Elektronik

Philips-Aktie dürfte sich wieder nach oben orientieren

Licht für die WM bringen Philips-Chef Kleisterlee (l) und Finanzchef Sivignon

Licht für die WM bringen Philips-Chef Kleisterlee (l) und Finanzchef Sivignon

23. Januar 2006 Die Aktie der Royal Philips Electronics NV hat ihren Besitzern in den vergangenen Monaten überwiegend viel Freude bereitet. Binnen Jahresfrist legte sie um 36 Prozent zu, während der Amsterdamer AEX-Index um 22 vorrückte. Auch den EuroStoxx 50 konnte die Notiz ausstechen. Und auch an diesem erwartet trüben Börsen-Montag dürften sich Anleger an Philips wärmen können.

Denn der Bericht zum vierten Quartal 2005, den der weltgrößte Hersteller von Glühbirnen und Elektrorasierern vorbörslich vorgestellt hat, erscheint als heller Lichtblick: Philips hat erheblich mehr verdient und etwas mehr umgesetzt als von Analysten erwartet. Der Ausblick auf die operative Marge trifft die Erwartungen. Nicht zuletzt will der Konzern eine höhere Dividende für das vergangene zahlen, als Marktteilnehmern erwartet haben.

Kann zufrieden sein: Philips-Chef Kleisterlee

Kann zufrieden sein: Philips-Chef Kleisterlee

Vor diesem Hintergrund dürfte die Aktie gute Chancen haben, sich nach einem seit dem 9. Januar aufgelaufenen Kursminus von 7,5 Prozent wieder nach oben zu orientieren. Die meisten Analysten halten sie für mehr oder weniger deutlich unterbewertet.

Gewinn um 48 Prozent höher als erwartet

Philips' Nettogewinn ist zwar auf 332 Millionen Euro nach 498 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum gefallen, wie Europas größter Unterhaltungselektronikkonzern am Montag mitteilt. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt aber nur mit einem Ergebnis von nur 224 Millionen Euro gerechnet. Zweitens überstieg der operative Profit mit 971 Millionen Euro die Prognose von knapp 743 Millionen Euro ebenfalls erheblich. Der Umsatz stieg den Angaben zufolge um sechs Prozent auf 9,52 Milliarden Euro. Die Branchenexperten hatten 9,36 Milliarden Euro geschätzt.

Wie Philips weiter mitteilte, wuchsen die Umsätze im Medizintechnik-Geschäft um 13 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro, wobei ein operativer Gewinn von 267 Millionen Euro nach einem Verlust im gleichen Vorjahreszeitraum anfiel. Bei der Unterhaltungselektronik legte der Konzern um vier Prozent auf 3,47 Milliarden Euro zu, wobei der operative Profit von 270 auf 234 Millionen Euro sank. Die Halbleitersparte steigerte die Erlöse um 18 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro und den operativen Gewinn von 47 Millionen Euro auf 267 Millionen Euro.

Operativer Gewinn soll stärker wachsen als Umsatz

Die Royal Philips Electronics NV erwartet, im laufenden Jahr ihre „Ziele zu erreichen“. So solle eine operative Marge von sieben Prozent bis zehn Prozent bis Ende 2006 erreicht werden, was auf einer Linie mit Analystenerwartungen liegt; im vierten Quartal vergangenen Jahres lag der Wert bei 10,1 Prozent. Alle Sparten würden im Jahr 2006 wachsen, teilte der Konzern am Montag weiter mit. Zudem strebt Philips ein durchschnittliches Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent an. Das Wachstum werde vor allem durch Innovationen und die Konzentration auf Emerging Markets entstehen. In der Sparte Medical Systems und Consumer Health & Wellness würden Akquisitionen das organische Wachstum ergänzen, hieß es.

Erst im Januar hat der Konzern den an der Nasdaq gelisteten amerikanischen Gesundheitsdienstleister Lifeline Systems übernommen, der Hausnotrufdienste für Senioren anbietet und bisher über 470.000 Abonnenten verfügt. Angesichts dieser Zahl wird Lifeline ein hohes Wachstumspotential zugeschrieben. Das Unternehmen hat für 2005 eine operative Marge von 15 Prozent angestrebt.

Zwei Cent mehr Dividende je Aktie als erwartet

Fernseh-Fertigung bei Philips

Fernseh-Fertigung bei Philips

Für 2005 erwägt Philips nun eine Dividende von 0,44 Euro je Aktie; mithin will der Konzern rund 529 Millionen Euro ausschütten. Im Vorjahr betrug die Dividende 0,40 Euro je Aktie. Mit der Prognose übertrifft der Konzern ebenfalls die Erwartungen der Analysten, die mit 42 Cent je Anteilsschein gerechnet hatten. Erst für 2006 wurde bisher mit 44 Cents kalkuliert. Insofern dürfte der Konzern die Riege der Analysten erfreuen.

Unter diesen gilt die Aktie der Holländer unter dem Strich als Kauf. Gegen den Strom schwimmt Independent Research mit dem Rat, die Aktie mit Kursziel 21 Euro zu verkaufen. „Bullish“ haben sich zuletzt Merrill Lynch, die Citigroup, die Deutsche Bank, die Philips als „Top Pick“ unter den Halbleiteraktien nennt, und JP Morgan geäußert. Die von diesen Häusern genannten Kursziele liegen zwischen 29 Euro und 31 Euro. Aus diesen Vorgaben errechnet sich ein Kurspotential von 14,4 bis 22,3 Prozent.

Dabei erscheint die Aktie mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,9 für 2006 - nach 22,6 für 2005 - nicht hoch, sondern eher neutral bewertet. Die Dividendenrendite von gut 1,7 Prozent ist für einen Technologiewert sehr ordentlich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance / dpa/dpaweb, REUTERS

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