Internet

Aktie von Amazon überbewertet im Abwärtstrend

25. Oktober 2006 Mit nachbörslichen Kursgewinnen von bis zu 14 Prozent auf mehr als 38 Dollar reagierte am Dienstag die Aktie des bekannten Internet-Einzelhändlers Amazon auf die Umsatz- und Ertragszahlen des dritten Quartals.

Das Unternehmen konnte den Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode zwar um 24 Prozent auf 2,31 Milliarden Dollar steigern. Aber was nützen Umsätze, wenn sie nicht zu entsprechenden Gewinnen führen? Und der Gewinn ist im Vergleich zur Vorjahresperiode nicht nur um 37 Prozent gefallen, sondern er fällt mit 19 Millionen oder fünf Cents je Aktie auch noch jämmerlich aus. Und das, obwohl das Unternehmen die Wachstumsrate für die Technologieausgaben gesenkt hat.

Kursgewinne trotz massiver Überbewertung

Die Kursgewinne dürften sich nur dadurch erklären lassen, daß der Markt eine noch schwächere Entwicklung auf der Gewinnseite erwartet hatte. Möglicherweise hat das einige Marktteilnehmer bewogen, ihre Shortpositionen einzudecken. Diese dürften angesichts der schwachen Gewinnentwicklung in den vergangenen Quartalen und angesichts von Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 80 und 48 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr kaum verwundern.

Amazon konzentriert sich nach eigenen Angaben zwar auf Umsatzsteigerungen auf Kosten des Profits. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob das Unternehmen längerfristig überhaupt wird wachsen können, falls es versucht, die Gewinne zu steigern. Angesichts der geringen Margen und des harten Wettbewerbs dürfte es diesbezüglich gewisse Zweifel geben. Denn die Konkurrenten schlafen nicht und sind vor allem auf der Logistikseite voll konkurrenzfähig. Und ohne Logistik ist ein Einzelhandelsgeschäft nicht zu betreiben. In diesem Sinne läßt sich das Geschäftsmodell des Unternehmens hinterfragen.

Interessant kann höchstens der Vertrieb virtuell-digitaler Produkte - Software, Audios, Videos et cetera - werden. Aber auch in diesem Bereich hat das Unternehmen kein Alleinstellungsmerkmal, sondern steht im Wettbewerb mit anderen, angefangen von Apple, über Ebay bis hin zu den „traditionellen“ Anbietern, die ihren Internetvertrieb ebenfalls immer mehr ausbauen.

Aktie im Abwärtstrend - Zockerpapier für kursfristig orientierte Anleger

Für das vierte Quartal rechnet der amerikanische Online-Händler mit einem Umsatzwachstum von 22 Prozent bis 33 Prozent auf 3,63 Milliarden bis 3,95 Milliarden Dollar nach 2,98 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn werde nach 165 Millionen Dollar im vierten Quartal des Jahres 2005 zwischen 145 Millionen und 235 Millionen Dollar liegen. Besonders präzise ist diese Prognose nicht.

Charttechnisch konnte sich das Papier im Rahmen der allgemeinen Börseneuphorie in den vergangenen Wochen von seinen Augusttiefs erholen und innerhalb weniger Woch knapp 50 Prozent zulegen. Weitere Kursgewinne scheinen bei weiteren Käufen optimistischer Zocker möglich zu sein. Allerdings kann man solche überbewerteten Papiere nur als kurzfristig und technisch orientierter Anleger kaufen - und nur in Verbindung mit Absicherungsstrategien. Denn Untersuchungen zeigen, daß mit so genannten Wachstumsaktien nur wenig zu verdienen ist, wenn man sie länger hält. Und längerfristig befindet sich die Aktie von Amazon in einem im Oktober des Jahres 2003 etablierten Abwärtstrend.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

 
Tops & Flops+/-Prozent
HYPO REAL ESTATE HOL +1,81 +43,83
COMMERZBANK AG INHAB +1,58 +16,28
THYSSENKRUPP AG INHA +2,36 +15,23
VOLKSWAGEN AG STAMMA -3,80 -1,11
MERCK KGAA INHABER - +1,70 +2,76
DEUTSCHE POST AG NAM +0,33 +2,83
NamePunkteProzent
Dax 4.883,42 +7,46
TecDax 575,75 +11,42
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.582,31 +6,62
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 9,30 +5,32
Euro/Dollar 1,37 +0,44
Bund Future 114,59 -0,07
Gold 851,65 +0,50
Öl 76,65 -7,49
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