Banken

Anpassung des Renditeziels belastet Aktie der Aareal Bank

Von Martin Hock

28. März 2008 Immer noch stehen Finanzwerte an der Börse im Fokus. Doch waren sie vor Ostern noch ein Schrecken, so scheinen sie derzeit mehr zur Verzückung beizutragen, wie die gemäßigte Reaktion auf die Gewinnwarnung der Deutschen Bank und die eigentlich schwachen Zahlen der Hypo Real Estate in dieser Woche indizierten.

Nicht ganz so gut kommt am Freitag die Aareal Bank weg, deren Aktienkurs nach der Vorlage des aktualisierten Ausblicks ein Minus von mehr als einem Prozent verzeichnet.

Erreichung des Renditeziels verschoben

Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass die Aussichten auch in diesem Fall nicht wirklich Anlass zu großer Phantasie geben. Denn das Institut wird sein angestrebtes Renditeziel aufgrund der Folgen der Finanzkrise ein Jahr später erreichen als ursprünglich geplant und auch nur dann, wenn bis dahin alles wieder in normalen Bahnen läuft.

.„Unter der Voraussetzung, dass sich die Marktlage spätestens bis 2009 wieder normalisiert hat, gehen wir davon aus, dass wir die anvisierte Eigenkapitalrendite nach Steuern von 13 Prozent (...) erst 2010 erreichen werden“, sagte Vorstandschef Wolf Schumacher am Freitag.

Für das laufende Jahr bekräftigte der Wiesbadener Immobilienfinanzierer unterdessen die Einschätzung, dass sich das operative Ergebnis des Vorjahres wieder erreichen oder sogar verbessern lasse.

Sondererträge polieren Erfolgsrechnung deutlich auf

Im Jahr 2007 hatte sich das Betriebsergebnis der Aareal Bank auf 380 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Davon gingen allerdings 221 Millionen Euro auf das Konto von Sondererträgen wie den Verkaufserlös für den Anteil am Immobilien-Internetportal ImmobilienScout 24. Nur deshalb lag die Eigenkapitalrendite bei 25 Prozent. Ohne Sonderposten hätte sich das operative Ergebnis nur um 20 Prozent verbessert. Auch der Nettogewinn nach Anteilen Dritter stieg durch die Sondereffekte stark auf 290 von 107 Millionen Euro.

Von der Finanzkrise betroffen ist vor allem das im Vorjahr so erfolgreiche Neugeschäft mit strukturierten Immobilienfinanzierungen, das den Zielwert mit 11,7 Milliarden Euro um 17 Prozent übertroffen hatte. Syndizierungen oder Verbriefungen seien derzeit nicht möglich.

Strategieänderungen notwendig

Deshalb müsse man die Strategie der Weiterplatzierung von Krediten in diesem Bereich ändern und das erst vor einem Jahr beschlossene Wachstumsprogramm „Future 2010“ anpassen. So werde man künftig Positionen verstärkt bis zum Ende der Laufzeit halten.

Auch im Dienstleistungs- und Beratungsgeschäft, dessen Ergebnis 2008 deutlich steigen soll, seien Verbesserungen nötig. Dies soll durch gezielte Investitionen ausgebaut werden und sich zunehmend zu einer wichtigen Ertragssäule der Bank entwickeln. Zudem will man das Auslandsgeschäft weiter ausbauen. Die Standorte Singapur und Warschau sollen nun zu regionalen Vertriebszentren für Strukturierte Immobilienfinanzierungen ausgebaut werden.

Und man sieht in der Krise auch Chancen. So erwartet die Aareal Bank im laufenden Jahr einen erneuten Anstieg der Risikoaktiva und eine günstige Margenentwicklung. Beides werde sich positiv auf den Zinsüberschuss auswirken.

Vorausgesetzt wird ein Ende der Krise

Betrachtet man es bei Licht, hat die Bank damit ihre Prognosen zurückgefahren. Die Frage, die sich im Licht der Krise stellt, ist damit, ob die Bewertung der Bank zu den verringerten Prognosen passt.

Geht man nach den jüngsten Analystenprognosen, so erscheint die Bewertung mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 7,3 für das laufende und 6,1 für das kommende Jahr auch dann nicht ungünstig, wenn man leichte Aufschläge für die Prognoseanpassung einkalkuliert.

Indes sollte man beachten, dass es sich bei dem Ausblick sozusagen um ein „Best-Case-Szenario“ handelt. So setzt Schumacher voraus,. dass man im laufenden Jahr „keine weiteren schwerwiegenden Verwerfungen an den Finanzmärkten erlebe“ und sich „die Marktlage spätestens bis 2009 wieder normalisiert hat“. Darüber hinaus muss das Beratungs- und Auslandsgeschäft erst einmal richtig ausgebaut werden. Das kann gut funktionieren, muss aber nicht.

Bankwerte sind weiter risikoreich

Für die Aareal Bank spricht unterdessen, dass sich die Abschreibungen auf Wertpapiere mit 31 Millionen Euro „in einem beherrschbaren Rahmen“ bewegen, auch wenn die Bank weitere Belastungen nicht ausschließen kann. Man sei weder direkt noch indirekt im amerikanischen Subprime-Markt engagiert, habe keine Finanzinstrumente wie CDOs in den Büchern und halte keine Wertpapiere, die von amerikanischen Anleiheversicherern versichert sind.

Das ist zwar schon mal etwas wert, indes ist die Bank insgesamt mit 625 Millionen Euro in ABS-Papieren engagiert. Und auch wenn diese zu 90 Prozent über das beste Kreditrating „AAA“ verfügen, so muss das in dem schwierigen Markt nicht unbedingt Absolution bedeuten.

Insofern sollte man auch die Titel der Aareal Bank wie alle Finanzwerte immer noch mit Vorsicht behandeln und bedenken, dass ein Engagement eine Portion Optimismus und damit auch Mut zum Risiko voraussetzt. In der vergangenen Woche noch schien die Finanzkrise in der Wahrnehmung schier das Ende der Welt, in der wir leben, zu bedeuten. In dieser Woche will man das Ende der Finanzkrise einläuten.

Angesichts einer solch manisch-depressiven Grundstimmung dürfte es eher noch eine Zeitlang dauern, bis sich die Verhältnisse an den Aktienbörsen normalisieren und vor allem die Entwicklung der Finanzwerte wieder stabilisiert. Banken sind daher immer noch nur etwas für risikofreudige Investoren.

Ein erstes Indiz ist, dass im Umfeld einer abgeflauten Hochstimmung der Aktienkurs im frühen Handel um mehr als ein Prozent nachgibt und damit einen Teil der in dieser Woche verzeichneten Kursgewinne wieder abgibt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Bildmaterial: ddp, F.A.Z.

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