06. Juli 2005 Angetrieben vom Optimismus, daß der rekordhohe Ölpreis die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne anschieben wird, mauserte sich Saudi-Arabien im vergangenen Monat zum größten Aktienmarkt unter den Schwellenländern
Mit einer Marktkapitalisierung von 506,4 Milliarden Dollar überrundete die saudische Börse die Märkte in Südkorea und Taiwan. Und der größte saudische Wert, Saudi Basic Industries, stellt beim Marktwert Unternehmen wie International Business Machines und JPMorgan Chase in den Schatten. Doch die Freude könnte von kurzer Dauer sein, warnen manche Anleger.
Manche lokale Atkien scheinen schon hoch bewertet zu sein
"Der Markt wird drehen, weil die Aktienkurse dem Gewinnwachstum davongelaufen sind," sagt Joe Kawkabani, Fondsmanager bei Shuaa Capital in Dubai. "Und wenn es dazu kommt, kann es sehr weit abwärts gehen." Der Tadawul All Share Index hat bereits seit dem Rekordhoch, daß er am 19. Juni bei 13.933,51 Punkten erreichte, 6,6 Prozent eingebüßt. Trotzdem kommt er für dieses Jahr auf ein Plus von 59 Prozent. In den vergangenen zehn Quartalen ist die Benchmark mehr als das Fünffache gestiegen. Auch andere Börsen im Mittleren Osten haben angesichts der Ölpreisteuerung eine Rally erlebt.
Im Schnitt werden saudische Aktien zum 35fachen des Gewinns für 2005 gehandelt, berichtet Shuaa. Das ist fast dreimal so viel wie das Kurs/Gewinn-Verhältnis von 11,2 beim Morgan Stanley Capital International Emerging Markets Index. "Die Bewertungen sind lächerlich hoch," erläutert Beshr Bakheet, geschäftsführender Direktor bei Bakheet Financial Advisors in Riad, Saudi-Arabien.
Angeheizt wurde die Rally am saudischen Aktienmarkt durch den Ölpreis, der sich seit Ende 2001 fast verdreifacht hat. Die Ölbranche macht etwa ein Drittel der saudischen Wirtschaft aus. Des weiteren führte die strengere Überwachung von Finanzströmen nach den Terroranschlägen vom 11. September dazu, daß Anleger am Persischen Golf weniger im Ausland und mehr in die heimische Börse investierten, erklärte der saudische Prinz Al Walid bin Talal in einem Interview im September.
Al Walid, der fünftreichste Mann der Welt, berichtete in einem Interview mit CNBC am 15. April, daß ihm Saudi-Arabien und der Mittlere Osten bei seinen Investments in diesem Jahr das größte Plus eingebracht haben. Der Prinz hält fünf Prozent an Samba Financial Group, der zweitgrößten Bank des Königreichs, und 18 Prozent an Savola Group, die in den Bereichen Lebensmittelverarbeitung und Verpackung tätig ist.
Eingeschränkter Marktzugang
Lediglich die 16 Millionen saudischen Bürger können Aktien von Banken, Versicherungen und Immobiliengesellschaften direkt kaufen. Investoren mit saudiarabischem Paß und fünf andere Golfstaaten, darunter Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, können nur über Investmentfonds investieren.
Im Schnitt wechseln an der saudischen Börse täglich Aktien im Volumen von drei Milliarden Dollar den Besitzer, schrieb Kingsmill Bond, Leiter Emerging Markets Research bei Deutsche Bank AG in London, in einer Studie im Mai. Das sind 53 Prozent mehr als 2001. Allerdings ist der Free Float relativ gering. Die Deutsche Bank schätzt den Streubesitz auf etwa 25 Prozent. Mit der Rally ist auch die Anzahl der Aktienemissionen gestiegen. In diesem Jahr haben saudische Unternehmen 530 Millionen Dollar an der Börse beschafft, bis Jahresende stecken noch weitere 3,4 Milliarden Dollar in der Pipeline, berichtet ABQ Zawya.
EFG-Hermes Holdings SAE, Ägyptens größte Investmentbank, will in Saudi-Arabien expandieren. "Die Rally dürfte noch eine ganze Zeitlang laufen," erwartet Yasser el Mallawany, Vorstandsvorsitzender der Bank. "Eine ganze Menge Geld jagt eine geringe Zahl von Aktien."
Saudi Basic oder kurz Sabic macht mit 128 Milliarden Dollar etwa ein Viertel des Börsenwertes aus. Der Marktwert des Petrochemiehersteller übersteigt damit den von IBM mit 120,70 Milliarden Dollar und JPMorgan Chase mit 123 Milliarden Dollar.
Für das erste Quartal berichtete Sabic einen Rekordgewinn von 1,35 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Kawkabani rechnet für das zweite Quartal mit einem etwa gleich hohen Gewinn, weil der höhere Ölpreis zu steigenden Kosten bei Rohstoffe führe. Sabic erklärte am 27. Juni, sie werde die Chemiepreise in Europa erhöhen, um die Rentabilität wieder auf Vordermann zu bringen.
Eine Gewinnabschwächung bei Sabic birgt Risiken für den gesamten saudischen Markt, schrieb Bond in seiner Studie vom Mai. Außerdem kann es sich als schwierig erweisen, die Gewinnperspektiven saudischer Unternehmen einzuschätzen, weil Analysten nur schwer an die Finanzinformationen herankommen und nur wenige den Markt verfolgen. "Wir raten den Anlegern abzuwarten, bis sie zu vernünftigen Kursen einsteigen und auf das langfristige Marktpotential setzen können," sagte Bond. "Wir sehen eine erhebliche Gefahr, daß es zu einem Kurseinbruch an den wichtigsten Märkten der Golf-Region kommt."
Text: Bloomberg
Bildmaterial: Bloomberg
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +13,53 | +6,90 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | +3,59 | +6,32 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,32 | +6,26 |
| MERCK KGAA INHABER - | -5,80 | -7,17 |
| RWE AG STAMMAKTIEN O | -1,57 | -2,03 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | -0,37 | -1,05 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.536,09 | +1,45 |
| TecDax | 746,70 | +2,21 |
| DowJones | 11.632,38 | +0,26 |
| Nasdaq | 2.325,88 | +0,95 |
| STOXX 50 | 3.387,50 | +1,84 |
| Nikkei 225 | 13.312,93 | +0,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,80 | +2,40 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,10 |
| Bund Future | 110,11 | +0,03 |
| Gold | 923,08 | +0,15 |
| Öl | 126,52 | -4,27 |
