08. Mai 2008 Recht durchwachsen präsentieren sich die Quartalsausweise, die deutsche Unternehmen am Donnerstag vorlegen, um es milde zu formulieren. Denn wenn auch die zahlen der Postbank und des Immobilienunternehmens IVG mit Aufschlägen quittiert werden, so kann man sie nicht gerade mit Fug und Recht als glänzend bezeichnen.
Vielmehr ist das Plus der IVG-Aktie mehr der Tatsache zu verdanken, dass alles nicht so schlimm kam wie befürchtet. Und bei der Postbank gibt es sogar kritische Stimmen, nachdem sich die Belastungen aus der amerikanischen Immobilienkrise immer noch im Rahmen halten: Das ist teilweise Augenwischerei. Die schreiben - anders als die anderen - ihr Subprime-Engagement nicht einfach ab, sondern warten erst einmal., sagte ein ungenannter Börsianer der Nachrichtenagentur Reuters.
Börsenschwäche und andere Katastrophen
Zu den Ausweisen, die indes von vornherein als negativ betrachtet werden, gehört der der Münchener Rück. Auf diesen reagierten Anleger mit Verkäufen, was den Aktienkurs gegen Mittag um 2,5 Prozent ins Minus drückt.
Gerade nach Hannover Rück hatten wohl einige erwartet, dass die Geschäftsentwicklung eins zu eins übertragbar ist, sagte ein Börsianer. Der norddeutsche Rückversicherer hatte in dieser Woche die Analystenerwartungen übertroffen. Dennoch war der Kurs der Aktie deutlich gefallen.
Ursächlich für den Gewinnrückgang um knapp 20 Prozent auf 785 Millionen Euro sei vor allem die Schwäche der weltweiten Börsen und Belastungen aus Naturkatastrophen zu Jahresbeginn gewesen. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Branchenexperten hatten im Schnitt mit 806,3 Millionen Euro gerechnet.
Der Abwärtstrend an den Börsen machte sich in einem auf 1,7 Milliarden Euro fast halbierten Kapitalanlageergebnis bemerkbar. Im Vorjahr hatten zudem Immobilienverkäufe den Gewinn nach oben getrieben. Analysten hatten indes nur mit einen Rückgang auf 2,19 Milliarden Euro gerechnet.
Schwache Schaden-Kosten-Quote
Zudem belasteten Überschwemmungen in zwei Kohlebergwerken in Australien das erste Quartal mit jeweils fast 100 Millionen Euro vor Steuern. Der Wintersturm Emma kostete die Münchner rund 75 Millionen Euro. Insgesamt stiegen die Belastungen aus Großschäden um sieben Prozent auf 578 Millionen Euro, obwohl der Orkan Kyrill bereits im Vorjahr tiefe Spuren hinterlassen hatte. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote stieg infolge der Schäden auf 103,8 Prozent und lag damit deutlich über der Analystenprognose von 98,2 Prozent.
Das Kapitalanlageergebnis und die kombinierte Schaden-Kostenquote hätten negativ überrascht, schrieb UniCredit-Analyst Lucio Di Geronimo in einer ersten Reaktion. Dem gegenüber stehe allerdings eine starke Entwicklung im Leben- und Kranken-Rückversicherungsbereich. Auch habe die Erstversicherungssparte eine starke kombinierte Schaden-Kostenquote erzielt. Diese verbesserte sich von 102,1 auf 89 Prozent.
Schwache Prämienentwicklung
Nichtsdestoweniger zeigt auch die Prämienentwicklung nach unten. Die gebuchten Bruttoprämien gingen von 10,02 auf 9,84 Milliarden Euro zurück, die Prognose hatte durchschnittlich bei 10,06 Milliarden gelegen. Die verdienten Nettoprämien sanken von 8,79 auf 8,55 Milliarden Euro und entwickelten sich daher etwas besser als prognostiziert.
Auch für das Gesamtjahr rechnet die Münchener Rück in der Rückversicherung nur noch 20 bis 21 Milliarden Euro, 1,5 Milliarden Euro weniger als bislang. In der Erstversicherung bleibt die Zielvorgabe bei 17,5 bis 18 Milliarden Euro, auf Konzernebene sinkt sie bei 36,0 bis 37,5 Milliarden Euro.
Bezüglich der Schaden-Kosten-Quote hält die Münchener Rück an ihren bisherigen Zielen für 2008 fest. In der Rückversicherung soll sie bei 98 Prozent liegen, in der Erstversicherung unter 95 Prozent.
Eingeschränkter Optimismus
Für die Kapitalanlagen rechnet der Vorstand mit einer Verzinsung von nachhaltig 4,5 Prozent. Ob und inwieweit dieser Wert in 2008 erreicht oder gar übertroffen werden kann, hängt von der weiteren Entwicklung der Kapitalmärkte im Jahresverlauf ab, schränkt das Management jedoch ein. Im ersten Quartal hatte die Verzinsung bei 3,9 Prozent gelegen. Der Überschuss werde auf 3,0 bis 3,4 von 3,9 Milliarden Euro im Vorjahr fallen und die Rendite auf das Risikokapital bei mindestens 15 Prozent liegen.
Die Ergebnisse sind unter dem Strich tatsächlich nicht überzeugend. Was aber gegenüber anderen Aktien der Münchener Rück zum Verhängnis gereicht, ist sowohl die negative Kursreaktion auf die von der Hannover Rück vorgelegten Ergebnisse sowie die schwachen Zahlen der Swiss Re, die deren Kurs am Dienstag um 4,5 Prozent abstürzen ließen.
Bewertungsaufschläge stehen zur Disposition
Zudem ist die Aktie gegenüber anderen Rückversicherungen wie der Schweizer und der Hannoverschen mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 7,8 für das laufende und 7,2 für das kommende Jahr höher bewertet als diese mit 6,8 und 6,1 bzw. 7,3 und 7.
Auch die Dividendenrendite liegt mit einer Prognose von 4,45 Prozent gegenüber 4,78 bzw. 5,07 Prozent niedriger. Und diese Bewertungsaufschläge scheinen die am Donnerstag vorgelegten Ergebnisse einfach nicht zu rechtfertigen.
Charttechnisch nimmt sich die Entwicklung ungünstig aus, da die Notierung nun auf ein neues Sechs-Wochen-Tief gefallen ist. Dies stellt die Erholung von Ende März in Frage, allzumal auch die kurzfristige Unterstützung bei 121,590 Euro zur Disposition gestellt ist. Sollte auch das Novembertief von 118,11 Euro fallen, so ist mit weiteren Kursrückgängen bis in den Bereich von 110 Euro zu rechnen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +3,54 | +3,63 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,11 | +1,69 |
| CONTINENTAL AG INHAB | +1,02 | +1,32 |
| DEUTSCHE TELEKOM AG | -0,32 | -2,69 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -0,89 | -1,96 |
| RWE AG STAMMAKTIEN O | -0,75 | -0,97 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.019,11 | -0,24 |
| TecDax | 841,38 | +0,51 |
| DowJones | 12.876,31 | +1,02 |
| Nasdaq | 2.488,49 | +1,76 |
| STOXX 50 | 3.796,19 | -0,43 |
| Nikkei 225 | 13.953,73 | +1,53 |
| S&P 500 Zert. | 13,97 | +0,65 |
| Euro/Dollar | 1,55 | -0,41 |
| Bund Future | 114,86 | -0,04 |
| Gold | 880,40 | -0,55 |
| Öl | 123,93 | +1,20 |
