Einzelhandel

Aktie von Charles Vögele zeigt gute Entwicklung

30. August 2005 Mit guten Nachrichten hat am Dienstag die größte Schweizer Bekleidungskette Charles Vögele aufgewartet. Im ersten Halbjahr 2005 stieg der Reingewinn des Unternehmens nahezu um das Sechsfache von 5,7 auf 33,6 Millionen Schweizer Franken. Der Umsatz legte um 4,4 Prozent auf 664,5 Millionen Franken zu.

Der Vorsteuergewinn (Ebit) erhöhte sich um 160 Prozent von 20,6 auf 54,1 Millionen Franken, das Ebitda um 48 Prozent auf 80,9 Millionen. Der Unterschied kommt durch eine veränderte Rechnungslegung zustande, nach der eine Goodwill-Amortisation aus dem Vorjahr nicht mehr vorgenommen wird. Die hohe Reingewinnsteigerung wiederum resultiert aus den Restrukturierungsschritten, durch die der Finanzaufwand reduziert werden konnte.

Erwartungen übertroffen

Die Nettoverschuldung konnte gegenüber dem Jahresende 2004 von 221,8 Millionen auf 199,1 Millionen Schweizer Franken abgebaut werden und die Eigenkapitalquote gegenüber dem Vorjahr von 43 auf 53 Prozent erhöht werden.

Damit hat der Konzern die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen. Analysten rechneten im Durchschnitt mit einem drei Prozent niedrigeren Umsatz von 646,6 Millionen Franken und einem um 21 Prozent niedrigeren Ebit von 42,7 Millionen. Auch beim Reingewinn hatten die Analysten im Mittel ein Drittel weniger erwartet.

Die guten Zahlen sind umso bemerkenswerter, als Charles Vögele außer in den deutschsprachigen Ländern nur noch in den Niederlanden und Belgien aktiv ist und keine Luxus- und Markenmode vertreibt, sondern seine Kollektionen selbst zusammenstellt, größtenteils bei eigenen Vertragsherstellern produzieren läßt und mit eigenen Labeln auszeichnet. Nur im oberen Preissegment wird das Kernsortiment mit wenigen, bekannten Marken ergänzt.

Marktanteile trotz schwacher Konsumentenstimmung vergrößert

Derart aufgestellte Einzelhändler stehen aber gerade im Textilsektor üblicherweise in den Charles Vögele-Ländern unter einem enormen Konkurrenz- und Margendruck, nicht zuletzt durch Importe aus Billiglohnländern, bei gleichzeitig niedrigem oder gar nicht vorhandenem Marktwachstum. Vögele konnte demnach deutlich Markanteile gewinnen. So stieg der Nettoumsatz in Deutschland, obwohl die Zahl der Filialen unter dem Strich um vier reduziert wurde.

Nur „marginal“ habe zur Erhöhung der Bruttogewinnmarge von 60 auf 61,2 Prozent dagegen die Aufhebung der Quoten für Textilimporte aus China beigetragen. Das Unternehmen sieht den Erfolg des Halbjahres dadurch begründet, daß man in allen Vertriebsorganisationen habe operative Fortschritte erzielen und die Rentabilität verbessern können. Vor allem aber hat das Modeunternehmen den seit 2002 verzeichneten Absatzrückgang zu stoppen vermocht. Der Einzelhändler profitierte dabei nicht zuletzt von einem im Marketing sehr erfolgreich umgesetzten fünfzigjährigen Firmenjubiläum.

Auch für das Gesamtjahr geht das Unternehmen weiterhin von einem rückläufigen Textilmarkt aus. Insgesamt erwartet Vögele eine Umsatzentwicklung, die entsprechend der Marktperformance oder leicht besser verläuft und eine Ebitda-Marge von elf bis 13 Prozent. In diesem Zielkorridor bewegte sich auch das Halbjahresergebnis. Mit Erleichterung stellte Charles Vögele fest, daß sich der in den vergangenen Jahren ausgeprägte Rückgang des Textilmarktes verlangsamt hat. Die Konsumentenstimmung verharre dennoch in allen Ländern auf tiefem Niveau.

Markteintritt in Osteuropa steht bevor

Für den Beginn der Herbst-Winter-Saison bereitet Vögele den Markteintritt in Slowenien vor. Ebenso werden die Vorbereitungen für die Eröffnung der ersten Testmärkte Polen, Ungarn und Tschechien vorangetrieben. Die ersten dieser neuen Filialen werden ihre Pforten in Polen öffnen.Dieser Schritt nach Osteuropa, wenn er erfolgreich verläuft, könnte für den weiteren Weg des Konzerns wegeweisend sein.

Mit diesen Zahlen konnte Charles Vögele die hohen Erwartungen der Börse rechtfertigen. Denn die Anleger haben dem Papier seit Mitte des vergangenen Jahres zu einem ungeahnten Höhenflug verholfen. Mitte 2004 war die Aktie des Textileinzelhändlers aus Pfäffikon in Reaktion auf Umsatz- und Gewinnrückgänge scharf von 85 auf unter 40 Franken eingebrochen. Seitdem hatte sie sich bis auf ein 47-Monats-Hoch bei 96,50 Franken erholt.

Eine solche steile Erholung hatte die Aktie schon 2003 erlebt, als sie sich nach dem Kursrückgang in der Baisse, der sie von 350 Franken bis auf ein Tief von 14,30 im März 2003 geführt hatte, bis auf 98 Franken erholte.

Bewertung noch akzeptabel

Was die Aktie von Charles Vögele interessant für Anleger macht sind zwei Dinge. Da ist zum einen die erfolgreiche Restrukturierung, durch die es der Einzelhändler geschafft hat trotz rückläufiger Märkte zu wachsen. Zu verdanken hat er das einer konsequenten Sortiment- und Standortoptimierung, in deren Zuge das Unternehmen im vergangenen Halbjahr netto die Zahl der Filialen um eine reduziert und dennoch den Umsatz gesteigert hat. Im kommenden Halbjahr werden zwölf Standorte in Belgien von der übernommenen Kette Pecotex hinzukommen.

Dieses erfolgreiche Management läßt auch guter Dinge für die anstehende Expansion nach Mittelosteuropa sein, wo Charles Vögele mit seinem ansprechenden Filialdesign und moderaten Preisen durchaus gute Marktchancen hat.

Auch die Bewertung der Aktie ist noch nicht aus dem Ruder gelaufen. Die optimistischen Analysten von Kepler Securities bezeichneten die Aktie beim Kurs von 89 Franken als „noch immer billig und noch erfreulicher werdend“. Wenngleich das etwas enthusiastisch erscheinen mag, so ist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,5 für das laufende und 11,6 für das kommende Geschäftsjahr dennoch recht erträglich.

Charttechnisch ist der Aufwärtstrend der vergangenen zwölf Monate intakt, auch wenn das Papier mit dem Markt in den letzten Tagen etwas konsolidiert hat. Angesichts der Übernahmen in Belgien und der Osteuropa-Phantasie könnte das Papier in einem verbesserten Marktumfeld auch in den kommenden Monaten wieder nach oben laufen.


Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
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