25. September 2006 Monatelang trieben Spekulationen den Kurs der Monheimer Schwarz Pharma auf Höhen, die die Aktie zu den besten Zeiten des Unternehmens nicht gesehen hatte. Schon Mitte des vergangenen Jahres kletterte der Kurs auf ein Allzeithoch bei über 40 Euro, und seitdem verdoppelte sich der Kurs bis Juli noch einmal.
Offenbar wurden die Anleger dann aber unsicher, ob das Unternehmen eine solche Bewertung würde noch rechtfertigen, respektive bei einem Verkauf würde erzielen können, denn der Kurs begann zu schwächeln und begann sich im Bereich über 70 Euro einzupendeln.
Seit Jahren im Übergang
Denn das Unternehmen kämpfte länger schon mit einem schwachen Umsatz und rutschte 2004 in die Verlustzone, dem sich ein tiefrotes Jahr 2005 anschloß. Schwarz Pharma hatte den wesentlichen Teil seiner Umsätze nämlich mit einem generischen Magenmittel in den Vereinigten Staaten erzielt und 2003 noch einen besonderen Einmal-Erfolg damit verbucht, konnte aber eine verschlechterte Konkurrenzsituation nicht kompensieren.
2005 wurde allerdings nach Einschätzung des Unternehmens ein Übergangsjahr, in dem sich der Konzern auf die Entwicklung seiner neuen Medikamente konzentrierte. Immerhin zeigte sich das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr mit rund einer Verdopplung deutlich gestärkt. Allerdings kam diese vor allem durch eine Abschlagszahlung von Pfizer für den Erwerb der Lizenzrechte für das Medikament Fesoterodin gegen Blasenhyperaktivität zustande.
Gleichzeitig sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent auf 483,4 Millionen Euro und bereinigt um Währungseinflüsse sogar um 3,2 Prozent. Insofern müßte für ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 756,5 für das laufende und 135,3 für das kommende Jahr der Vertrauensvorschuß schon sehr hoch gewesen sein.
Fusion mehr oder weniger in trockenen Tüchern
Wer also - wie offenbar viele - heftig auf eine Übernahme spekulierte, der wird derzeit belohnt. Denn Schwarz Pharma und die belgische Pharmafirma UCB haben sich in der Nacht zum Montag auf die Bedingungen einer Fusion geeinigt. Danach wird das Brüsseler Unternehmen allen Schwarz-Pharma-Aktionären ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot machen. Neben 50 Euro in bar werden allen Aktionären je Titel 0,8735 Aktien der UCB SA angeboten.
Daraus ergäbe sich ein Gesamtwert der Transaktion von etwa 4,4 Milliarden Euro oder 91,10 Euro je Schwarz-Pharma-Aktie, lege man den Schlußkurs für UCB-Aktien vom vergangenem Freitag zugrunde. Das Angebot entspreche einer Prämie von 20,4 Prozent auf den Schlußkurs von Schwarz Pharma vom vergangenen Freitag und von 25,9 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.
Die Großaktionärin Schwarz Vermögensverwaltung GmbH & Co KG, die ungefähr 60 Prozent der Schwarz-Pharma-Anteile hält, hat sich UCB gegenüber unwiderruflich verpflichtet, das Übernahmeangebot anzunehmen.
Perfekte Kombination
Nach Darstellung von UCB-CEO Roch Doliveux passen beide Unternehmen perfekt zusammen. Für UCB sei die Übernahme ein Sprung nach vorn bei der Transformation in ein global führendes biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf ausgewählte Krankheitsfelder wie Neurologie, Entzündungserkrankungen und Onkologie konzentriert.
Schwarz-Pharma-Vorstandvorsitzender Patrick Schwarz-Schütte erklärte, mit der Übernahme würden sich die kommerziellen Aussichten für unsere Pipeline im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium deutlich verbessern. Außerdem habe die Transaktion ein erhebliches Wachstumspotential.
UCB erklärte, die Übernahme habe ein Synergiepotential von mehr als 300 Millionen Euro. Zusammen würden Schwarz Pharma und UCB auf einen Jahresumsatz von 3,3 Milliarden Euro kommen. Unter Berücksichtigung der Synergien und Goodwill-Abschreibungen dürfte die Übernahme nach zwei Jahren einen positiven Ergebnisbeitrag liefern.
Die Familie Schwarz habe sich überdies verpflichtet, die mindestens 41,5prozentige Beteiligung an UCB, die ihr nach den Übernahmebedingungen zufallen wird, über den Juni 2010 hinaus zu halten.
Hauptsitz geht nach Brüssel
Außerdem haben mit Schroders und Capital Research and Management weitere Anteilseigner bereits die Annahme des beabsichtigten Angebotes zugesagt. Zusammen verfügen sie über 7,9 Prozent der Schwarz-Pharma-Aktien. Capital Research and Management will als Anteilseigner bei UCB darüber hinaus die geplante Kapitalerhöhung bei UCB auf der Hauptversammlung mittragen.
