Rohstoffe

Kleinere Minenaktien sind plötzlich groß in Mode

Portalbau bei Nacht

Portalbau bei Nacht

20. Januar 2006 Die Hausse bei den Rohstoffen ist nach wie vor intakt. Die anhaltende Aufwärtsbewegung bei Produkten wie Zink (17-Jahreshoch), Silber (21-Jahreshoch), Platin (Rekordhoch), Gold (höchster Stand seit 1981), Kupfer (Rekordhoch) oder Aluminium (höchster Stand seit 1989) beflügelt inzwischen selbst die Aktien kleinerer Rohstoffunternehmen, die lange Zeit einfach nicht in die Gänge gekommen sind.

Bestes Beispiel ist der Basimetallproduzent Perilya Mines (ISIN: AU000000PEM8, 0,97 Euro). Hier hat sich die Notiz seit Anfang November annähernd verdoppelt. Ebenfalls verdoppelt hat sich seit Mitte November die Notiz beim indonesischen Minenwert Aneka Tambang (ISIN: ID1000060502, 0,39 Euro). Gut läuft es neuerdings auch beim Zink- und Blei-Explorer Herald Resources (ISIN: AU000000HER4, 0,55 Euro). Seit 21. Dezember steht hier ein Plus von 74 Prozent zu Buche.

Kurssprünge wie diese bei Nebenwerten machen deutlich, wie groß momentan der Appetit der Anleger auf Rohstoffaktien ist. Jeder will dabei sein und im Zuge der Rotation wird neues Geld in bisher zurückgebliebene Titel gesteckt. Da es dabei teilweise fast schon wahllos zuzugehen scheint, birgt dieses Vorgehen natürlich gewisse Risiken. Interessierte Investoren müssen sich stets ins Gedächtnis rufen, daß gerade bei Rohstoffaktien die Risiken steigen, je kleiner die Gesellschaften sind. Speziell mit unbekannten Explorationsfirmen wurde in der Vergangenheit schon viel Geld verzockt, was sich damit erklären läßt, daß sich hier einige Scharlatane tummeln. Und daran sollte man sich stets erinnern, auch wenn galoppierende Preise zum Mitmischen verlocken.

Risiken durch genaue Recherchen und Streuung der Investment abfedern

Diese Risiken sollten aber auch nicht dazu führen, die Hände in den Schoß und das Geld aufs Sparbuch zu legen. Vielmehr geht es darum, potentielle Investments auf ihre Seriosität hin abzuklopfen. Wer das tut, minimiert das Verlustpotential, ohne gleichzeitig alle Chancen sausen zu lassen. Eine Hilfe bei der Auswahl kann es sein, dabei auf die Meinung von unabhängigen Experten zu vertrauen, die sich in der Branche auskennen und sich regelmäßig mit Vorständen von Rohstoffunternehmen treffen.

Zu diesen Branchenkennern zählen beispielsweise Wilhelm Schröder und Marcel Ewald. Sie setzen beide schon seit langem auf Werte wie Perilya und werden für ihr Durchhaltevermögen jetzt belohnt. „Jetzt geht endlich die Post ab. Bei diesen Kurssprüngen wird einem nach einer so langen Wartezeit manchmal Angst und Bange. Aber die Bullen sind los und sie suchen nach neuen Anlageideen“, freut sich Schröder, der viele Jahre beim australischen Broker Macquarie arbeitete und den Nestor Australien Fonds berät, über die Entdeckung seiner Favoriten.

Euphorisch gestimmt, was die weiteren Aussichten der Rohstoffpreise angeht, ist auch Ewald, der schon vor einigen Jahren, als sich noch kaum jemand für Rohstoffaktien interessierte, damit begonnen hat, in der Schweiz Rohstoffunternehmen auf Roadshows zu promoten. Trotz aller Zuversicht rät er von spekulativen Einzelinvestments ab und empfiehlt statt dessen, sich einen Korb bestehend aus sechs bis acht Einzelwerten zusammenzukaufen. „Trotz sorgfältiger Analyse kann es bei Einzelwerten im Extremfall zum Totalverlust kommen. Einzelne Positionen sollten deshalb nicht mehr als drei bis fünf Prozent des vorgesehenen Mitteleinsatzes ausmachen“, lautet seine Warnung.

