Finanzdienstleistungen

AWD-Aktie wenig überzeugend

14. Februar 2006 Mit den Aktien von Finanzdienstleistungsunternehmen machten die Anleger in den vergangenen Jahren unterschiedliche Erfahrungen. So schien ein Unternehmen namens MLP zuerst rasch und unendlich wachsen zu können. Denn die maroden öffentlichen Renten- und Krankenkassen zwingen Anleger zur privaten Vorsorge. Diese Tatsache wurde und wird auch heute noch als „Wachstumsgeschichte“ verkauft.

Die Aktie von MLP hob auf Basis dieser „Geschichte“ zunächst ab und schaffte es sogar bis in den Dax. Später kamen jedoch erhebliche Zweifel an der Korrektheit der Bilanzen auf. Die Folge waren massive Kursverluste. Bis heute hat sich das Papier davon wieder etwas erholt.

Umsatz- und Gewinnrückgang trotz ursprünglichem Optimismus

Ähnliche Phantasien verbinden Anleger und Analysten auch mit dem AWD. Allerdings wurde diese in der Vergangenenheit immer wieder enttäuscht. So auch wieder im vergangenen Jahr. „Der Finanz- und Versicherungsmakler hat im Jahr 2005 den ersten Umsatz- und Ergebnisrückgang seit mehr als zehn Jahren hinnehmen müssen,“ lautete denn auch eine Schlagzeile am Dienstag.

Die Erlöse seien um zwölf Prozent auf 632 Millionen Euro gefallen, teilte das Unternehmen aus Hannover am Dienstag mit. Das operative Ergebnis (Ebit) sei um knapp 38 Prozent auf 47 Millionen Euro eingebrochen - dies auch wegen höherer Kosten für den Konzernumbau. Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 614,8 Millionen Euro und einem Ebit von 48,4 Millionen gerechnet.

AWD erklärte das schwächere Geschäft im vergangenen Jahr mit zahlreichen Gesetzesänderungen in der Altersvorsorge, komplexen Produkten und einer allgemeinen Kaufzurückhaltung vor der Bundestagswahl. AWD-Chef Carsten Maschmeyer sagte, das Unternehmen habe die Voraussetzungen geschaffen, in absehbarer Zeit wieder wie früher zu wachsen.

Das wäre aber nicht das erste Mal, daß solche Prognosen völlig daneben lägen. Denn dem kritischen Anleger dürften entsprechende Äußerungen aus den vergangenen Monaten noch im Ohr liegen, mit denen der Unternehmensvorstand seinerzeit die Wachstumsaussichten in rosigen Farben ausmalte, nur um kurz darauf mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung den Markt zu überraschen - allerdings erst, nachdem er einen großen Teil seiner Beteiligung am Unternehmen verkauft hatte. Es ist wohl ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Interessant am Unternehmen ist höchstens die Dividende

Bislang hatte AWD immer davon gesprochen, beim Umsatz um mindestens zehn Prozent pro Jahr zulegen zu wollen und das operative Ergebnis noch stärker auszuweiten. HVB-Analyst Lucio Di Geronimo hält dies für realistisch. Er rechne in diesem Jahr mit einem Umsatzzuwachs von zehn Prozent auf 705 Millionen Euro, sagte der Analyst. Allerdings dürfte man solche Prognosen immer mit einer Portion Skepsis betrachten müssen.

Das zeigt sich am vierten Quartal. Da erzielte AWD einen Umsatz von 184 Millionen Euro und damit 23 Prozent weniger als im ungewöhnlich starken Vorjahreszeitraum. Im Vorjahr hatte es wegen des damals bevorstehenden Wegfalls der Steuerprivilegien für Kapitallebensversicherungen einen Boom bei diesem Produkt für die Altersvorsorge gegeben.

Die Frage ist allerdings, ob AWD von der Nachfrage nachhaltig profitieren kann. Denn die Methoden des Unternehmens, Berater und indirekt auch Kunden zu gewinnen, sind höchst umstritten. Es gibt Zweifel an der Beratungsqualität, da den Beratern nachgesagt wird, nicht unbedingt im Interesse der Kunden handeln, da sie vor allem von Abschlußprovisionen leben und wenig von der Bestandspflege profitierten. Eine Stagnation der Anzahl der Berater spricht auch nicht unbedingt für das Betriebsklima und schon gar nicht für großen Wachstumsoptimismus.

Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 30 und knapp 21 auf Basis der Gewinnschätzungen für das vergangene und das laufende Geschäftsjahr ist das Papier kein Schnäppchen. Interessant ist allenfalls die Dividendenrendite von zuletzt 3,47 Prozent. Das charttechnische Bild kann wenig überzeugen. Immerhin konnte sich die Aktie in den vergangenen Wochen wieder etwas vom massiven Rückschlag im Oktober des vergangenen Jahres erholen. Insgesamt dürfte es interessantere Aktien geben als jene von AWD.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AWD, FAZ.NET

 
NamePunkteProzent
Dax 6.436,71 -0,06
TecDax 725,17 +0,50
DowJones 11.362,55 +0,12
Nasdaq 2.299,32 +0,84
STOXX 50 3.351,13 -0,10
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
S&P 500 Zert. 12,50 -2,34
Euro/Dollar 1,57 +0,14
Bund Future 110,36 -0,52
Gold 928,50 +0,09
Öl 125,98 +0,80
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