Maschinenbau

MAN-Aktie auf Rekordfahrt

Die Lkw-Sparte sorgt für ordentliche Gewinne

Die Lkw-Sparte sorgt für ordentliche Gewinne

21. Februar 2006 Am Tag, an dem Eon dem spanischen Konkurrenten Endesa ein Übernahmeangebot unterbreitet hat, waren nicht etwa die Versorger die Gewinner des Tages im Dax. Dieser Titel geht vielmehr an MAN.

Der Münchener Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern legte gute Geschäftszahlen vor und blickt optimistisch in die Zukunft. Die Aktie schloß 3,66 Prozent im Plus bei 52,99 Euro, das ist ein neues Rekordhoch. Seit drei Jahren ist die Aktie auf dem Weg nach oben, seinen Index hat das Papier in den vergangenen Jahren deutlich geschlagen (Isin DE0005937007).

Optimistischer Ausblick

Im Rahmen des Programms zur Produktivitätssteigerung wolle MAN das operative Ergebnis bis 2007 auf mehr als 866 Millionen Euro steigern und so die angepeilte Umsatzrendite von sechs Prozent erreichen, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in München.

Im vergangenen Jahr war MAN mit einem Zuwachs von 35 Prozent auf ein operatives Ergebnis von 765 Millionen Euro und eine Umsatzrendite von 5,1 Prozent gekommen. „Wir sind damit unserem Ziel, sechs Prozent Umsatzrendite und 18 Prozent Kapitalrendite zu erwirtschaften, deutlich näher gekommen“, sagte Samuelsson. Unter dem Strich legte das Ergebnis im vergangenen Jahr um 46 Prozent auf 472 Millionen Euro zu. Die Dividende soll um 30 Cent auf 1,35 Euro angehoben werden. Das wäre die dritte deutliche Steigerung in Folge.

Nutzfahrzeuge tragen zum guten Geschäft bei

Ein Rekord-Auftragsbestand von 10,9 Milliarden Euro soll MAN auch 2006 zu einer kräftigen Umsatzsteigerung verhelfen. Der operative Gewinn soll noch schneller steigen. Der Vorstandschef versuchte, Befürchtungen einer sich abkühlenden Lkw-Konjunktur zu zerstreuen: „Die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen entwickelt sich stabil. In den letzten Monaten gab es sogar positive Signale“, sagte Samuelsson mit Blick auf die größten Sparte von MAN. „Es gibt definitiv keine Anzeichen einer Abkühlung.“

Neben einer starken Nachfrage nach Dieselmotoren für die Schifffahrt und einer besseren Entwicklung der Druckmaschinensparte hatte der Nutzfahrzeug-Bereich auch im vergangenen Jahr zum guten Geschäft von MAN beigetragen.

Zukäufe sind möglich

Dank Großaufträgen wie der milliardenschweren Lkw-Bestellung des britischen Militärs stieg der Auftragseingang von MAN 2005 um 15 Prozent auf den Rekordwert von 18,0 Milliarden Euro. 2006 soll er auch ohne Großaufträge stabil bleiben. Der Konzernumsatz legte um drei Prozent auf 15,0 Milliarden Euro zu. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital lag mit 19,7 (13,6) Prozent bereits über dem Zielwert.

MAN-Chef Samuelsson: “Dem Ziel näher gekommen“

MAN-Chef Samuelsson: "Dem Ziel näher gekommen"

Samuelsson hatte 2005 Randbereiche abgetrennt und den Konzern auf fünf Kernbereiche konzentriert. Diese sollen nun gestärkt werden - durch Investitionen, aber auch durch mögliche Akquisitionen. Vor allem bei den Turbomaschinen seien Zukäufe möglich. „Etwas Spektakuläres ist da aber nicht zu erwarten“, sagte Samuelsson. Ein Zukauf diene vor allem der Stärkung der Basis.

Keine Übernahme der Scania-Anteile

Einer Übernahme des Scania-Anteils von Volkswagen erteilte Samuelsson eine deutliche Absage. „Nein, an dem Paket sind wir nicht interessiert“, sagte er. Realistischer seien weitere Kooperationen. Die MAN-Aktie legte kräftig zu, nachdem Samuelsson zunächst grundsätzliches Interesse an dem Paket signalisiert hatte, „wenn es denn zum Verkauf stünde“. Später rückte er davon aber wieder ab.

Das Geschäft mit Bogendruckmaschinen, lange Sorgenkind des Konzerns, schaffte 2005 zwar den Sprung in die schwarzen Zahlen. Die nachhaltige Ertragskraft müsse aber 2006 noch unter Beweis gestellt werden, sagte der Konzernchef. Da der Auftragsbestand für Rollendruckmaschinen aber sehr hoch sei, rechnet MAN damit, daß die Sparte den Renditezielen deutlich näher kommt.

Analysten sind sich nicht einig

Mit dem Kurs vom Dienstag errechnet sich mit den vorgelegten Zahlen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,4 für 2005. Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung für 2006 und 2007 sinkt das KGV auf 14,2 und 13,5. Das scheint weder besonders teuer noch besonders billig. Die Dividendenrendite würde, wenn tatsächlich 1,35 Euro je Aktie ausgeschüttet werden, bei 2,5 Prozent liegen.

Die Analysten waren sich am Dienstag nicht einig, was sie von der Aktie halten sollen. Die Hypo-Vereinsbank sieht MAN als „Underperformer“, die Landesbank Rheinland-Pfalz als „Marketperformer“. Die SEB empfiehlt „Halten“.

Der Chart spricht für die Aktie

Der Chart jedenfalls spricht für die Aktie. Der Aufwärtstrend ist intakt, und derzeit ist nicht abzusehen, warum sich das demnächst ändern sollte. Auch der Ausblick auf die kommenden Jahre liest sich positiv. Für Anleger scheint es noch nicht zu spät, auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Doch darf nicht vergessen werden, daß MAN seine Renditeziele schon fast erzielt hat. Was kommt danach? Das Unternehmen ist in einem zyklischen Geschäft tätig. Derzeit verkaufen sich die Nutzfahrzeuge und Dieselmotoren prächtig, doch die Nachfrage könnte, wenn der Weltwirtschaft die Puste ausgeht, ebenso wieder nachlassen. Darum darf sich der Anleger nicht darauf verlassen, daß das Management in Zukunft Jahr für Jahr steigende Gewinne meldet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi mit Reuters
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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