Finanzkrise

Credit Suisse wird durch die Börse gejagt

20. März 2008 Der Aktienkurs der Credit Suisse sieht wirklich schlecht aus. Seit einem Jahr fällt der Kurs, wichtige Unterstützungen wurden genommen. Die Talfahrt verlief bisher in drei Wellen, wobei die dritte noch nicht beendet zu sein scheint und heute noch mal an Tempo gewonnen hat. Rund zehn Prozent verlor die Aktie heute zeitweise.

Anlaß dafür bot eine Gewinnwarnung. Die Schweizer rechnen wegen der Kreditkrise und den Börsenturbulenzen nicht mehr damit, dass sie das erste Quartal mit einem Gewinn abschließen werden. Zugleich wurde auch das Ergebnis des Vorjahres wie angekündigt nach unten korrigiert.

Starke Gewinnkorrektur für das Jahr 2007

Bis Ende Februar habe die Bank aber auch unter Berücksichtigung aller Abschreibungen profitabel gearbeitet, hieß es heute. Aufgrund der schwierigen Marktlage im März gehe man derzeit nicht mehr davon aus, das Quartal mit einem Gewinn abzuschließen. Im Februar hatte die Bank noch mit einem Überschuss im ersten Quartal gerechnet, aber bereits vor einem Gewinneinbruch gewarnt.

Credit-Suisse-Chef Brady Dougan wird das Ende der Kreditkrise wohl noch etwas... Seit einem Jahr geht es nur nach unten. Eine Talfahrt in drei Wellen. Mittelfristig sieht es schlecht aus. Doch noch ist der Kurs nicht im Keller. Langfristig notiert die Aktie zwar wieder niedrig, doch die Tiefstkurse sind ...

Insgesamt muss die Credit Suisse wegen der Finanzkrise 2,86 Milliarden Schweizer Franken oder 2,65 Milliarden amerikanischen Dollar abschreiben. Diese seien aber 200 Millionen Franken weniger als ursprünglich angenommen. Vor einem Monat hatte die Bank die notwendigen Abschreibungen noch auf 2,85 Milliarden Dollar geschätzt.

Zum Börsenkurs

Der Löwenanteil der Abschreibungen entfällt mit 1,68 Milliarden Franken auf das laufende Quartal. Ihr Engagement in forderungsbesicherten Anleihen (CDO) bezifferte die Bank per Februar auf 2,4 Milliarden Franken.

Weitere 1,18 Milliarden Franken an Belastungen wurden rückwirkend im Schlussquartal 2007 verbucht. Das bereits vorgelegte Ergebnis des Vorjahres musste dadurch nach unten korrigiert werden und fällt nun rund 10 Prozent niedriger aus als im Februar gemeldet. Der Überschuss lag demnach nur bei 7,76 Milliarden Franken und der Vorsteuergewinn bei 9,15 Milliarden Franken. Im Februar hatte die Bank den Reingewinn noch auf 8,55 Milliarden Franken beziffert bei einem Vorsteuerergebnis von 10,33 Milliarden Franken. An der bisher in Aussicht gestellten Dividende von 2,50 Franken will die Bank aber festhalten.

Absichtliche Manipulationen

Für die nun vorgenommenen Korrekturen macht die Bank unter anderem absichtliche Manipulationen durch einzelne Mitarbeiter verantwortlich. Die festgestellten Fehlbewertungen seien einer internen Untersuchung zufolge teilweise auf absichtliches Fehlverhalten einer kleinen Zahl von Händlern zurückzuführen sei, hieß es. Die bestehenden Kontrollen zur Verhinderung und Aufdeckung solcher Vorgänge hätten hier versagt. „Dieser Vorfall ist absolut inakzeptabel“, sagte Bankchef Brady Dougan. Die Kontrollen sollen nun verbessert werden. Die betreffenden Mitarbeitenden seien bereits entlassen oder beurlaubt worden.

Cheuvreux hat die Aktien der Credit Suisse nach einer Gewinnwarnung für das erste Quartal von „Outperform“ auf „Underperform“ abgestuft, das Kursziel aber mit 80 Schweizer Franken bestätigt. Wenngleich die Neubewertung des Engagements in strukturierten Krediten (CDO) geringer als erwartete Abschreibungen erbracht habe, rechne die Bank mit einem Verlust im ersten Quartal, schrieb Analyst Christian Stark in einer Studie vom Donnerstag.

