Schwellenländer

Erfolgreiches Börsendebüt der Bank of China

Bank of China in Hongkong

Bank of China in Hongkong

01. Juni 2006 Die Bank of China hat am Donnerstag in Hongkong ein erfolgreiches Börsendebüt gegeben. Mit einem Volumen von knapp zehn Milliarden Dollar war es einer der größten Börsengänge überhaupt und der weltweit größte seit sechs Jahren.

Die Titel schlossen mit 3,40 Hongkong-Dollar 15 Prozent im Plus und damit höher als von Beobachtern erwartet. Die Aktie hatte die höchsten Umsätze aller Werte an der Börse in Hongkong, die insgesamt im Minus schloß. Die Titel waren mit einem Ausgabepreis von 2,95 Hongkong-Dollar bereits am oberen Ende der anvisierten Preisspanne von 2,50 bis 3,00 Hongkong-Dollar zugeteilt worden. Dem in Peking ansässigen Finanzhaus flossen im Rahmen des Börsengangs 9,7 Milliarden Dollar in die Kasse. Mit dem Kursanstieg kommt die Bank of China auf einen Marktwert von umgerechnet knapp 84 Milliarden Euro und ist die achtgrößte Bank weltweit nach Marktkapitalisierung.

Positive Börsenstart trotz zurückhaltender Erwartungen

Volle Kassen: der Börsengang der Bank of China war ein Erfolg

Volle Kassen: der Börsengang der Bank of China war ein Erfolg

Der positive Börsenstart gelang Chinas zweitgrößtem Kreditinstitut trotz zurückhaltender Erwartungen von Analysten, die eher mit Verkäufen bei den rund eine Million Privatanlegern gerechnet hatten. „Dies ist eine ziemlich erfreuliche Überraschung“, sagte Fondsmanager Tat Auyeung von Apex Capital.

Die Bank will die Einnahmen aus dem Börsengang zur Stärkung ihrer Kapitaldecke und dem Ausbau ihrer Geschäfte nutzen. Der erfolgreiche Börsengang des staatlichen Finanzinstituts schafft Experten zufolge gute Voraussetzungen für den gleichen Schritt des größten chinesischen Kreditinstituts, der Industrial and Commercial Bank of China. Er ist noch für dieses Jahr geplant und soll mit seinen Einnahmen von rund zwölf Milliarden Dollar den Börsengang von Bank of China noch übertreffen.

Im Oktober hatte bereits die China Construction Bank mit ihrem Gang ans Parkett 9,2 Milliarden Dollar eingenommen. Mit den unter strengen Regeln stattfindenden Teilprivatisierungen der Banken bemüht sich der kommunistische Staat, kontrolliert ausländisches Kapital ins Land zu holen.

Anleger bauen auf das Wirtschaftswachstum - günstig ist die Aktie nicht

Die Anleger bauen darauf, daß das chinesische Wirtschaftswachstum, das in den vergangenen drei Jahren bei durchschnittlich zehn Prozent lag, für eine anhaltende Expansion im Kreditgeschäft sorgen werde. „Es gibt keinen Verkaufsdruck, weil die institutionellen Investoren weiter Positionen aufbauen“, argumentieren Experten „Insgesamt ist der Markt noch recht wacklig. In diesem instabilen Umfeld bleiben die Anleger wohl lieber bei großen Werten wie der Bank of China,“ heißt es. Die für private Anleger in Hongkong vorgesehene Tranche war siebzigfach überzeichnet, teilte die Bank mit.

Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von inzwischen 3,25 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 3,4 ist das Papier inzwischen allerdings längst kein Schnäppchen mehr, selbst wenn man unterstellt, die Bücher seien problemfrei. Wer jedoch wird das mit der vergleichsweise geringen Unternehmenstransparenz in China schon behaupten wollen? Die Vergleichszahlen der Deutschen Bank liegen bei 1,66 und 0,64, die der UBS bei 3,07 und 1,25. Auf dieser Basis dürfte ein kritischer Blick auf die weitere Entwicklung nötig sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri mit Material von Reuters und Bloomberg
Bildmaterial: AP, picture-alliance/ dpa

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