Brauereien

An der Börse läßt Carlsberg Heineken hinter sich

22. Februar 2005 Es ist eine kurze Erinnerung wert: 2003 war nicht nur das Jahr der Wende an den Aktienbörsen nach der Talfahrt im Anschluß an den Höhenflug von 1998 bis 2000 - es war auch eine besonders gute Zeit für Brauereiaktien. Ünernahmephantasien beflügelten viele Werte, besonders die mittlerweile vom Kurszettel verschwundene Radeberger sowie Brau und Brunnen und Holsten. Aber auch die Titel von Carlsberg verbuchte in jenem Jahr schöne Gewinne. Doch in den vergangenen zwölf Monaten hat sich das Bild geändert.

Das Plus von zehn Prozent mutet nicht berauschend an, obschon es im Vergleich zum Kursgewinn von 4,6 Prozent bei Heineken noch gut aussieht. Zumal die Aktie des dänischen Branchenriesen auch in den jüngsten drei Monaten die holländische Konkurrenz angehängt hat. Und gemessen am Geschäftsverlauf bei Carlsberg und Heineken können die Aktionäre über die Performance ihrer Papiere wohl froh sein. Denn beide Konzerne leiden unter sinkenden Gewinnen.

Ihr Blick in die Zukunft ähnelt sich, wenn es um die Strategie geht. Doch unter dem Strich sieht Carlsberg besser aus, denn die Dänen rechnen anders als die Holländer mit wieder steigenden Gewinnen. Dies verschafft der Aktie einen relativen Vorteil, wobei sie auch etwas günstiger bewertet ist als jene von Heineken. Das Kursbild mutet indes in beiden Fällen nicht prickelnd an, hängen die Titel doch jeweils in der seit einem Jahr geltenden Handelsspanne.

Carlsberg-Gewinn unter dem Strich halbiert

Der dänische Brauereikonzern Carlsberg hat im vergangenen Jahr trotz eines höheren Umsatzes einen operativen Gewinnrückgang von drei Prozent verbucht, lag damit aber im Rahmen der Analystenerwartungen. Das Unternehmen, zu dem auch die deutsche Holsten-Brauerei gehört, erwirtschaftete in dem Geschäftsjahr einen operativen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) von 3,4 Milliarden Kronen (457 Millionen Euro), wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Diese Zahl war von dem Unternehmen bereits im November in Aussicht gestellt worden.

Der Umsatz ist auf 36 Milliarden Kronen gestiegen, lag damit aber knapp unter den Marktprognosen von 36,5 Milliarden Kronen. Die Steigerung war aber durch die Übernahme der deutschen Holsten-Brauerei bedingt.
Der Reingewinn ist indes um 50,1 Prozent auf 477 Millionen dänische Kronen (64 Millionen Euro) eingebrochen

Der weltweit drittgrößte Bierbrauer Heineken NV hat einen Gewinn von 537 Millionen Euro erzielt, das sind 33 Prozent weniger als im Vorjahr. Mit dem Ergebnis verfehlte das Unternehmen die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt 679,5 Millionen Euro prognostiziert hatten. Der Umsatz von Heineken ist nur dank der Übernahme der österreichischen BBAG um 8,1 Prozent auf zehn Milliarden Euro gestiegen.

Preise anheben, Stellen abbauen

Die beiden Brauerei-Riesen wollen ähnlich auf den rückläufigen Bierkonsum. Das Unternehmen aus Kopenhagen wird angesichts dessen die Preise anheben und Stellen in Schweden abbauen, um die schwache Nachfrage nach Bier in Westeuropa auszugleichen, wie Carlsberg mitteilte. Und bei Heineken sollen die Kosten in Westeuropa bis 2007 um 50 Millionen Euro gesenkt werden, so das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam.

Der dänische Brauerei-Riese will im laufenden Jahr den Umsatz auf 38 Milliarden Kronen steigern. Carlsberg erwartet zudem einen Anstieg des Gewinns vor Abschreibungen um 15 Prozent. 2004 lag er bei 1,4 Milliarden Kronen.

Dagegen rechnet Heineken abermals mit einem schwächeren Ergebnis. Schuld daran seien der schwache Dollar, der nachlassende Bierdurst in Westeuropa und eine Abschreibung für eine angeschlagene Konzerntochter in Brasilien. Der Gewinn vor Sonderposten werde unter den 791 Millionen Euro liegen, die 2004 erzielt wurden, gab das Unternehmen als Prognose bekannt.

Unterschiedlicher Ausblick - gleiche Kursreaktion

Trotz der unterschiedlichen Prognosen leiden die Aktien beider Konzerne. Sie verlieren auf dem deutschen Markt jeweils rund 1,4 Prozent, Carlsberg auf 38,52 Euro, Heineken auf 25,98 Euro. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,75 ist das holländische Papier teurer als das dänische, das mit 14,4 bewertet ist. In Verbindung mit dem Ausblick ist Carlsberg das attraktivere Papier.

Aus charttechnischer Sicht wirken aber beide Aktien nicht sonderlich anziehend. Sie stecken jeweils im langfristigen Abwärtstrend und sind deutlich von ihren Hochs des Jahres 2004 entfernt. Um technische Kaufsignale zu senden, müßte Heineken auf mehr als 28,30 Euro steigen und Carlsberg die Marke von 44,30 Euro nehmen. Zuvor lauern aber einige Hürden.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Carlsberg-Aktie
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Carlsberg-Aktie

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi

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