Pharmazie

Stada-Aktie trotz hoher Bewertung weiter gut im Trend

30. März 2006 In der Pharmaziebranche hat sich ein Gemütswechsel ereignet. Galten früher die forschenden Pharama-Unternehmen als die Bahnbrecher des gesellschaftlichen Fortschritts und die Generika-Hersteller als „Aasgeier“, müssen erstere nun um ihr Ansehen kämpfen, während letztere als sozialpolitische Hoffnungsträger erscheinen.

Ein Gemütswechsel scheint sich auch an der Börse vollzogen zu haben. Während Generika-Hersteller gut im Trend liegen, haben viele forschende Pharma-Unternehmen eher einen schweren Stand.

Erstmalig Milliardenumsatz

Das liegt zum einen an der hohen Beachtung der Forschungsleistungen und deren schwerer Beurteilbarkeit, zum anderen aber auch daran, daß sich Geschäftszahlen viel leichter beurteilen lassen und diese bei den Generika-Herstellern in aller Regel zuletzt zum Teil erheblich besser ausgesehen haben.

Zum Beispiel auch bei Stada, die am Donnerstag endgültige Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2005 vorlegten. Der Konzernumsatz überstieg erstmalig die Milliardengrenze und erhöhte sich um 26 Prozent auf 1,022 Milliarden Euro, wodurch sich eine durchschnittliche Wachstumsrate des Umsatzes über die vergangenen fünf Jahre von 18 Prozent ergibt.

Der organische Umsatzzuwachs betrug dabei 17 Prozent, während Zukäufe wie der der russischen Nizhpharm, der portugiesischen Ciclum und von elf Markenprodukten, wie Mobilat von Sankyo neun Prozentpunkte zum Umsatzwachstum von Stada beitrugen.

Der Anteil der Generika am Konzernumsatz betrug 72,3 Prozent nach 74,8 Prozent im Vorjahr, wohingegen sich der Umsatzanteil der Markenprodukte von 17,2 auf 20,7 Prozent erhöhte. Vor allem Nizhpharm trug dazu bei, aber auch bekannte Arzneimittel wie Grippostad mit einem Plus von 24 Prozent.

Operativ Gewinnmargen verbessert

Deutschland ist mit einem Umsatzanteil von 43,1 Prozent immer noch Stadas Hauptmarkt. Dort wuchs der Umsatz um 15 Prozent. Besonders positiv entwickelte sich das Geschäft im grenznahen Ausland, dagegen wurde in den Vereinigten Staaten ein Umsatzrückgang um 26 Prozent auf 42 Millionen Dollar verzeichnet. Der dortige Preis- und Margendruck habe für das lokale amerikanische Geschäft obendrein zu einer Verlustsituation geführt. STADA verfolgt das Ziel, die Belastungen des operativen Ergebnisses durch das amerikanische Geschäft in 2006 deutlich zurückzuführen.

In der Gewinnentwicklung machte sich das kleine Amerikageschäft dennoch kaum bemerkbar. Das operative Ergebnis wuchs um 45 Prozent auf 127,1 Millionen Euro. Damit beträgt das durchschnittliche Wachstum in den vergangenen fünf Jahren 35 Prozent.

Besonders erfreulich nannte Finanzvorstand Wolfgang Jeblonski die deutliche Verbesserung der operativen Gewinnmargen in den beiden wichtigsten Kernsegmenten Generika auf 12,6 Prozent (Vorjahr: 9,9 Prozent) und Markenprodukte auf 17,5 Prozent (Vorjahr: 13,0 Prozent).

Reniale-Fehlschlag belastet Konzernergebnis deutlich

Der Gewinn vor Steuern stieg im Konzern um 26 Prozent auf 97,5 Millionen Euro (Vorjahr: 77,6 Millionen Euro). Allerdings wuchs der Reingewinn unter dem Strich nur um sechs Prozent auf 51,6 Millionen Euro bzw. das verwässerte Ergebnis je Aktie gemäß IFRS nur auf 0,91 Euro von 0,88 Euro.

Vor allem die Einstellung des Projekts Liponova-Projekts Reniale hinterließ deutliche Spuren in der Bilanz. Stada ist mit 16 Prozent an der Liponova GmbH beteiligt und hält die europaweiten Vermarktungsrechte für den Tumorimpfstoff Reniale, den das Unternehmen in der Hauptsache entwickelt. Die europäische Zulassungsagentur EMEA wollte Reniale nicht ohne weitere zusätzliche Studien zulassen und schließlich mußte Liponova den Zulassungsantrag zurückziehen, wodurch sich der Vermarktungsbeginn auf unbestimmte Zeit verschoben hat.

Ohne diese Belastungen wäre der Gewinn vor Steuern um 52 Prozent und der Konzerngewinn um 41 Prozent und das Ergebnis je Aktie um 42 Prozent angestiegen. Dies zeigt deutlich, daß auch Stada, obwohl ein Generika-Hersteller, nicht ganz vor den finanziellen Rückschlägen eines Forschungs-Unternehmens gefeit ist. Gerade die doch recht heftigen bilanziellen Auswirkungen zeigen: die Sache ist so einfach nicht mit den Generika.

Zudem stieg dadurch auch noch die Steuerquote da diese (und andere) Sondereffekte „nur begrenzt steuerlich abzugsfähig“ waren. Des weiteren mußten außerplanmäßige Abschreibungen auf früher erworbene Produkte in Höhe von 13,5 Millionen Euro vorgenommen werden.

Gesundheitsreform eher neutral

Potential für Rückschläge gibt es weiterhin, auch wenn man naturgemäß erst einmal nicht davon ausgehen, sondern die Chancen der Projekte betonen sollte. So hält Stada die weltweiten exklusiven Vertriebsrechte für die von der Firma Bioceuticals entwickelten Biogenerika. Im zweiten Quartal sollen die ersten Zulassungsunterlagen bei der EMEA eingereicht werden. Entwicklungsvorstand Christof Schumann sieht damit die Chance „für ein Biosimilar ... 2007 eine EU-weite Zulassung erhalten zu können“.

Im laufenden Jahr habe sich die positive Umsatzentwicklung fortgesetzt. Der Umsatzanstieg im Konzern in den ersten beiden Monaten 2006 habe rund 22 Prozent betragen. Ungeachtet „fortgesetzter und nicht immer kalkulierbarer regulatorischer Eingriffe in einzelnen nationalen Märkten“ geht der Vorstand davon aus, den langjährigen robusten Wachstumskurs fortsetzen zu können. Dabei will man künftig die Erträge überproportional zum Umsatz steigern.

Neutral sieht man indes die Effekte der bevorstehenden Gesundheitsreform in Deutschland. Dies könne erhebliche strukturelle Marktveränderungen mit sich bringen, für Generika-Anbieter könnten sich dabei indes Belastungen und Entlastungen ausgleichen, wobei dies maßgeblich vom endgültigen Gesetzestext sowie den Reaktionen der Marktteilnehmer und insbesondere der Wettbewerber auf die neuen Regelungen abhänge.

Hohe Bewertung, aber guter Trend

Insgesamt sind die Ergebnisse von Stada recht gut, wobei die Entwicklung des Nettogewinns deutlich enttäuscht, auch wenn dafür Sondereffekte verantwortlich sein mögen. Auch Stada ist eben ein Pharamzie-Unternehmen und kann nicht zaubern.

Geht es nach den Analystenprognosen für die kommenden Jahre, so soll der Gewinn je Aktie im laufenden Jahr um 65 Prozent auf 1,60 Euro steigen und 2007 um 23 Prozent auf 1,97 Euro. Das ist insofern durchaus ein mögliches Szenario, als sich die Zukäufe zum Teil erst im laufenden Jahr voll auswirken werden.

Nichtsdestoweniger bleibt die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 21,3 und 18,1 recht hoch bewertet. Das liegt nicht zuletzt an dem steilen Kursanstieg seit Mitte 2004, der dazu führte, daß sich der Kurs nahezu verdreifachte. Zu Wochenbeginn markierte die Notiz ein erneutes Allzeithoch bei 35,45 Euro.

Die charttechnische Entwicklung spricht für Stada, wobei jedoch bei zunehmender Bewertung die Luft oben immer dünner wird. Indes sorgen Fusionsphantasien für zusätzliche Sauerstoffzufuhr. Ein bißchen Vorsicht kann aber nicht schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, Stada AG

 
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