Spezial Börse Griechenland

An der griechischen Börse geben die Bankaktien den Ton an

22. Juni 2006 Für die Stimmung am Aktienmarkt in Athen spielt die Verfassung der Bankaktien eine ganz zentrale Rolle. Stehen Bankwerte bei den Investoren hoch in der Gunst, läuft auch der Gesamtmarkt gut und umgekehrt.

Wie eng das Zusammenspiel ist, zeigt sich auch an der Performance. So ist der FTSE/Athex-Banks-Index in diesem Jahr bisher um 3,21 Prozent gefallen. Der 13 Einzelaktien umfassende Index weist damit praktisch ein genauso starkes Kursminus wie der Athex Composite Share Price Index auf, der seit Jahresbeginn bislang rund 3,29 Prozent an Wert verloren hat.

Die hohe Korrelation zwischen den Banktiteln und dem Gesamtmarkt liegt auch darin begründet, daß die im FTSE/Athex Banks Index enthaltenen Aktien mit einem Börsenwert von zusammen 40,85 Milliarden Euro für 31,09 Prozent der Kapitalisierung des gesamten Marktes verantwortlich zeichnen.

Bei dieser starken Dominanz der Finanzwerte ist es für die griechische Börse gut, daß der Sektor derzeit einige spannende Stories zu bieten hat. Interessant wird die Branche durch ein Wachstum, das höher ist als in Westeuropa. Der Zwang, die Staatsschulden zu senken, die Ende 2005 mit 107,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes deutlich über der im Maastricht-Vertrag genannten Obergrenze von 60 Prozent lagen, beschleunigt den Privatisierungsprozeß bei den staatlichen Kreditinstituten. Dies macht den griechischen Bankensektor für ausländische Institute attraktiver, die verstärkt an einem Einstieg Interesse zeigen, zumal die griechischen Banken derzeit verstärkt nach Osteuropa drängen.

An der Fusions- und Privatisierungsfront tut sich einiges

Beispiele aus den vergangenen Monaten zeigen, wie rasch sich die Veränderungen im griechischen Bankensektor vollziehen. Den schlagzeilenträchtigsten Coup landete der Branchenprimus National Bank of Greece, die für 2,8 Milliarden Dollar 46 Prozent an der Finansbank erwarb, der sechstgrößten türkischen Geschäftsbank. Im Zuge der Privatisierung sorgte nach dem erfolgreichen Verkauf eines Anteil von 7,2 Prozent an der Agricultural Bank of Greece, dem fünftgrößten Kreditinstitut des Landes, der kürzlich vollzogene Verkauf von 42,2 Millionen Aktien der Postal Savings Bank, der griechischen Postsparkasse, die das siebtgrößte börsennotierte griechische Finanzinstitut darstellt, für den meisten frischen Wind an der heimischen Börse.

Derzeit befindet sich der Verkauf eines Anteils von 25 Prozent an der Emporiki Bank in der Endphase. Interesse daran hat bereits die französische Crédit Agricole gezeigt, die ohnehin schon knapp zehn Prozent an dem Institut hält. Aber auch die Bank of Cyprus hat Kaufabsichten durchblicken lassen.

Wie die National Bank of Greece ist auch die EFG Eurobank in der Türkei aktiv geworden. Die griechische Nummer zwei nach Bilanzsumme erwarb für 182 Millionen Dollar 70 Prozent an der türkischen Tekfenbank, die allerdings nur Rang 28 unter den türkischen Geschäftsbanken belegt. Das ist zwar ein deutlich kleinerer Deal als der Kauf der Finansbank. Der Vorstand der EFG Eurobank machte aber deutlich, daß er dies an den Grundstein für den Aufbau der führenden Bank in Südosteuropa ansieht.

Auch das drittgrößte griechische Kreditinstitut, die Alpha Bank, die bereits in Albanien, Bulgarien, Zypern, Mazedonien, Rumänien und Serbien präsent ist, sucht im Balkanraum, der Türkei und der Ukraine nach Übernahmeobjekten. In einem derartigen Umfeld brodelt natürlich auch die Gerüchteküche. So wird an der Börse über eine Fusion zwischen der EFG Eurobank und der Alpha Bank ebenso spekuliert wie über die Option, die italienische Banca Monte dei Paschi di Siena könnte an einem Einstieg bei einem der führenden drei griechischen Banken arbeiten.

Jüngste Kursverluste haben Übertreibungen bei den Bewertungen korrigiert

Der Blick auf die diesjährige Performance des Bankenindex erweckt den Eindruck, als ob die Nachrichtenlage die Anleger dennoch kalt lassen würde. Doch abgerutscht sind die Kurse erst im Zuge der jüngsten Kurskorrektur, der sich weltweit kaum ein Markt entziehen konnte. In den Jahren zuvor sind die Kurse der Bankaktien dagegen sehr gut gelaufen und auch im ersten Quartal waren die Anteilsscheine aus dieser Branche noch sehr gefragt. Ablesen läßt sich das am FTSE/Athex Banks Index. Dieser notierte im Jahreshoch mit 6.286,30 Punkten rund 30 Prozent höher als zur Zeit.

Neben der allgemein schlechten Stimmung spielt aber auch eine Rolle, daß die Kurse zu schnell und zu stark gestiegen waren und dadurch die Bewertungen etwas überzogen waren. Durch die jüngsten Einbußen wurden inzwischen aber möglicherweise zuvor vorhandene Übertreibungen wieder korrigiert (siehe Grafiken). So veranschlagen die Analysten der Alpha Bank das Kurs-Gewinn-Verhältnis der von ihnen beobachteten Bankaktien auf Basis der für 2007 geschätzten Gewinne auf 13,5. Angesichts eines im nächsten Jahr erwarteten Gewinnwachstums von im Schnitt 23,3 Prozent erscheint das vertretbar zu sein. Das gilt mittlerweile auch wieder für das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das von der Alpha Bank für 2007 auf 2,3 beziffert wird.

Lukrativ präsentiert sich auch die Dividendenrendite, die auf Basis der für das kommende Geschäftsjahr erwarteten Ausschüttungen auf 4,1 Prozent veranschlagt wird. Diese Kennziffern und die vielversprechenden Expansionschancen im Balkanraum verschaffen den Bankaktien langfristig dann solide Kurschancen, wenn sich auch die Weltbörsen wieder beruhigen. Und dazu gehört natürlich, daß sich die derzeit vorherrschenden Sorgen hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Weltkonjunktur als übertrieben erweisen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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