Solaraktien

Sonnenenergie ist teuer - auch für Anleger

Gut, dass wir sie haben, sagen sich die Solarfirmen.

Gut, dass wir sie haben, sagen sich die Solarfirmen.

14. August 2007 Wahrscheinlich haben sich die Anleger auch nach Sonnenschein und Wärme gesehnt: Ausgerechnet in der kalten Jahreszeit legten Solaraktien zu wie selten zuvor. Es waren Themen wie der schwere Wintersturm „Kyrill“ und der Klimabericht der Vereinten Nationen, die bei den Anlegern in den vergangenen Monaten das Interesse an der Branche wieder wach riefen. Und sich Kritiker schon an die Übertreibungen des Neuen Marktes erinnert fühlten.

Jetzt im Sommer liegen die Kursniveaus auf sonnigen Höhen. Die ganz große Phantasie für den weiteren Weg nach oben scheint nun erst einmal ausgereizt. Trotz guter Zahlen, die einige Sonnenenergie-Firmen am Dienstag vorlegten. Aber zweistellige Kurssprünge, wie sie nach Quartalsberichten bereits die Regel waren, sind wohl fürs erste passé. Zum Teil verkaufen Anleger sogar, obwohl Firmen ihre Geschäftserwartungen anheben.

Trotz besserer Prognosen nur ein Prozent für Q-Cells

Auch Q-Cells, mit einer Marktkapitalisierung von gut fünf Milliarden Euro einer der Größten der Branche, legte bis zum Mittag gerade mal ein Prozent zu. Und das, obwohl die Firma ihre Gewinnprognosen für das Geschäftsjahr anhob. Vor einem Vierteljahr hatte der Kurs nach guten Daten 20 Prozent zugelegt. Jetzt plant der ostdeutsche Solarzellen-Hersteller für 2007 einen Umsatz von mindestens 800 Millionen Euro, zuvor war man von 750 Millionen ausgegangen. Das im Tec-Dax notierte Unternehmen will einen Vorsteuergewinn (Ebit) von 170 Millionen Euro einfahren und einen Überschuss von 130 Millionen Euro. Offenbar zu wenig überraschend, um einen richtigen Kurssprung auszulösen.

Die höhere Erwartung begründete das Unternehmen mit einem positiven Verlauf von Testläufen einer neuen Produktionslinie. Klingt gut, doch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 46 auf Basis der 2007-er Prognosen ist die Aktie inzwischen alles andere als billig. Mit Kursen um die 65 Euro notiert sie nicht weit entfernt vom bisherigen Allzeithoch. Und in der Zwölf-Monats-Betrachtung hat sich das Papier in etwa verzweieinhalbfacht.

Notwendig: Wachstum, Wachstum, Wachstum

Nun sprechen solch hohe Bewertungen nicht generell gegen einen Einstieg in eine Aktie. Wer kaufen will, muss sich allerdings eine Tatsache vergegenwärtigen: Solche Firmen brauchen ständig weiteres Geschäftswachstum, um ihre ambitionierten Bewertungen zu rechtfertigen. Erst wenn die für die nächsten Jahre erhofften Gewinne tatsächlich erwirtschaftet werden, dürften sich die KGVs normalisieren in Richtung 15 - und wieder zum Aktienkauf einladen. Viele Marktbeobachter halten die Wette darauf derzeit einfach für zu riskant.

Schließlich hat die Vergangenheit gezeigt: So schnell, wie die Kurse steigen, so schnell kann es gerade mit Solarwerten kurzfristig bergab gehen. Zu Beginn des vergangenen Jahres waren viele Titel ihrem heutigen Kursniveau nahe gekommen. Damals hatte sich die schon mehrere Jahre andauernde Rally beschleunigt. Es folgte ein Kurseinbruch, bei dem sich beispielsweise der Aktienkurs von Solon halbierte.

Klimadebatte nützt den Sonnenfirmen

Andererseits muss man für die Branche keineswegs schwarzmalen. So rechnet zur Stunde kaum jemand damit, dass sich die Nachfrage nach Solaranlagen abschwächt. Verwiesen wird darauf, dass einige Anbieter angekündigt haben, ihre Kapazitäten auszubauen. Und vor allem die Großen haben mittlerweile einen Auslandsanteil von 40 bis 60 Prozent des Umsatzes aufgebaut. Branchen-Musterschüler Solarworld etwa verfügt bis zum Jahr 2020 über einen Auftragsbestand von fünf Milliarden Euro. Davon kommen nach Angaben des Unternehmens 90 Prozent aus dem Ausland.

Solche Quoten machen die Firmen unabhängiger von politischen Entscheidungen hierzulande - falls gesetzliche Fördervorteile demnächst wegfallen sollten. Aber die Klimadebatte kommt den Solaranbietern zugute: Die EU etwa will den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent massiv erhöhen. „Von der politischen Seite hat sich dieses Jahr einiges für die Solarindustrie verbessert“, resümieren Analysten.

Gefährlich geringe Marktkapitalisierung

Für Anleger gilt: Wer Vertrauen in das weitere Wachstum hat und als Anleger stärker auf Nummer sicher gehen will, kauft Aktien von Solarworld, Q-Cells und Conergy. Dabei handelt es sich um Firmen, die an der Börse immerhin zwei bis fünf Milliarden Euro schwer sind. Weniger als eine Millarde bringen etwa Ersol (730 Millionen), Solar Millennium (370 Millionen), Aleo Solar (190 Millionen), Phoenix Solar (133 Millionen) oder Sunways (100 Millionen) auf die Waage der Marktkapitalisierung. Großanleger können solche Titel leicht, je nach Interessenlage, in die eine oder andere Richtung hieven.

Unabhängig davon waren Anleger mit den Kleinen am Mittwoch trotz Erfolgsmeldungen nicht richtig gut bedient. Der Solarmodulproduzent Aleo hob seine Erwartungen an, die Aktie gab drei Prozent nach. Der Solarzellenhersteller Sunways legte im ersten Halbjahr 2007 kräftig zu, der Kurs bewegte sich kaum. Gleiches galt für Solar Millennium. Und der von Ersol bekanntgegebene Gewinnrückgang schickte den Kurs um mehr als ein Prozent nach unten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @tih
Bildmaterial: AP, ddp, FAZ.NET

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