurde. Dieses Portfolio schlug den Markt im genannten Zeitraum in nur 50 Prozent der Fälle, abzulesen in der Tabellenspalte „Outperformance“. Die risikoadjustierte Rendite dieses Portfolios fiel mit 0,31 merklich geringer aus als jene des S&P-500, ein nach unserer Auffassung unattraktives Risiko-Rendite-Verhältnis.

Attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis

Ein Anleger, der das Portfolio mit den zehn besten Branchen wählte, erzielte dagegen eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 13,7 Prozent bei einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung von mehr als 600 Basispunkten pro Jahr. Trotz höherer Volatilität halten wir das Risiko-Rendite-Verhältnis für attraktiv, da die risikoadjustierte Rendite jene des S&P-500 übertraf. Schlussendlich schlug das Portfolio den Markt in sieben von zehn Fällen. Analog die Entwicklung auf Sektorebene: Seit 1990 lagen die drei besten Sektoren mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 10,8 Prozent über jener des marktbreiten S&P-500 (9,2 Prozent) und übertrafen den Markt ebenfalls in sieben von zehn Fällen.

Wir denken also, dass an dem alten Wall-Street-Spruch „Gewinner laufen lassen, Verlierer im Zaum halten“ etwas dran ist. Wie viele Anleger ärgern sich über Aktien ihres Depots, die erst vor kurzem auf ein 52-Wochen-Tief absackten? Sicherlich viele. Wenn der Kurs dieser Aktien daher Zeichen der Erholung zeigt, werden Scharen enttäuschter Anleger diese wahrscheinlich nutzen, um ihre „Blindgänger“ loszuwerden und ihr Geld in potentiell lukrativere Investments umschichten. Technische Analysten bezeichnen dieses Phänomen als „overhead resistance“.

Aber wie viele Anleger sind unzufrieden darüber, dass die Kurse ihrer Aktien den Gesamtmarkt überflügeln? Und würden diese Anleger nicht auch anderen von ihrem Erfolg berichten und die Gewinnsträhne damit möglicherweise ausweiten?

2007: Flop-Portfolios übertreffen Top-Portfolios

Wie schlugen sich nun die Portfolios im Jahr 2007? Das Portfolio mit den zehn besten Branchen des Vorjahres erzielte bis zum 31. Dezember eine Wertentwicklung von 8,9 Prozent und stellte damit den Zuwachs des S&P-500 von 3,5 Prozent klar in den Schatten. Auch das Portfolio mit den drei besten Sektoren übertraf mit einem Anstieg von 8,8 Prozent den S&P-500. Untypischerweise lag die Performance des Flop-10-Portfolios mit 10,2 Prozent über jener des Top-10-Portfolios, während das Portfolio mit den drei schlechtesten Sektoren um 10,3 Prozent zulegte.

Welche Sektoren und Branchen des S&P-500 waren die Gewinner des Jahres 2007? Die beigefügten Tabellen zeigen zum einen die Sektoren mit der besten Wertentwicklung und zum anderen die zehn Branchenindizes mit der besten Performance, begleitet von der Aktie eines Branchenvertreters mit der höchsten S&P-Bewertung (bei einem Patt wurde der Titel mit dem größten Marktwert aufgenommen).

Lässt sich der S&P-500 im Jahr 2008 mit dieser Methode schlagen? Letztlich ist keine Strategie dauerhaft auf Erfolg geeicht, also abwarten und Tee trinken.

Sam Stovall ist Chefstratege von S&P Equity Research Services



Text: Standard & Poor's Equity Research
Bildmaterial: FAZ.NET

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