Computer

Aktie von IPC Archtec empfiehlt sich nicht

19. September 2005 Es gibt ein Leben an der Börse auch jenseits der Bundestagswahl. Völlig unbeeindruckt von den Mehrheitsverhältnissen legte am Montag die Aktie des PC-Händlers IPC Archtec um rund neuen Prozent zu, nachdem das Unternehmen am Montag die Ergebnisse für das erste Halbjahr vorgelegt hatte.

Der Niederaichbacher Computerhändler konnte die Umsatzerlöse um 62,6 Prozent von 2,081 Millionen auf 3,383 Millionen Euro steigern. Dies ist bereits mehr als das Unternehmen im gesamten vergangenen Geschäftsjahr abgesetzt hat. Indes ist dies gegenüber früheren Zeiten ein lächerlicher Betrag. 2001 setzte das Unternehmen noch 444 Millionen Euro um und selbst 2003 waren es noch 69,1 Millionen.

Zerschlagung droht immer noch

Der völlige Zusammenbruch der Umsätze geht auf den anhaltenden Streit mit dem Finanzamt zurück. Denn diese war mit dem Zustandekommen der Rekord-Umsätze der Jahre 2001 und 2002 nicht einverstanden. Sie verweigern die Anerkennung diverser steuerfreier Umsätze aus innergemeinschaftlichen Lieferungen. Dabei geht es Umsatzsteuerzahlungen in Millionenhöhe.

Im Geschäftsbericht über das Jahr 2004 teilte das Unternehmen mit: „In der derzeitigen Situation stellt die IPC Archtec AG für die meisten Kunden ein sehr großes Risiko als Lieferant dar.“ Den Kunden sei es im Laufe der Zeit sehr bewußt geworden, daß bei einem Unterliegen der IPC Archtec im Rechtsstreit mit den Finanzbehörden mit einer Zerschlagung des Unternehmens zu rechnen sei.

Die Serie jahrelanger schlechter Nachrichten will damit kein Ende finden. Ärger um Vorstände und wieder nicht berufene Vorstände, in Hochgeschwindigkeit gesenkte Umsatz- und Gewinnprognosen hielten die Anleger in den vergangenen Jahren beständig in Atem - und zunehmend weiter weg von der Aktie.

Allenthalben Zoff

Und nicht nur die: Schon zuvor hatten sich im Jahr 2002 die Banken und Kreditversicherer aus dem Geschäft mit dem Unternehmen zurückgezogen, so daß dieses sich mittlerweile nur noch aus Eigenmitteln finanziert. Damit hat das Unternehmen zwar keine Bankschulden - es gilt aber auch im Klartext als nicht kreditwürdig.

Außerdem schreibt es weiter rote Zahlen, wenn auch auf deutlich geringerem Niveau: Der Konzern erwirtschaftete im ersten Halbjahr einen Fehlbetrag in Höhe von 628.000 Euro gegenüber 9,159 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Nichts Neues hatte das Unternehmen auch zu vermelden, was sein Engagement im neuen Geschäftsbereich der erneuerbaren Energien angeht. Laut Geschäftsbericht 2004 wurden zwei Windkraftanlagen erworben. Das Engagement soll schon in diesem Geschäftsjahr erste Früchte tragen.

Indes enthält die Gewinn- und Verlustrechnung 7,4 Millionen Euro an sonstigen Erträgen - vielleicht stecken die ja da drin. Aufschluß darüber gibt das Unternehmen nicht. Auch um diese Windkraftanlagen gab es Streit. Laut einem Gegenantrag bei der letzten Hauptversammlung sollen die Anlagen um rund 50 Prozent überbewertet sein.

Kein gutes Investment

Neben den fortwährend schlechten Nachrichten und der Unruhe, die rings um das Unternehmen herrscht, wie zum Beispiel das Scheitern des Going-Private vor wenigen Wochen, stört vor allem diese „defensive“ Informationspolitik. Die Verlautbarungen zu den Halbjahreszahlen erschöpften sich in einer dürren Ad-hoc-Mitteilung von viereinhalb Zeilen sowie der Gewinn- und Verlustrechnung und der Bilanz. Kein Wort der Erläuterung, keine Zeile an die Aktionäre.

Geht man von einem ähnlichen Umsatzniveau im zweiten wie im ersten Halbjahr aus, so wäre die Aktie mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa eins bewertet. Zwar ist das nicht unbedingt teuer, aber billig eben auch nicht. Charttechnisch hat das volatile Papier keine eindeutige Richtung aufzuweisen. Vor allem aber angesichts des Damokles-Schwert über der Firma, sollte man von einem Investment absehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht. Beim Wechsel Ihrer Kfz-Versicherung winken bis zu 500 € Ersparnis. Jetzt online vergleichen und gleich abschließen.

Dax
Tec
Dow
Nas
18.12.2009 | 17:45
Dax 5.831,21
−0,23 %
 
        Vortag
Dax
Tec
Dow
Nas
18.12.2009 | 17:35
Tops & Flops Kurs in %
Infineon 3,58 € +4,07%
SAP 32,21 € +2,06%
Dt. Boerse 55,89 € +1,66%
Merck 64,82 € +1,22%
FMC 37,71 € +1,21%
Allianz 84,00 € −1,73%
Linde 83,93 € −1,79%
Dt. Bank 49,90 € −2,16%
Commerzbank 5,91 € −2,80%
Volkswagen 76,25 € −4,69%
21.12.2009 | 04:24
Name Kurs in %
DAX 5.831,21 −0,23%
TecDAX 815,34 −0,05%
MDAX 7.393,75 −0,14%
SDAX 3.555,37 +0,22%
REX 378,74 +0,12%
Eurostoxx 50 2.871,22 −0,71%
Dow Jones 10.328,90 +0,20%
Nasdaq 100 1.807,36 +1,64%
S&P500 1.102,47 +0,58%
Nikkei225 10.142,00 −0,21%
EUR/USD 1,4344 +0,21%
Rohöl Brent Crude 74,07 $ +0,28%
Gold 1.104,50 $ −1,12%
Bund Future 123,43 € −0,01%
Gesamt-
Index
Durchschnitt
90 Tage
Durchschnitt
200 Tage
Aktien-Index
18.12.2009 13:00
1384,62 1346,64 1292,33
Performance-Index
18.12.2009 17:35
304,19 297,54 282,83
Euro-Aktien-Index
18.12.2009 17:35
141,85 140,95 129,84
F.A.Z.-Renten-Rendite
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche
nach oben

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2009 Medienpartner: NZZ Online

Quellen: Technologie und Kursdaten von der TeleTrader Software AG sowie Fondsdaten aus der FWW-Fondsdatenbank, FWW GmbH. Dieser Service ist powered by X.finance GmbH & Co. KG, © 2009. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt.