Marktstimmung

Die Börsenampeln stehen auf Grün

Von Daniel Mohr

15. Mai 2008 Das überraschend starke Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal hat der Deutsche Aktienindex Dax gelassen hingenommen. Auch das höher als erwartet ausgefallene Wirtschaftswachstum in Europa verlieh den Aktienmärkten keinen Schwung. Mit 7081 Punkten schloss der deutsche Leitindex am Donnerstag zwei Punkte tiefer als am Vortag. Er liegt damit aber gut 900 Punkte höher als zu seinem Jahrestief am 17. März. Seit zwei Wochen hält sich der Index nun stabil auf mehr als 7000 Punkten. Auch an den Börsenplätzen rund um den Globus überwiegen seit Wochen die Kursgewinne. Das Szenario einer taumelnden amerikanischen Volkswirtschaft, die nacheinander Europa und die Schwellenländer mit in den Abgrund zieht, wird mittlerweile nicht mehr für unausweichlich gehalten. Das beflügelt die Aktienkurse.

„Es ist wieder etwas mehr Realismus an die Märkte zurückgekehrt“, sagt Roland Ziegler, Aktienstratege der BHF-Bank. „Es wird nicht mehr alles schwarz gesehen, sondern auch ein Blick auf die Chancen am Aktienmarkt geworfen.“ Und da gebe es schließlich einige. So sorgten die Nachrichten aus den deutschen Unternehmen für gute Stimmung. „Die Unternehmen sind gut mit Kapital ausgestattet und haben volle Auftragsbücher“, sagt Ziegler. Die deutliche Senkung der Gewinnprognosen sei mittlerweile schon sehr viel moderater geworden. „Den Tiefpunkt haben wir bereits im ersten Quartal gesehen.“

Im Laufe des Jahres wohl schwächere europäische Wachstumsraten

Auch Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank, rechnet im Jahresverlauf mit weiter steigenden Kursen: „Nach der jüngsten Erholung könnten die Märkte noch einmal ein paar Wochen Luft holen. Das dürfte dann aber vorerst die letzte günstige Kaufgelegenheit gewesen sein.“ Die amerikanische Notenbank habe mit ihren Zinssenkungen die Börsenampeln auf Grün gestellt. Deshalb rechnet Hürkamp zunächst vor allem in Amerika mit steigenden Aktienkursen. „In Europa deutet die leicht inverse Zinsstrukturkurve für die nächsten Quartale eher eine wirtschaftliche Abschwächung an“, sagt Hürkamp: „Aber auch hier dürften in der zweiten Jahreshälfte die Kurse vom Jahresanfang wieder erreicht werden.“

Das überraschend starke Wirtschaftswachstum im ersten Quartal in Europa kann nach Einschätzung der meisten Marktbeobachter jedoch nicht fortgeschrieben werden. „Üblicherweise läuft die Konjunktur in Europa der amerikanischen einige Monate hinterher, so dass wir im Laufe des Jahres auch in Europa schwächere Wachstumsraten sehen werden“, sagt David Milleker, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment. In Südeuropa und in Irland sei dies schon zu erkennen. Für die Aktienmärkte ist er für die nächsten zwölf Monate dennoch optimistisch. „Der Unternehmenssektor geht in einer ganz anderen Verfassung als beispielsweise im Jahr 2001 in die Phase etwas schwächeren Wirtschaftswachstums.“ So sei nun der Verschuldungsgrad der Unternehmen deutlich niedriger, und außerdem seien keine Überkapazitäten geschaffen worden.

Jüngste Daten aus China und Indien waren schlecht

„Die Unternehmen werden daher nicht stark auf die Investitionsbremse treten müssen“, sagt Milleker. Als Treiber für die Aktienmärkte hat er die Entwicklung der Unternehmensgewinne ausgemacht. „Das Ausbleiben von Gewinneinbrüchen wird den Aktienmärkten wie nun schon während der Berichterstattung zum ersten Quartal sehr helfen“, sagt Milleker: „Es sind nämlich bereits sehr starke Gewinnrückgänge in den Kursen eingepreist.“

Weniger optimistisch ist dagegen Matthias Jörss, Aktienstratege des Bankhauses Sal. Oppenheim. „Die Stimmung an den Aktienmärkten ist derzeit eher besser als die wirtschaftliche Lage.“ Ein weiter relativ stabiles Wachstum der Weltwirtschaft werde von den Märkten derzeit kaum mehr in Frage gestellt. „Die jüngsten Daten aus Schwellenländern wie China und Indien waren aber schlecht“, sagt Jörss. „Das Thema werden die Märkte nicht auf Dauer ignorieren können.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
Dax 6.391,30 -0,77
TecDax 722,09 +0,07
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.291,50 +0,50
STOXX 50 3.329,07 -0,76
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
S&P 500 Zert. 12,50 -2,34
Euro/Dollar 1,57 +0,03
Bund Future 110,80 -0,13
Gold 922,93 -0,51
Öl 124,98 -1,22
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