Einzelhandel

Bringt Howard Schultz Starbucks und dessen Aktie wieder in die Spur?

08. Januar 2008 Mit nachbörslichen Kursgewinnen von bis zu knapp 8,9 Prozent reagierte am Montag die Aktie der bekannten amerikanisches Kaffeehaus-Kette Starbucks auf die Mitteilung, Unternehmensgründer Howard Schultz übernehme mit sofortiger Wirkung wieder die operative Führung. Der bisherige Konzernchef Jim Donald verlasse das Unternehmen, hieß es weiter.

Schultz kommunizierte gleich auch seine Strategie: Er will in den Vereinigten Staaten effizienter und vor allem auch langsamer wachsen, als das bisher geplant war. So sollen schlecht laufende Läden geschlossen und weniger neue Geschäfte eröffnet werden, als bislang vorgesehen. Das dürfte kaum verwundern.

Zunehmende Konkurrenz, abflauender Konsum, steigende Kosten

Denn erstens ist die Konkurrenz in den vergangenen Monaten spürbar härter geworden als in der Vergangenheit. Zweitens macht sich die konjunkturelle Flaute des Landes immer mehr bemerkbar. Diese schränkt zunehmend den Konsum ein, insbesondere auch bei hochpreisigen Produkten. Hatte Starbucks bisher eine anspruchsvolle Preispolitik und konnte damit hohe Margen erzielen, so geraten diese nun gleich von mehreren Seiten unter Druck.

Denn nicht nur der angeführte Doppeleffekt macht sich bemerkbar, sondern aufgrund der Energie- und Rohstoffhausse der vergangenen Jahre hat auch der Kostendruck deutlich zugenommen. Aus diesem Grund dürfte das Achten auf mehr Effizienz nicht nur sinnvoll, sondern sehr notwendig werden.

Auch der zweite Teil der angedeuteten Strategie ist sinnvoll: Die Intensivierung der internationalen Expansion. Denn erstens sind die möglichen Wachstumsraten im Ausland größer, zweitens kann das Unternehmen auf diese Weise direkt und indirekt vom schwachen Dollar profitieren. Allerdings fragt es sich, ob Starbucks mit seiner Preispolitik überhaupt noch wird erfolgreich expandieren können, wenn immer mehr Konkurrenten die Unternehmensstrategie kopieren und dabei den Preiswettbewerb anheizen. In diesem Sinne dürfte man die Aktie des Unternehmens weiterhin mit einer gewissen Skepsis betrachten müssen. Sie ist inzwischen mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 18 und 15 auf Basis möglicherweise noch zu optimistischer Gewinnschätzungen für das laufende und kommende Geschäftsjahr zwar immer noch kein Schnäppchen, aber deutlicher günstiger als in der Vergangenheit.

Kursgewinn von knapp neun Prozentnicht weltbewegend, nachdem sich der Kurs mehr als halbiert hatte

Starbucks schien noch bis ins Jahr 2006 hinein beinahe unbegrenzt hoch profitabel wachsen zu können. Zumindest die Anleger schienen davon überzeugt zu sein und kauften die Aktie ohne Berücksichtigung der hoch ambitioniert gewordenen Bewertung und der sich abzeichnenden Veränderungen im Markt nach oben auf bis zu knapp 40 Dollar. Danach zeichnete sich jedoch immer deutlicher eine Konsolidierung ab. Spätestens jedoch mit dem Bruch des Aufwärtstrends sollte auch dem größten Optimisten klar geworden sein, dass die vorhergehende Erfolgsgeschichte massiven Gegenwind erhalten hatte.

Ob sich das wieder ändern wird, muss sich erst noch zeigen. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, die nachbörslichen Kursgewinne vom Montag nicht über zu bewerten. Da auch Konkurrenten wie McDonald's international aktiv sind, dürfte selbst in der restlichen Welt die Konkurrenz zunehmen. In manchen Städten gibt es inzwischen beinahe mehr Coffee-Shops als Sand am Meer. So stellt sich nur die Frage, wann diese Welle im Rahmen steigender Kosten - in der Folge dürfte die Profitabilität sinken - und ermüdender Konsumenten abebben wird. Tatsächlich ist ein Kursgewinn von knapp neun Prozent noch nicht weltbewegend, nachdem sich der Kurs des Papiers in den vergangenen Monaten mehr als halbiert hatte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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