Zur Finanzierung der Barkomponente wird das belgische Unternehmen ein von BNP Paribas und Fortis Bank organisiertes vorrangiges Fremdkapitalpaket mit einer Laufzeit von fünf Jahren nutzen.
Das fusionierte Unternehmen wird UCB heißen und seinen Sitz in Brüssel haben. Am Sitz von Schwarz Pharma in Monheim werde künftig das weltweite, allgemeinmedizinische Geschäft unter dem Namen Schwarz Pharma geführt. Monheim werde ferner eines der Forschungs- und Entwicklungszentren des neuen Konzerns sein.
Deutlich verbreiterte Produktpalette
UCB hat sich unter anderem auf Medikamente gegen Allergien, für Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Atemwegsbeschwerden sowie gegen Krebs spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 8.300 Mitarbeiter in 40 Ländern und gehört zu rund 42 Prozent der belgischen Beteiligungsfirma Financiere de Tubize.
Schwarz Pharma hatte sich in den vergangenen Jahren von einem Generika-Unternehmen zum Hersteller selbst entwickelter Medikamente verändert mit Schwerpunkt in den Bereichen Herz-Kreislauf, Magen-Darm, Asthma, Neurologie und Urologie. Derzeit hat Schwarz Pharma drei neue Wirkstoffe im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.
Betrachtet man die Produktpalette, so scheint die Fusion mehr Sinn zu ergeben, als so manche Übernahmeaktivität in der Branche, die diesem Zusammenschluß in den vergangenen Monaten vorangegangen ist. Zwar ist damit noch nicht gesagt, daß die neue UCB auch mit dem Entwicklungsportfolio von Schwarz große Erfolge wird feiern können, doch derzeit sieht es ganz so aus, als ob diese erfolgversprechend werden könnte.
Stolzer Preis
Indes wird die Transaktion für UCB nicht sonderlich billig, sondern beläuft sich auf 180 Prozent des eigenen Jahresumsatzes. UCB zahlt obendrein fast das Fünffache des Jahresumsatzes von Schwarz. Zum Vergleich: Bayer zahlt bei Schering rund das Dreifache des Jahresumsatzes und auch Merck für Serono nur wenig mehr als dieses Verhältnis.
Insofern sollte man sich für die neue UCB erst einmal nicht zu viele Hoffnung machen. Zum einen kauft man Schwarz mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 911 bzw. 163 ein und ist selbst mit geschätzten KGVs von 22,6 für das laufende und 20,5 für das kommende Jahr bislang nicht gerade günstig bewertet gewesen.
Es dürfte also nicht überraschen, wenn das übliche Spiel stattfindet. Die Schwarz-Aktie wird auf rund 90 Euro zu Handelsbeginn steigen und die UBC-Aktie unter Druck geraten. Pech nur für diejenigen Anleger, die Anfang August bei UBC eingestiegen sind, nachdem die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA die Injektionslösung Keppra gegen epileptische Anfälle zugelassen hatte.
Das hatte der Aktie zu einem neuen Vier-Jahrers-Hoch verholfen. Jetzt besteht die Gefahr, daß sie wieder unter das Juli-Hoch von 46,05 Euro rutscht, nachdem sie schon am Freitag bei 47,04 Euro schwächer geschlossen hatte. In diesem Fall dürfte sie auf die Unterstützung bei 40 Euro zulaufen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: dpa/dpaweb, FAZ.NET
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Commerzbank | 7,35 € | +5,76% |
| Allianz | 82,70 € | +4,27% |
| Dt. Post | 12,42 € | +4,11% |
| Metro | 42,59 € | +4,06% |
| Dt. Bank | 49,82 € | +3,37% |
| K+S | 39,05 € | +0,70% |
| Beiersdorf | 41,74 € | +0,60% |
| SAP | 31,50 € | +0,17% |
| FMC | 34,90 € | −0,09% |
| Infineon | 3,22 € | −0,31% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.619,72 | +2,40% |
| TecDAX | 760,79 | +1,47% |
| MDAX | 7.227,05 | +2,01% |
| SDAX | 3.496,46 | +0,90% |
| REX | 372,98 | +0,08% |
| Eurostoxx 50 | 2.860,11 | +2,36% |
| Dow Jones | 10.184,20 | +1,60% |
| Nasdaq 100 | 1.761,28 | +1,76% |
| S&P500 | 1.069,30 | +0,25% |
| Nikkei225 | 9.808,99 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,4989 | +0,78% |
| Rohöl Brent Crude | 78,21 $ | +2,28% |
| Gold | 1.096,75 $ | 0,00% |
| Bund Future | 121,34 € | +0,41% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index09.11.2009 13:00 |
1342,46 | 1323,26 | 1261,20 |
Performance-Index09.11.2009 17:35 |
298,14 | 292,46 | 274,23 |
Euro-Aktien-Index09.11.2009 17:35 |
142,36 | 136,45 | 124,94 |
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