15. Juli 2008 Die Nerven der Börsianer liegen blank. Das zeigt sich auch daran, dass praktisch jede schlechte Nachricht massiv abgestraft wird. Zu spüren bekommt das gerade auch der norwegische Öl-, Gas- und Aluminiumproduzent Norsk Hydro. Dessen Aktienkurs ist am Montag so stark eingebrochen wie nie zuvor.
Die Titel verbilligten sich in der Spitze um rund 13 Prozent, nachdem der Aluminiumproduzent für das zweite Quartal einen deutlichen Kostenanstieg bekannt gab. Und am auch Dienstag setzt es weitere, wenn auch kleinere Verluste. Mit aktuell 64 Kronen kostet der Titel inzwischen nur noch so viel wie Anfang 2007.
Höhere Kosten belasten das Ergebnis
Konkret berichtete die weltweite Nummer vier bei der Aluminiumproduktion beim Gewinn vor Steuern und Zinsen einen Rückgang auf 1,6 Milliarden norwegische Kronen (199 Millionen Euro), verglichen mit zwei Milliarden Kronen im ersten Quartal. Das vollständige Ergebnis wird Norsk Hydro am 22. Juli publizieren.
Die höheren Kosten haben sich bei ihnen voll niedergeschlagen, ohne dass sie von den steigenden Aluminiumpreisen profitiert haben, sagte Oddvar Bjorgan, Analyst bei ABG Sundal Collier Holding ASA in Oslo. Offensichtlich ist ihre Kostenbasis höher als Analysten erwartet haben.
Tatsächlich haben die Kosten für Aluminiumoxid, das zur Aluminiumproduktion verwendet wird, deutlich angezogen. Der Jahres-Terminkontrakt für Kraftwerkskohle hat sich seit dem ersten April auf 125 Dollar je Tonne mehr als verdoppelt. Bei Kokskohle hat sich der Preis auf 300 Dollar je Tonne sogar verdreifacht. Und der Ölpreis hat bei 147,27 Dollar je Barrel ein neues Rekordhoch erreicht.
Die Deutsche Bank reagierte auf den Ergebnisausweis mit einer Senkung des Kursziels. Mit 93 Kronen nach bisher 98 Kronen liegt dieses aber noch immer deutlich über der aktuellen Notiz. Folglich wurde auch die Kaufempfehlung bestätigt.
Fortschreibung des langjährigen Hausse dürfte zunächst schwer werden
Der Einschätzung des zuständigen Analysten Rob Clifford zufolge könnte der Gewinn je Aktie in diesem Jahr um 17 Prozent sinken. Auf dieser Basis würde sich ein Gewinn je Aktie von elf ergeben. Das wäre sicherlich nicht zu viel, wenn es dem Unternehmen gelänge, in den nächsten Quartalen die Kosten besser in den Griff zu bekommen und an die Kunden überzuwälzen.
Als Stütze könnten sich auch der anhaltende Angebotsengpass bei Aluminium und die damit verbundenen Rekordpreise erweisen. Denn wie jüngst erst wieder berichtet wurde, werden die Produktionskürzungen bei den chinesischen Aluminiumhütten, den weltweit größten, wegen der Stromknappheit im Lande noch bis September anhalten.
Doch so lange nicht klar ist, wie gut es gelingt, die Probleme in den Griff zu bekommen, dürfte die Aktie ihren jahrelangen Aufschwung zunächst nicht fortschreiben können. Zumal Kommunikationschef Stefan Solberg bereits einräumte, dass die höheren Herstellungskosten für Aluminium und Kohle auch die Ergebnisse der folgenden Quartale belasten werden.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET, Norsk Hydro
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,21 | +5,71 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | +1,53 | +4,01 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +2,15 | +3,49 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,69 | -14,20 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,28 | -8,94 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -2,36 | -7,65 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,67 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 888,80 | +3,14 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |