Energiewerte

Klimawandel treibt Kurse der Solar-Aktien

05. Februar 2007 Manchmal wiederholt sich die Geschichte. Wie zu Beginn des vergangenen Jahres sind auch heute Solar- und Windenergie das Thema der Stunde auf den Aktienmärkten. Aktien wie Solon und Solarworld und andere Titel, die mit regenerativen Energieträgern zu tun haben, verzeichnen seit Jahresbeginn Kursgewinne von bis zu 50 Prozent. Bei der Solar-Hausse beginnt der zweite Akt. Denn der schwere Wintersturm „Kyrill“ und der Klimabericht der Vereinten Nationen haben bei den Anlegern das Interesse wieder geweckt.

Die Kursgewinne erinnern nicht nur an das vergangene Jahr, sondern auch an die Übertreibungen des Neuen Marktes. Das einst in Hochstimmung betriebene Wachstumssegment der Deutschen Börse, das nach dem Kursverfall der Jahre 2000 bis 2003 wieder eingestellt wurde, hatte lange auch mit enormen Kursgewinnen gelockt, ehe es mit dem Ende der Internet-Euphorie unaufhaltsam nach unten ging. Der Nachfolgerindex Tex-Dax wird inzwischen von den Energiewerten dominiert, die gemeinsam auf ein Indexgewicht von mehr als 25 Prozent kommen.

Solarworld erwartet Ergebnisverdoppelung

Die Erinnerung an Aufstieg und Fall des Neuen Marktes ist wach, zugleich verweisen Händler, Fondsmanager und Analysten aber auf die Unterschiede. „Die Solaraktien sind zwar, gemessen an ihren derzeitigen Gewinnen, hoch bewertet“, sagt Karsten von Blumenthal, Analyst bei SES Research. „Das ist aber bei einigen Titeln gut zu rechtfertigen, weil die Unternehmen rasch wachsen.“ Solarworld zum Beispiel geht für 2006 von einer Verdoppelung des Ergebnisses aus und dürfte auch in 2007 kräftig wachsen. Aktie des Tages ist Q-Cells. Das Unternehmen hat am Montag glänzende Quartalszahlen vorgelegt. Der Kurs sprang daraufhin um 20 Prozent in die Höhe.

Noch wichtiger als die Geschäftszahlen war offenbar, dass der Vorstand einen langfristigen Liefervertrag für den wichtigen Grundstoff Silizium präsentierte. Das knappe Silizium gilt als mögliche Bremse für das rasante Wachstum in der Solarbranche. „Doch diese Bremse kann bald gelockert werden“, sagt Henning Gebhardt, der bei der Fondsgesellschaft DWS für deutsche Aktien zuständig ist. „Von 2008, spätestens von 2009 an wird es deutlich mehr Silizium auf dem Markt geben.“ Gebhardt ist optimistisch, weil das Geschäft in der Silizium-Branche zyklisch verläuft. Die Schaffung von zusätzlicher Kapazität sei sehr teuer. Deshalb hätten die Produzenten lange gezögert, investierten nun aber schon seit geraumer Zeit, so dass für die kommenden Jahre eine bessere Versorgung absehbar sei.

Wachstum ist erforderlich für die hohe Bewertung

Damit würde ein Wachstumshindernis wegfallen. Und Wachstum ist erforderlich, um die ambitionierte Bewertung alternativer Energiewerte zu rechtfertigen. Die Titel von Conergy, Ersol und Q-Cells kosten zum Beispiel das Vierzigfache des Jahresgewinns 2006 je Aktie. Erst wenn die für die beiden folgenden Jahre erhofften Gewinne tatsächlich erwirtschaftet würden, könnte sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf zunächst 30 und später auf 15 normalisieren. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex Dax, in dem die wichtigsten deutschen Dividendenwerte vertreten sind, ist etwa mit dem Fünfzehnfachen des derzeitigen Jahresertrags bewertet.

Noch deutlicher als bei Solarwerten ist die Hoffnung auf eine glänzende Kursentwicklung bei Nordex abzulesen. Der Hersteller von Windenergieanlagen ist mit dem 126fachen des letzten Jahresgewinns bewertet. Für die kommenden beiden Jahre rechnet Alexander Karnick von der Deutschen Bank damit, dass sich der Gewinn versiebenfacht. Das resultiert aus dem Wachstum des Umsatzes, und zugleich soll sich die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern auf 6 Prozent erhöhen.

Solarworld beinahe im Club der Großen angelangt

Etwas gemächlicher darf es beim Branchenprimus Solarworld zugehen. Die Aktie ist mit dem Zwanzigfachen des Gewinns im Jahr 2006 bewertet. Das lässt sich schon mit so manchem Dax-Wert vergleichen. Auch sonst ist Solarworld beinahe im Club der Großen angelangt. Die Marktkapitalisierung beträgt schon stolze 3,7 Milliarden Euro. Allein in den vergangenen vier Wochen hat sich der Marktwert um gut eine Milliarde Euro gesteigert.

Allerdings sollte man auf solche Zahlen nicht zu viel geben. Denn so schnell, wie die Kurse jetzt steigen, so schnell kann es mit Solarwerten kurzfristig bergab gehen. Zu Beginn des vergangenen Jahres waren viele Solarwerte schon einmal auf das heutige Kursniveau gestiegen. Damals hatte sich die schon mehrere Jahre andauernde Rally beschleunigt. Es folgte ein Kurseinbruch, bei dem sich zum Beispiel der Solon-Wert halbiert hat. Mit Erklärungen tun sich die Analysten oft schwer.

Der Ölpreis sei anders als erwartet nicht weiter gestiegen. Zudem hätten einige Unternehmen nicht alle hochgesteckten Erwartungen erfüllt. Langfristig aber, so ist sich DWS-Experte Gebhardt sicher, seien die Aussichten für die Unternehmen der Branche glänzend. Die Energiepolitik wandele sich auch in den Vereinigten Staaten. Der Ölpreis steigt wieder. Und zudem nähern sich die Herstellungskosten für Strom, der mit regenerativer Energie erzeugt wird, dem Marktpreis an.

Text: ruh. / F.A.Z., 06.02.2007, Nr. 31 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z.

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