Analysten stufen die Aktie herab

Dass die CS ihr Nettoergebnis für das Jahr 2007 massiv korrigieren musste, kam bei den Analysten nicht gut an. „Fast die Hälfte der Wertberichtigung wurde 2007 vorgenommen“, sagte Analyst Peter Thorne von Helvea. Verschiedene Analysten waren der Meinung, die Kommentare von Credit Suisse zur schwierigen Lage im März könnte sich auf alle Bankenaktien auswirken. Bei den positiven Nachrichten der amerikanischen Investmentbanken, die dem Markt diese Woche Auftrieb gegeben hatten, seien nur die Zahlen bis Ende Februar enthalten gewesen

Bei soviel Unsicherheit ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Bankaktie in Bedrängnis gerät oder wilde Spekulationen den Kurs des einen oder anderen weiter nach unten treiben. Vermutlich übertreibt die Börse gerade bei Finanzaktien derzeit grandios. Doch es könnte noch eine Weile so weiter gehen, bis sich das Gefühl breit macht, dass die Banken nun alles Negative mitgeteilt haben. Das ist - wie der Fall der Credit Suisse heute zeigt - offenbar noch immer nicht der Fall.

Mitte Februar schockte Credit Suisse die Börse schon einmal

Völlig überraschend hat die Schweizer Großbank Credit Suisse eine Wertberichtigung von 2,85 Milliarden Dollar oder umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro bekanntgegeben. Sie wird den Reingewinn des ersten Quartals um rund eine Milliarde Dollar drücken, teilte die Bank am Dienstag mit. Ein sichtlich verärgerter Vorstandsvorsitzender Brady Dougan sagte in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz, er habe von dem Korrekturbedarf erst nach der Bilanzpressekonferenz vor einer Woche erfahren. Ursache seien die negativen Marktentwicklungen im ersten Quartal sowie zum kleineren Teil zuvor unterlassene Bewertungen durch eine „kleine Gruppe“ von Händlern. Diese seien inzwischen vom Dienst vorläufig freigestellt worden. Die Zahl der in den Missgriff involvierten Mitarbeiter wollte Dougan nicht benennen.

An der sonst freundlichen Börse in Zürich erlebten die Anleger einen herben Rückschlag für die Credit-Suisse-Aktie. Bis zum Nachmittag fiel der Kurs um mehr als sieben Prozent. Damit liegt er um nahezu 23 Prozent unter dem Niveau von Ende 2007. Helvea-Analyst Peter Thorne nannte die Mitteilung „eine große Enttäuschung“. Die Wertberichtigung und die Minderung des Quartalsgewinns bestätigten bedauerlicherweise den Ruf großer Schweizer Banken, finanzielle Fehltritte ungeschickt zu kommunizieren. Die Negativmeldung kommt zu einem Zeitpunkt, in dem das Scheichtum Qatar mit dem Aufbau einer größeren Credit-Suisse-Beteiligung begonnen hat.

Nach den Worten Dougans sieht die Bank in den Fehlbewertungen bei den strukturierten Krediten keine bewusste Manipulation. Solche Manipulationen in Milliardenhöhe hatten in diesem Jahr die französische Société Générale in eine schwere Krise gestürzt. Allerdings sei die Untersuchung nicht abgeschlossen. Trotz des Rückschlags werde die Bank im ersten Quartal Gewinn machen, versprach er. Ob der Abschluss für 2007 korrigiert werden muss, ließ er offen. Dies werde wie vieles andere geprüft, kündigte Dougan an. Die Positionen betreffen nach seinen Angaben die Verbriefung privater Hypothekendarlehen in den Vereinigten Staaten und weitere komplizierte Kreditpakete, sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDO). Dougan betonte, die Bekanntgabe sei auf freiwilliger Basis erfolgt im Sinne der höheren Transparenz, auf die er die Bank verpflichtet habe.

In der vergangenen Woche hatte die Credit Suisse für das Bankgeschäft einen Rekordgewinn bekanntgegeben, der das Vorjahresniveau trotz der Finanzmarktkrise mit 8,5 Milliarden Franken um 3 Prozent übertraf. Die Abschreibungen summierten sich dabei auf 2 Milliarden Franken, davon 1,3 Milliarden Franken im vierten Quartal. Die Credit Suisse ist damit nach Einschätzung von Beobachtern sehr viel besser als der Konkurrent UBS durch die Finanzmarktkrise gekommen, der die höchsten Abschreibungen aller Banken in Europa hinnehmen musste. Sie weist aktuell einen Bestand an den besonders problematischen Subprime-Positionen von rund 30 Milliarden Franken aus. Die Credit Suisse nannte demgegenüber ein Volumen von 4,3 Milliarden Franken.

Trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten verdiente das Investmentbanking der Credit Suisse 2007 insgesamt 4,8 Milliarden Franken, allerdings nur noch 328 Millionen Franken im vierten Quartal. Zuletzt hatte sich Dougan gegenüber dieser Zeitung überzeugt davon gezeigt, dass die Bank nach den Abschreibungen mit ihren Bilanzpositionen in einer relativ sicheren Position sei (F.A.Z. vom 18. Februar). Am Dienstag sprach er nun jedoch von einer „sehr enttäuschenden Entwicklung“.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @stt
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

 

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