Die Kurse bei Perilya und St. Barbara sind langfristig noch nicht ausgereizt

Gemeinsam Gefallen finden Ewald und Schröder an Titeln wie Perilya Mines, Sally Mallay oder St. Barbara (ISIN: AU000000SBM8, 0,30 Euro). Beim letztgenannten Wert handelt es sich um einen australischen Goldproduzenten. Dessen Kurs ist seit Ende September zwar schon von 0,025 Euro auf in der Spitze 0,33 Euro gestiegen, ist aber trotzdem noch günstig bewertet. Zumindest dann, wenn die Annahme stimmt, daß es dem neuen erfahrenen und vertrauenswürdigen Management gelingt, das geprüfte Minenleben, das derzeit nur drei Jahre beträgt, deutlich zu verlängern. Aber genau davon gehen sowohl Ewald als auch Schröder bei Ressourcen von sieben Millionen Unzen und einer derzeitigen Jahresproduktion von 200.000 Tonnen aus.

Charme hat der Titel auch deshalb, weil es sich um einen ungehedgten Produzenten handelt, der somit stark von steigenden Goldpreisen profitiert. Außerdem wird der Titel trotz der starken Kursbilanz noch immer wenig beachtet, weil die Gesellschaft zuvor eineinhalb Jahrzehnte lang von einem wenig seriösen Vorstand geführt wurde.

Unter fehlender Beachtung hatte lange Zeit auch der Basismetallwert Perilya gelitten. Doch dank der jüngsten Kursgewinne und der damit zwangsläufig deutlich gestiegenen Marktkapitalisierung taucht das Unternehmen nun so langsam auch auf dem Radarschirm institutioneller Investoren auf. Wer sich näher mit dem Unternehmen beschäftigt, das Aktivitäten in den Bereichen Zink, Blei, Gold, Kupfer, Nickel und Öl zu bieten hat, der wird schnell die noch immer günstige Bewertung der Aktie erkennen. Dazu sei nur erwähnt, daß Schröder den freien Cash Flow auf über 100 Millionen australische Dollar beziffert und diesem Wert nur eine Marktkapitalisierung von rund 300 Millionen australische Dollar gegenübersteht.

Sally Malay und Herald Resources sind sehr niedrig bewertet

Ähnlich gut schneidet in Sachen Bewertung auch Sally Malay (ISIN: AU000000SMY0, 0,48 Euro) ab. Dem Nickelproduzenten traut Schröder im Geschäftsjahr 2006/2007 (Stichtag: 30. Juni) einen Gewinn je Aktie von 0,26 australische Dollar zu. Gemessen am aktuellen Aktienkurs von 0,785 australische Dollar errechnet sich daraus ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis von drei. Trotz der Tatsache, daß Sally Malay in einer schwierigen Mine produziert und der Nickelpreis lange nicht so gut läuft wie andere Rohstoffpreise, dürfte es sich dabei um eine klare Unterbewertung handeln.

Nach den zuletzt starken Kursgewinnen hält Schröder Gewinnmitnahmen bei den Minenaktien zwar jederzeit für möglich. Mittelfristig wittert er aber weiterhin Kurspotential. Das gelte insbesondere für Sally Malay, aber auch für Herald Resources, da beide gerade erst damit begonnen hätten anzuspringen. Bei Herald werden die Kurse aktuell noch etwas von einer bevorstehenden Aktienplazierung gebremst. Außerdem ist zu bedenken, daß sich die zwar sehr werthaltigen Vorkommen an Zink und Blei in einer noch im Aufbau befindlichen Mine in Indonesien befinden und dieser Explorer somit ein höheres Risiko beinhaltet. Aber da der Zink- und Bleiexplorer nach den Berechnungen von Schröder im Erfolgsfall nur auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut eins kommt, besteht im Erfolgsfall natürlich auch enormes Kurspotential.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET, Sally Malay

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