03. November 2006 Hatten operative Ineffizienzen und massiv an Wert verlierende Unternehmensbeteiligungen die Aktie des Versicherungskonzerns Allianz vom April des Jahres 2000 bis in den April des Jahres 2003 auf Wochenbasis rund 90 Prozent ihres Wertes verlieren lassen, so hat sie sich inzwischen davon wieder etwas erholt.
Ausgehend von einem Tief bei 40,27 Euro konnte die Aktie einen mittelfristigen Aufwärtstrend etablieren und inzwischen wieder etwas mehr als 260 Prozent auf zuletzt 145 Euro zulegen. Das mag beeindrucken, allerdings hat das Papier damit erst 36 Prozent des im Jahr 2000 während der Börsenhausse erreichten Maximalwertes erreicht. Immerhin zeigt der gegenwärtige Trend weiter nach oben.
Deutliche Gewinnsteigerung im dritten Quartal - Anpassung der Prognose nach oben
Er dürfte sich auch fundamental begründen lassen. Denn wie der Münchener Versicherungsriese am Donnerstagabend mitteilte (siehe auch: Gewinnsprung bei der Allianz) , stieg der Überschuß im Zeitraum Juli bis September auf 1,59 Milliarden Euro nach 794 Millionen im Vorjahr. Analysten hatten mit 1,24 Milliarden gerechnet. Den überraschend deutlichen Anstieg erklärte das Unternehmen mit operativen Verbesserungen in den meisten Sparten und Sondererlösen aus Beteiligungsverkäufen wie dem der britischen Pflegeheimkette Four Seasons Healthcare. Diese Transaktion verbesserte das Ergebnis allein um knapp 300 Millionen Euro.
Das Unternehmen hob gleichzeitig die Prognosen für das Gesamtjahr leicht an. Es rechnet nun mit einem Überschuß von mehr als sechs Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von mindestens 9,5 Milliarden. Erst im Sommer hatten die Münchener ihr Gewinnziel für das Jahr 2006 auf 5,5 bis sechs Milliarden Euro hoch geschraubt, nachdem zuvor 4,9 Milliarden in Aussicht gestellt worden waren. Operativ waren bislang neun Milliarden Euro eingeplant gewesen. In den ersten neun Monaten hat die Allianz ihren Gewinn aus dem gesamten Vorjahr bereits klar übertroffen und steuert damit auf ein neues Rekordergebnis zu.
Ungeachtet des Gewinnsprungs bekräftigte das Management seine Sparpläne.Es wäre falsch, sich jetzt zurückzulehnen und sich auf diesem Ergebnis auszuruhen, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet. Es seien im Versicherungsgeschäft noch Anstrengungen nötig, um die erreichte Marktposition zu stärken. Der Vorstand beklagt, daß der Konzern in den vergangenen Jahren viele Kunden und Marktanteile verloren hat. Daher soll die Profitabilität gesteigert werden, um auf Dauer mit den ausländischen Rivalen wie der französischen AXA oder dem amerikanische Konzern AIG mithalten zu können.
Aus diesem Grund sollen die Sparten Lebens-, Sach- und Krankenversicherung zusammengelegt werden. Bei der Allianz selbst sollen in diesem Zusammenhang 5.000 Stellen, bei der Tochter Dresdner Bank 2.500 wegfallen. Kündigungen soll es zunächst allerdings nicht geben. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat in den vergangenen Monaten an mehreren Standorten, die von der Schließung bedroht sind, mit Streiks gegen die Sparpläne demonstriert. Fragt sich nur, was das soll. Denn ein Unternehmen ist keine Arbeitsplatzversorgungsanstalt, sondern soll mit guten Produkten und Dienstleistungen gute Renditen erzielen.
Aktie noch vernünftig bewertet
Gerade Versicherungsunternehmen tun dies bisher stark zu Lasten ihrer Kunden über kosten-intransparente Verträge. Es dürfte nur einer Frage der Zeit sein, bis die Konkurrenz für mehr Druck in diesem Bereich sorgt und auf diese Weise die Margen unter Druck setzt. Spätestens dann wird sich zeigen, ob ein Unternehmen effizient arbeitet oder nicht.
In der Schaden- und Unfallversicherung, der wichtigsten Sparte der Allianz, stieg der operative Ergebnis im dritten Quartal um 74 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Schaden/Kostenquote lag bei 90,2 Prozent. Ab einer Quote unter 100 Prozent sind Schadenszahlungen und Verwaltungskosten aus den Prämieneinnahmen gedeckt. Einer der wichtigsten Gründe für das gute Abschneiden ist, daß die Hurrikane in den Vereinigte Staaten und der Karibik in diesem Jahr vergleichsweise harmlos waren und nur geringe Schäden anrichteten. Vor Jahresfrist hatte der Wirbelsturm Katrina noch gigantische Schäden verursacht und die Bilanzen zahlreicher Versicherer durcheinander gewirbelt. Im Bereich Lebens- und Krankenversicherung erhöhte sich das operative Ergebnis derweil um elf Prozent auf 617 Millionen Euro, bei der Dresdner Bank sogar um 38,2 Prozent auf 311 Millionen Euro. In der Vermögensverwaltung blieb das operative Ergebnis mit 294 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.
Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 10,4 und 10,3 ist die Allianz-Aktie noch sehr vernünftig bewertet und dürfte auf dieser Basis und mit Blick auf die verbesserte Effizienz in einem anhaltend freundlichen Umfeld weiteres Kurspotential bieten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: ddp, FAZ.NET
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