Autozulieferer

Aktie von Leoni zeigt wieder Dynamik nach oben

02. November 2006 Hatte die Aktie des Autozulieferers Leoni nach dem im Mai erreichten Allzeithoch im Rahmen der danach einsetzenden Börsenkonsolidierung etwas nachgegeben, so zeigt sie seit einigen Tagen wieder deutliche Impulse nach oben. Das Papier hat in gerade einmal zwei Wochen etwas mehr als 17 Prozent zugelegt, alleine am Donnerstag geht es um 1,92 Prozent nach oben auf 31,35 Euro.

Diese Entwicklung läßt sich begründen. Denn stehen viele Autozulieferungsunternehmen unter Druck, so scheint bei Leoni gerade das Gegenteil der Fall zu sein. Das zeigt sich unter anderem an der Entwicklung des dritten Quartals des laufenden Jahres und an den Auftragseingängen.

Deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerung im dritten Quartal

In den vergangenen drei Monaten konnte das Unternehmen den Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 38,24 Prozent auf 536,72 Millionen Euro steigern, der Vorsteuergewinn legte um 41,09 Prozent auf knapp 35 Millionen Euro zu und der Nettogewinn um 41,98 Prozent auf 21,99 Millionen Euro oder um 42,3 Prozent auf 74 Cent je Aktie. Sowohl Umsatz als auch Ertrag lagen über den Erwartungen des Marktes.

Das Unternehmen geht davon aus, im Gesamtjahr einen Überschuß von 72 bis 75 Millionen Euro erzielen zu können. In den ersten neun Monaten verdiente das an der Börse im Nebenwerteindex MDax gelistete Unternehmen unter dem Strich schon knapp 61 Millionen Euro. Der Umsatz soll im Gesamtjahr rund zwei Milliarden erreichen und das operative Ergebnis (Ebit) auf 125 bis 130 Millionen Euro zulegen. Bis September waren es beim Umsatz 1,52 Milliarden Euro und beim Ebit knapp 104 Millionen Euro. Erst im Sommer hatte Leoni-Chef Klaus Probst seine früheren Geschäftsprognosen angehoben.

Die Sparte Bordnetze-Systeme habe im Jahresverlauf weitere Großaufträge gewinnen können, unter anderem von Kunden wie Audi, BMW, DaimlerChrysler, General Motors sowie aus der Nutzfahrzeugindustrie, teilte Leoni mit. „In der Spitze werden diese insgesamt ein Umsatzvolumen von mehr als 400 Millionen Euro erreichen.“ Die Hälfte seien neue Projekte, die übrigen Aufträge Folgeprojekte. Damit sei die Auslastung der Leoni-Kapazitäten in Europa, Asien und Nordamerika mittelfristig gesichert, hatte das Unternehmen schon vor wenigen Tagen mitgeteilt. Mit ersten nennenswerten Umsätzen sei ab dem 2009 zu rechnen, hieß es weiter.

Damit sehen die weiteren Perspektiven nicht schlecht aus. Leoni ist ein weltweit aktiver System- und Entwicklungslieferant für Draht, Kabel und Bordnetz-Systeme. Hauptkunde ist die Automobilindustrie, für die Leoni technisch anspruchsvolle Produkte entwickelt und produziert, angefangen von der einadrigen Fahrzeugleitung bis zum kompletten Bordnetz-System mit integrierter Elektronik. Neben Produkten für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie produziert das Unternehmen auch Kupferdrähte und -litzen, Kupferseile, Datenleitungen, isolierte Starkstromleitungen, Steuerleitungen, Netzanschlußleitungen und Spezialkabel nach Kundenspezifikation. Abnehmer dafür sind Unternehmen aus der Investitionsgüter-, der Kommunikations- und der Elektrogeräteindustrie.

Entscheidend ist die Innovationsfreudigkeit eines Unternehmens

Der Trend geht heute im Automobilbau und auch in anderen Industriebereichen zu immer komplexeren Kabel-Systemen bis hin zu komplett verkabelten, einbaufertigen Modulen. Der Hersteller braucht somit ein umfassendes Verständnis der Einsatzbedingungen und der technischen Zusammenhänge auf der Kundenseite, um optimale Produktlösungen zu schaffen.

Durch jahrzehntelange Erfahrung verfügt Leoni nach eigenen über genau dieses Wissen. Dazu komme eine in der Branche einmalige Wertschöpfungskette vom Einzeldraht über das Kabel bis zum Bordnetz, wodurch sich wertvolle Synergieeffekte realisieren ließen. Eine intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit in einem bereichsübergreifenden Forschungs- und Entwicklungszentrum sowie in fachbezogenen Kompetenzzentren sorgten für eine starke Innovationskraft.

Die bisherige operative Entwicklung und die eingehenden Aufträge scheinen diese Einschätzung zu bestätigen. Auf dieser Basis dürfte sich das Unternehmen positiv weiterentwickeln können und auf diese Weise in einem anhaltend positiven Umfeld auch die Aktie weiter nach oben bringen. Sie ist Kurs-Gewinnverhältnissen von zwölf und 10,6 auf Basis der Gewinnschätzungen noch sehr vernünftig bewertet. Absicherungsstrategien können jedoch nie schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET, Leoni

 
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