21. September 2005 Das Modegeschäft ist wirklich nicht einfach, besonders nicht in Westeuropa. Schnell wechselnde Trends machen aus einer erfolgreichen Marke in kürzester Zeit Wühltisch-Produkte. Zudem ist der private Konsum alles andere als eine Konjunkturstütze - was sich auch in den Bekleidungsgeschäften bemerkbar macht.
Zu leiden haben darunter auch die Aktien vieler Bekleidungshersteller und -verkäufer. Nur wenige der rund 70 Werte, die an Europas Börsen notiert sind, zeigen sich von der positiven Seite. Läuft es bei den Unternehmen einigermaßen rund, sie nicht zu hoch bewertet sind, um so richtig kaufenswert zu sein, wie etwa die Aktie der schwedischen Bekleidungskette Hennes & Mauritz mit Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 24 und 21 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufen und das kommende Jahr. Auch das Papier von Wolford ist mit KGVs von 25 und 20 nicht wirklich ein Schnäppchen.
Billig ist nicht immer günstig
Weisen die Papier günstige Bewertungen auf, liegt das häufig weniger an einer attraktiven Gewinnentwicklung als an einer unattraktiven Kursentwicklung. Zum Beispiel die Damenoberbekleidungskette Jacques Vert - mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 4,7 und 3,7 ist das Papier schon fast unschlagbar billig. Dennoch: Seit ihrem Hoch bei 26 Pence vor zwei Jahren hat das Papier mittlerweile 46 Prozent verloren. Das beste, was man sagen kann, ist daß möglicherweise eine Bodenbildung bevorsteht.
Den Höhenrausch hatte das Papier 2003 bekommen, als Jacques Vert die größere Kette William Baird übernahm. Doch die Hoffnungen wurden offenbar enttäuscht. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. April zuende ging, konnte das Unternehmen zwar Bruttomarge und Betriebsgewinn deutlich steigern, doch verhagelten Restrukturierungskosten in Verbindung mit der Schließung eines Logistikzentrums und der Konkurs von Allders Department Stores zu Jahresbeginn die Bilanz. Bei Allders betrieb Jacques Vert einst 85 Shop-in-Shops. Derzeit ist den Anlegern offenbar noch unklar, wie groß die Belastungen aus dem Konkurs wirklich werden. Zumindest ist die Stimmung für alles schlecht, was mit dem Allders-Konkurs verknüpft ist.
Preiswert ist besser
Andere Handelsketten sind da weniger belastet. Vergleichsweise preiswert präsentiert sich die Aktie der Schweizer Kette Charles Vögele (Aktie von Charles Vögele zeigt gute Entwicklung) mit KGVs von 14,4 und 12,2. Seit über einem jahr befindet sich das Papier im Aufwärtstrend und stellte erst am 9. September bei 108,60 Franken ein Vier-Jahres-Hoch auf. Nicht nur eine gute Entwicklung in einem eher schwachen Marktumfeld, sondern auch Expansionspläne in Richtung Osteuropa wirken hier als Kursmotor.
Gut und günstig könnte auch das Motto der schwedischen Konkurrenten von Hennes & Mauritz lauten. Besonders JC Aktiebolag (ISIN: SE0000615858), die als Franchisekette unter den Geschäftsnamen Jeans & Clothes (JC), Boys & Girls, Brothers und Sisters in Erscheinung tritt, sind bei KGVs von 16,4 und 12,8 noch nicht zu teuer bezahlt.
Die Gesellschaft nimmt für sich in Anspruch, der größte Jeansverkäufer in Schweden zu sein und hat im Grunde eine typische Turn-Around-Story zu bieten. 2003 verzeichnete das Unternehmen, nachdem der Umsatz zwei Jahre lang leicht geschrumpft war, noch einen Verlust von 104,27 Millionen schwedischen Kronen (11,16 Millionen Euro). Doch 2004 konnte JC schon wieder eine Umsatzsteigerung von 2,7 Prozent auf 1,76 Milliarden Kronen (rund 190 Millionen Euro) und einen Gewinn von 18,9 Millionen Kronen verzeichnen.
Deutschland macht Schweden Kummer
Schuld daran waren nicht zuletzt die Blessuren, die man sich bei dem Versuch holte, mit Brothers in Deutschland und Dänemark Fuß zu fassen. Mittlerweile sind auch die letzten Länden abgewickelt und das Unternehmen beschränkt sich nur noch auf Skandinavien, hauptsächlich Schweden. Daß 2004 dennoch eine Umsatzsteigerung gelang, zeigt die gute Position in den Heimatländern. Die Anleger honorierten den Schritt jedenfalls. Im Herbst 2004 konnte sich der Kurs aus seinem langjährigen Seitwärtstrend befreien.
Im August stellte das Papier einen vorläufiges Fünf-Jahres-Hoch bei 69 Kronen auf. Seitdem hat sie etwas konsolidiert, obgleich die Ergebnisse für das erste Halbjahr gut ausgefallen sind. Allein das Ergebnis pro Aktie hinkt den Prognosen momentan etwas hinterher. Sollten jedoch die August-Verkaufszahlen weiter einen Aufwärtstrend bestätigen, könnte JC die Prognosen noch erfüllen.
