Arzneimittelhersteller

Rückschlag für die Aktie von Stada

13. Oktober 2005 Mit einem Kursgewinn von gut 48 Prozent seit Jahresbeginn kann Stada bisher als Stütze des MDax gelten. Doch diese Rolle dürfte am Donnerstag in Frage gestellt werden. Denn: Der Bad Vilbeler Generikahersteller hat wegen Sonderabschreibungen seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr um zehn Millionen Euro auf 50 Millionen Euro reduziert. Hintergrund: Die Zulassung eines Krebsmittels verzögert sich unerwartet.

Solche Nachrichten mag die Börse gemeinhin gar nicht. Schließlich werden Aktien durch eine niedrigere Ergebnisprognose teurer, da der Profit je Aktie gemessen an den Erwartungen deutlich sinkt. Die Tatsache, daß Stada die Dividende mindestens stabil halten will, dürfte dagegen verblassen. Stada-Aktien hatten am Mittwoch den Handel 2,79 Prozent im Minus mit 29,57 Euro beendet.

Arzneimittelagentur will weitere Studien sehen

Stada werde rückwirkend im dritten Quartal das Projekt des Unternehmens Liponova, an dem Stada beteiligt ist, für das Krebsmedikament Reniale vollständig abschreiben beziehungsweise wertberichtigen, teilte das Bad Vilbeler Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluß mit. Als Anlaß nannte das Unternehmen, daß die Europäische Arzneimittelagentur entgegen den bisherigen Erwartungen die Zulassung von Reniale voraussichtlich von zusätzlichen klinischen Studien abhängig machen wird. Damit verschiebe sich der Vermarktungsbeginn für das Mittel auf unbestimmte Zeit, hieß es.

Die Sonderabschreibungen und Wertberichtigungen beliefen sich auf insgesamt rund 20 Millionen Euro vor Steuern, teilte Stada zudem mit. Diese Belastung könne voraussichtlich wegen des in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres um rund 25 Prozent gestiegenen Umsatzes teilweise kompensiert werden.

Gewinn wird nur knapp über Vorjahresniveau liegen

Für 2006 rechne Stada unverändert mit einem robusten Wachstum im operativen Geschäft, teilte das im MDax gelistete Unternehmen mit. Der Vorstand empfehle für 2005 ungeachtet der Sonderabschreibung eine Dividende mindestens auf Niveau des Vorjahres.

Der Konzern hatte bislang für 2005 einen Gewinn von mindestens 60 Millionen Euro nach 48,5 Millionen Euro im Vorjahr in Aussicht gestellt. Das von diesen Sonderabschreibungen unberührte operative Konzernergebnis werde 2005 voraussichtlich um über 20 Prozent steigen, teilte Stada mit. Wenn der Arzneimittelhersteller die 50 Millionen Euro erreicht, wird der Gewinn je Aktie bei gut 93 Cent landen nach 91 Cent im Vorjahr.

Der Haken: Analysten gehen im Durchschnitt von 1,20 Euro aus, was sich aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24,5 ergibt. Angesichts der neuen Prognose steigt das KGV auf 31,6. Zum Vergleich: Der größere Generikahersteller Teva ist mit 22 bewertet und Novartis, das nach dem Kauf der deutschen Hexal im Frühjahr zum größten Produzenten von Nachahmermedikamenten aufgestiegen ist, mit 14,8.

Aktie nach- und vorbörslich unter Druck

Im nachbörslichen Handel beim Börsenmakler Lang & Schwarz hat Stada am Mittwoch schon Federn lassen müssen. Der Kurs sackte zeitweise um mehr als 5,5 Prozent ab und notierte letztlich mit 28,20/28,50 Euro. Am Donnerstag wird der Titel vorbörslich nochmals um 1,2 Prozent leichter zu 27,84/28,24 Euro gestellt. Damit hält er sich noch über der technischen Unterstützung bei etwa 27,30/40 Euro, der Region, von der aus die Notiz erste Ende August wieder nach oben drehte. Ein Fall unter diese Marke käme einem schlechten Signal gleich. Die nächste Unterstützung wäre erst bei 25,50 Euro.

Angesichts dessen sollten Anleger überlegen, ob sie nicht Gewinne mitnehmen und den weiteren Kursverlauf beobachten, um gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusteigen. Denn die Aktie könnte über Wochen weiter fallen: Nach der sogenannten Umsatzwarnung im Juni 2004 ging es mit dem Titel scharf abwärts, bevor er Anfang August wieder den Weg nach oben antrat und die alten Bestmarken übertrumpfte.

Denn die langfristigen Aussichten für die Generikabranche gelten als gut. Schließlich altern europäische Gesellschaften zusehends, und der Kostendruck im Gesundheitswesen begünstigt Firmen wie Stada. Zudem werden die Bad Vilbeler immer wieder als mögliches Übernahmeziel gehandelt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi mit Reuters
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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