Strabag sagt Börsengang ab

25. April 2007 ela. WIEN, 25. April. Österreichs größter Baukonzern Strabag hat seinen für Mai geplanten Börsengang überraschend abgesagt. Stattdessen hat sich der russische Oligarch Oleg Deripaska, einer der führenden Industriellen des Landes und Putin-Vertraute, mit 30 Prozent an der Strabag SE beteiligt. Dennoch beabsichtigt das Unternehmen im Herbst eine weitere Eigenkapitalzufuhr - diesmal über die Börse. Dies kündigte der Mehrheitseigentümer und Vorstandsvorsitzende der Strabag, Hans-Peter Haselsteiner, am Mittwoch in einer spontan angesetzten Pressekonferenz an.

Der russische Partner werde in das Eigentümer-Syndikat aus seiner Familie und der Gruppe um die Finanzdienstleister Raiffeisen/Uniqa aufgenommen. Wie Haselsteiner ausführte, hat Deripaska über die Tochtergesellschaft Basic Element im Zug einer Kapitalerhöhung 25 Millionen junge Aktien zum Kurs von 42 Euro übernommen. Dazu kämen weitere 3,5 Millionen alte Aktien von den bisherigen Eigentümern, Raiffeisen Holding und Uniqa, zu etwa dem gleichen Kurs. Damit wird sich der Anteil der Raiffeisen-Gruppe von derzeit fast 50 auf rund 35 Prozent verringern.

Wie Haselsteiner sagte, hat die Kapitalerhöhung 1,05 Milliarden Euro an frischem Kapital erbracht. Diese Summe liegt etwa ein Drittel unter den zuletzt angestellten Schätzungen über einen möglichen Emissionserlös aus einem Börsengang. Mit Einverständnis der Kartellbehörden und der Banken könnte die Strabag im kommenden Herbst daher einen zusätzlichen Börsengang durchführen, in dem über eine Kapitalerhöhung 15 Millionen Aktien an das Publikum gegeben werden. Bis zu 12,5 Millionen alte Aktien könnten ebenfalls in das Publikum gestreut werden, hieß es. Die Folge wäre, dass dann jeder der drei Altaktionäre jeweils eine Viertelbeteiligung hätte.

Für den Industriellen ist der Einstieg Deripaskas eine Chance, die Risiken zu managen. Nur mit Russland könne die Strabag das angestrebte Ziel erreichen, in Europa die Nummer eins zu werden. Nach dem Einstieg des Industriellen werde sich in Russland nicht mehr die "Frage der Aufträge stellen, sondern es geht um die Frage, mit welchen Kapazitäten werden wir diese bewerkstelligen können", sagte der Konzernchef. Der Handel bestehe darin, "Marktanteil gegen Knowhow zu tauschen". So will Strabag den russischen Partner etwa beim Baustellenmanagement unterstützen. Der erste direkte Kontakt mit dem neuen Partner sei erst vor drei Wochen erfolgt, schon die ersten Gespräche hätten weitgehende Übereinstimmung ergeben, sagte Haselsteiner.

In Russland selbst machten die aktuellen Bauaktivitäten Deripaskas rund 1,5 Milliarden Euro Bauleistung aus, zusammen mit jenen der Strabag ergebe sich ein Umsatz von aktuell etwa 2 Milliarden Euro. "Damit sind wir zusammen bereits Nummer eins auf dem russischen Markt." Während Deripaskas Gruppe hauptsächlich auf großvolumigen Wohnbau in Moskau konzentriert sei, habe die Strabag bisher hauptsächlich Hochbauprojekte für gehobene Ansprüche gemacht.

Für die in Frankfurt notierte Strabag AG Köln rechnet Haselsteiner damit, dass wahrscheinlich ein Pflichtangebot notwendig wird. Die Finanzmarktaufsicht Bafin werde durch den Einstieg Deripaskas in das Eigentümersyndikat wohl auf einem solchen Angebot bestehen.

Im vergangenen Jahr hat der Konzern erstmals die 10-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze übersprungen und damit seinen Erlös innerhalb von drei Jahren beinahe verdoppelt. Der je nach Zählweise drei- bis sechstgrößte europäische Baukonzern hat insgesamt seine Bauleistung um gut 10 Prozent auf 10,39 Milliarden Euro erhöht. Operativ wurden 343 Millionen Euro verdient, eine Verbesserung von 110 Prozent. Das Ergebnis vor Minderheiten stieg um 136 Prozent auf 224 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote hat sich auf 18,6 Prozent verbessert und soll nach dem Einstieg des russischen Industriellen weiter deutlich steigen. Der größte Einzelmarkt der Strabag war auch im vergangenen Jahr Deutschland mit einem Anteil von rund 40 Prozent. In Osteuropa wurden 3 Milliarden Euro umgesetzt. Dort bestehen nach Einschätzung Haselsteiners die besten Wachstumschancen.



Text: F.A.Z., 26.04.2007, Nr. 97 / Seite 15

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +38,83 +11,03
FRESENIUS MEDICAL CA +0,31 +0,91
HENKEL AG & CO. KGAA +0,07 +0,30
SIEMENS AG NAMENS - -7,56 -14,04
INFINEON TECHNOLOGIE -0,35 -12,59
DEUTSCHE BANK AG NAM -4,84 -12,48
NamePunkteProzent
Dax 4.861,63 -6,49
TecDax 553,00 -5,63
DowJones 8.577,91 -7,87
Nasdaq 1.628,33 -8,47
STOXX 50 2.578,06 -6,48
Nikkei 225 9.547,47 +1,06
S&P 500 Zert. 9,83 -2,58
Euro/Dollar 1,35 +0,31
Bund Future 114,06 +0,13
Gold 846,30 -0,23
Öl 70,31 -8,34
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.