03. Juli 2007 Die Aktien der deutschen Solarenergieunternehmen sind am Dienstag den zweiten Tag in Folge deutlich gestiegen. Die meisten Werte erreichten damit neue Rekordstände. Solarworld führte die Gewinnerliste mit einem Kursplus von 10 Prozent in zwei Tagen an. Das Unternehmen hatte gemeldet, seine Produktionskapazität in Sachsen verdoppeln zu wollen. Dazu investiert Solarworld 600 Millionen Euro in sein Werk in Freiberg und will von 2008 an rund 1000 neue Mitarbeiter dort einstellen.
Auch die Hamburger Conergy konnte mit Neuigkeiten überzeugen. Das Unternehmen will in einem Projekt mit den Vereinigten Arabischen Emiraten rund 10 000 Haushalte des Golfstaats mit Solarenergie versorgen. "Die jüngsten Nachrichten haben für Erleichterung bei den Anlegern gesorgt", sagt Matthias Born, Fondsmanager für kleine und mittlere Aktien bei Allianz Global Investors. "Für die Zeit nach 2007 hatte es nämlich Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Wachstumsmöglichkeiten gegeben."
Robuste Nachfrage nach Solaranlagen?
Bei der Korrektur am Aktienmarkt im Mai 2006, als der Deutsche Aktienindex Dax innerhalb von vier Wochen rund 15 Prozent verloren hat, sind die Solaraktien besonders stark zurückgefallen. Es gab Zweifel, ob das Wachstum der Branche ausreiche, um die vergrößerten Kapazitäten auszulasten. Außerdem sorgten die steigenden Gewinne für Befürchtungen, künftig mit geringeren Einspeisevergütungen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Vorlieb nehmen zu müssen. Erst jetzt haben sich die meisten Aktien von dem Rückschlag erholt und neue Rekorde erreicht.
"Der nun angekündigte Kapazitätsausbau einiger Anbieter deutet auf eine sehr robuste Nachfrage nach Solaranlagen hin", sagt Erkan Aycicek, Aktienanalyst der Commerzbank. Und auch eine mögliche Novellierung des EEG in Deutschland könne zumindest von den größeren Unternehmen der Branche nun besser aufgefangen werden. "Deren Auslandsanteil macht mittlerweile zwischen 40 und 60 Prozent des Umsatzes aus." So hat Solarworld neben dem Kapazitätsausbau auch noch mitgeteilt, bis zum Jahr 2020 bereits über einen Auftragsbestand von fünf Milliarden Euro zu verfügen, wovon 90 Prozent aus dem Ausland kämen. Im Jahr 2006 betrug der Umsatz von Solarworld gut 500 Millionen Euro.
Außerdem deuten einige politische Signale mittlerweile auf eine schonende Behandlung der Solarunternehmen durch die Politik hin. Die Europäische Union hat Anfang des Jahres erklärt, sie wolle den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent erhöhen. Und die Bundesregierung hat auf dem Energiegipfel am Dienstag die wichtige Rolle der erneuerbaren Energien im zukünftigen Energiemix bekräftigt. "Von der politischen Seite hat sich dieses Jahr einiges für die Solarindustrie verbessert", sagt Hartmut Moers, Aktienanalyst bei Sal. Oppenheim.
Aktien sind nicht mehr billig
Doch trotz aller positiven Aussichten für weiteres Wachstum der Solarbranche sind die Aktien nicht mehr billig zu haben. Mit Kursanstiegen von teilweise mehr als 100 Prozent in diesem Jahr sind viele der guten Nachrichten bereits in den Kursen verarbeitet. "Die Aktien sind aber nicht zu teuer, denn der Kursanstieg wurde durch steigende Gewinne unterfüttert", sagt Moers. Im Jahr 2008 rechnet er mit einem Anstieg der Gewinne in der Branche um 70 Prozent, in 2009 um 30 Prozent. Auf dieser Basis ergibt sich für die Branche ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 für 2008 von 18 und 14 für 2009.
"Damit die Aktien jedoch weiter steigen, müssten die Erwartungen des Marktes übertroffen werden", sagt Born. "Dass das sogar noch geht, sieht man ja momentan." Born setzt auf eine besonders gute Entwicklung der Marktführer. "Unternehmen wie Solarworld und Q-Cells sind am Markt etabliert und technologisch führend. Außerdem können sie mit mehr Geld und mehr Personal besser an an einer Steigerung der Effizienz der Solaranlagen arbeiten als kleinere Anbieter."
Erkan Aycicek von der Commerzbank empfiehlt die Aktien von Conergy zum Kauf und nennt ein Kursziel von 80 Euro. Aktuell kosten die Papiere 63 Euro. "Conergy steigt mit dem Bau der Fabrik in Frankfurt an der Oder in das Produktionsgeschäft ein. Einziger Nachteil, sie konnten sich noch nicht genügend Silizium sichern. Wenn das gelingt, hat die Aktie Nachholpotenzial." Auch Ersol hält er mit einem Kursziel von 73 Euro für kaufenswert (aktuell: 69 Euro). "Der Ausbau der Kapazitäten müsste sich im Jahr 2008 auch in den Ergebnissen niederschlagen und die Bewertung am Aktienmarkt erhöhen."
Text: F.A.Z., 04.07.2007, Nr. 152 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,72 € | +3,77% |
| SAP | 32,75 € | +1,69% |
| Adidas | 39,08 € | +1,32% |
| Siemens | 62,51 € | +1,28% |
| Allianz | 85,04 € | +1,24% |
| Dt. Boerse | 55,80 € | −0,16% |
| FMC | 37,60 € | −0,29% |
| Daimler | 36,48 € | −0,72% |
| BMW | 31,58 € | −1,16% |
| Volkswagen | 73,55 € | −3,54% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.862,80 | +0,54% |
| TecDAX | 816,98 | +0,20% |
| MDAX | 7.427,24 | +0,45% |
| SDAX | 3.554,62 | −0,02% |
| REX | 378,74 | +0,12% |
| Eurostoxx 50 | 2.883,45 | +0,43% |
| Dow Jones | 10.328,90 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.807,36 | +1,64% |
| S&P500 | 1.102,47 | +0,58% |
| Nikkei225 | 10.183,50 | +0,41% |
| EUR/USD | 1,4318 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 74,17 $ | +0,42% |
| Gold | 1.104,50 $ | −1,12% |
| Bund Future | 123,41 € | −0,02% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index18.12.2009 13:00 |
1384,62 | 1346,64 | 1292,33 |
Performance-Index18.12.2009 17:35 |
304,19 | 297,54 | 282,83 |
Euro-Aktien-Index18.12.2009 17:35 |
141,85 | 140,95 | 129,84 |
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