Ebenfalls aus Schweden kommt Lindex (ISIN: SE0000267056). Die Aktie ist mit einem KGV von 21 für das laufende Jahr nicht mehr so günstig. Allerdings soll sich der Gewinn 2006 stark verbessern und das KGV auf 15,3 fallen. Lindex verkauft Mode und Unterwäsche für Frauen und Kinder und ist gerade im letzteren Bereich laut eigenem Bekunden Marktführer im Norden. Seit 1998 ist Lindex auch in 22 deutschen Städten vertreten.
In den ersten neuen Monaten des Geschäftsjahres, das am 31. August zu Ende ging, fiel der Umsatz bei Lindex um 4,3 Prozent auf 3,86 Milliarden Kronen (413,35 Millionen Euro). Auch die Umsätze gingen auf vergleichbarer Basis ohne Währungseffekte um 2,7 Prozent zurück. Indes verbesserte Lindex die im Vorjahr bei 0,8 Prozent darbende operative Marge deutlich auf 7,2 Prozent, verdoppelte den Vorsteuergewinn und erzielte auch nach Steuern einen Gewinn von 13,7 Kronen je Aktie, nachdem das Vorjahr auf Null aufgegangen war.
Darin zeigt sich insgesamt ein Gelingen der Konsolidierung. So hat Lindex die Zahl der Läden gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent verringert und will sich künftig auf die Lindex-Läden konzentrieren, die Kette Twilfit soll verschwinden. Allerdings muß das Unternehmen noch rund 50 Prozent des Gewinnes je Aktie im Schlußquartal verdienen, um die Prognosen erfüllen zu können.
Die Lindex-Aktie läuft seit über zwei Jahren nach oben und hat sich in diesem Zeitraum von rund 100 auf ein Allzeithoch von 412,50 Kronen vor wenigen Tagen mehr als vervierfacht. Offenbar scheint den Anlegern die Story in Damenunterwäsche zu imponieren und wenig Zweifel zu bestehen, daß das Unternehmen in der kommenden Woche gute Jahresergebnisse präsentieren wird.
Adolfo konzentiert sich auf Spanien
Ein Anlegerliebling ist auch die Kette Adolfo Dominguez (ISIN: ES0106000013). Im Unterschied zu den Schweden und Schweizern, ist das spanische Unternehmen trotz 302 Läden in Europa, Lateinamerika, den Vereinigten Staaten und Asien kein reiner Händler, sondern setzt auf eigene Modellinien und Accessoires wie Parfüms. Bewertet ist das Papier mit KGVs von 13,45 und 13,15 immer noch moderat.
Wie aber die relativ eng beieinander liegenden KGVs zeigen, ist es mit dem Wachstum nicht mehr so weit her. Zweistelliges Umsatzwachstum hab es noch Anfang des Jahrzehnts, in den beiden vergangenen Jahren waren es nur noch rund drei Prozent, Tendenz fallend. Dies liegt aber nicht zuletzt daran, daß sich die Spanier in den vergangenen Jahren nach einem eher schwächeren Gewinnwachstum im Jahr 2002 stärker auf dieses konzentriert haben. So legte das Ergebnis je Aktie in den beiden vergangenen Jahren um jeweils 25 Prozent zu.
Im Zuge dessen hat sich Alfredo Dominguez wie die beiden schwedischen Ketten zunehmend auf den Heimatmarkt konzentriert. Wurde 2002 noch jeder vierte Euro außerhalb Spaniens erlöst, war es 2004 nur noch jeder fünfte bei absolut sinkenden Auslandsumsätzen. Den Anlegern gefällt diese Value-Strategie anscheinend. Seit über zweieinhalb Jahren befindet sich das Papier im stabilen Aufwärtstrend und hat seit Anfang 2003 um 264 Prozent auf ein Allzeithoch von 27,87 Euro am Mittwoch zugelegt.
Stefanel hat Schwung verloren
Nicht ganz so günstig stellt sich die italienische Modeketten Stefanel (ISIN: IT0003149595) mit einem KGV von 18,5 und 15,4 dar. Dafür überzeugen die Unternehmensergebnisse mehr. Im ersten Halbjahr stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 11,7 Prozent auf 126,7 Millionen Euro und das Vorsteuerergebnis um 171,9 Prozent auf 8,7 Millionen. Insgesamt ist Stefanel nach verlustreichen Jahren ein Turnaround gelungen, wenn auch die Nuance-Geschäfte in den Flughäfen, an denen Stefanel zu 50 Prozent beteiligt ist, trotz aller Verbesserungen weiter schwach abschneiden.
Die starken Ergebnisse und der Expansionskurs Richtung Osteuropa ließen die Stefanel-Aktie in diesem Jahr von 1,55 Euro um 183 Prozent nach oben auf 4,40 Euro schießen. Indes scheint das Potential wohl ein wenig ausgereizt zu sein, denn nach den guten Halbjahresergebnissen hat der Aufwärtstrend den Schwung verloren. In den vergangenen Tagen hat die Aktie dann deutlich fast acht Prozent konsolidiert und ist dabei auch sichtbar unter die 38-Tage-Linie gefallen.
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Text: @mho
Bildmaterial: Kunert, Lindex im Internet, stefanel