01. August 2008 Gewinnwarnungen in Serie verderben Anlegern die Stimmung, besonders in konjunktursensitives Bereichen. Dazu zählen die Automobil- und Motorradhersteller.
Längst ist klar, dass die Geschäfte nicht mehr rund laufen - und zwar global. Darauf lassen die schwachen Kursentwicklungen der entsprechenden Aktien in den vergangenen Monaten schon länger schließen. Nun trudeln nach und nach die Informationen ein, die sie bestätigen.
Umsatz- und Gewinnwarnungen in Serie - weltweit
Nach Umsatz- und Gewinnwarnungen und schwachen Quartalszahlen von Herstellern wie General Motors, Toyota und Daimler in den vergangenen Tagen und Wochen, sind am Freitag BMW, Yamaha, Suzuki, Mazda und Ford an der Reihe. Die Aktie von BMW ist am Freitag nach überraschend vorgelegten Zahlen zum zweiten Quartal und einer deutlichen Reduktion der Gewinnerwartungen ans Dax-Ende gerutscht. Auch andere Auto-Titel litten unter der gekappten Prognose, die am Markt zwar nicht als Überraschung, aber dennoch negativ aufgenommen wurde. Am späten Vormittag lagen die Titel des Autobauers mit einem Minus von sieben Prozent bei 26,88 Euro. Im frühen Handel waren die Papiere bis auf 25,80 Euro zurückgefallen.
BMW hatte am Freitagmorgen überraschend seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Danach war der Umsatz von 14,7 auf 14,6 Milliarden Euro zurückgegangen, der Nettogewinn fiel um 32,7 Prozent von 753 auf 507 Millionen Euro. Nach Daimler hat auch der Münchener Autobauer wegen des schwierigen Marktumfelds seine Gewinnprognose für 2008 gekappt und rechnet zudem mit einem anspruchsvollen Jahr 2009. Die operative Umsatzrendite werde von 6,7 auf mehr als vier Prozent fallen, teilte das Unternehmen weiter mit.
Bei fallenden Gewinnen sind die Anteilsscheine des Unternehmens gar nicht so günstig, wie sie auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen ausgesehen haben mögen. Bisher gingen die Analysten bei BMW im Durchschnitt von einem Gewinn je Aktie von mehr als vier Euro aus. Das führte zu einem Kurs-Gewinnverhältnis von günstigen 6,6. Kommt der Gewinn allerdings zurück auf 2,5 Euro je Aktie, so steigt das Kurs-Gewinnverhältnis auf 10,7.
Makroökonomisch schwieriges Umfeld
Wir agieren in einem in jeder Sicht makroökonomisch schwierigem Umfeld, sagte BMW-Finanzvorstand Michael Ganal am Freitag in München. Der Gegenwind wird 2009 eher zu- als abnehmen. Vor allem das Währungsumfeld wird wegen des anhaltend schwachen Dollars und des Pfunds anhaltend herausfordernd sein, erklärte er weiter. Der deutsche Autobauer will in diesem Jahr insgesamt 40.000 eigentlich für den amerikanischen Markt vorgesehen Fahrzeuge in andere Länder umleiten oder gar nicht produzieren. Das gelte zum Teil auch für die in den Vereinigten Staaten produzierten Fahrzeuge. Dort sollen noch in diesem Jahr die Preise erhöht werden. Solche defensiven Maßnahmen dürften das Geschäft kaum beflügeln und Anleger dazu bringen, die Aktien des Unternehmens skeptisch zu betrachten.
Der schwer angeschlagene amerikanische Autobauer General Motors (GM) hat wegen der Krise auf dem amerikanischen Automarkt im zweiten Quartal einen weiteren enormen Milliardenverlust erlitten. Der Opel-Mutterkonzern fuhr unter dem Strich ein Minus von 15,5 Milliarden Dollar ein. Das teilte GM am Freitag in Detroit mit.
Der Umsatz brach im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 38,2 Milliarden Dollar ein. Der Konzern baut derzeit wie seine amerikanische Wettbewerber Ford und Chrysler massiv Stellen ab. Die Produktion wird von schweren Geländewagen auf sparsamere kleinere Autos umgestellt. In den vergangenen drei Jahren erlitt GM besonders wegen des schwachen amerikanische Marktes insgesamt bereits Verluste von über 50 Milliarden Dollar, im ersten Quartal dieses Jahres kamen weitere 3,3 Milliarden hinzu. Die deutsche Tochter Opel hatte es 2007 zum zweiten Mal in Folge in die schwarzen Zahlen geschafft.
Yamaha: Umsatzrückgänge in Amerika, Europa und Japan
Ähnlich wie bei BMW sieht es bei Yamaha Motor aus. Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Motorrädern, hat seine Gewinnprognose für dieses Jahr um 23 Prozent gesenkt. Als Grund wurde eine zurückgehende Nachfrage und die Verschlechterung der Finanzkrise, genannt. Der hohe Ölpreis und das niedrigste Verbrauchervertrauen seit 16 Jahren ließen die Nachfrage nach den bis zu 17.000 Dollar Motorrädern um 22 Prozent absacken. Die Konjunkturabschwächung in den Vereinigten Staaten hat Yamaha schwer zugesetzt, sagte der leitende Analyst Koji Endo von der Credit Suisse Groupe in Tokio der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es gibt einfach keine Nachfrage mehr nach Tourenmotorrädern und Booten. Yamaha stellt auch Bootsmotoren her.
Während der ersten Jahreshälfte sank der Absatz von Motorrädern in Japan um 23 Prozent und in Europa um 12 Prozent. Nur im asiatischen Markt außerhalb Japans stieg die Nachfrage um 27 Prozent, was aber wegen der zu geringen Gewinnmargen den Gewinn nicht deutlich anhob. Die Situation am Markt bleibt schwierig und ein Ende ist nicht in Sicht, hieß es auch bei Yamaha. Harley berichtete vor wenigen Tagen über einen stagnierenden Umsatz, während der ausgewiesene Gewinn je Aktie um 17 Prozent auf 79 Cents je Aktie gefallen war. Auch diese beiden Aktien sehen optisch zunächst günstig aus. Allerdings sind die Gewinnerwartungen, auf denen die Bewertungskennzahlen basieren, sehr wahrscheinlich noch zu hoch.
Insgesamt dürften Anleger dazu neigen, die Werte bis auf weiteres mit der notwendigen Skepsis zu betrachten. Immerhin gewinnt der konjunkturelle Abschwung in weiten Teilen der Welt aufgrund der schwindenden Kaufkraft erst an Dynamik. Zudem bauten viele der Hersteller in den vergangenen Jahren ihre Finanzierungsgeschäfte aus. Genau diese spüren nun jedoch die Folgen der Kreditkrise.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET