Versicherungen

Die Münchener Rück trotzt allen Stürmen - Aktie bleibt günstig

30. Januar 2008 Die Münchener Rück steckt den Klimawandel wesentlich besser weg als erwartet. Anleger lassen die Aktie seit geraumer Zeit links liegen, deshalb ist das Papier sehr niedrig bewertet. Der Grund dafür ist ein doppelter: Erstens gehört die Münchener Rück zur Finanzbranche, die derzeit grundsätzlich niedrig bewertet wird. Bisher jedoch gibt es keine Hinweise, dass der Konzern massiv von der Hypothekenkrise in Amerika betroffen sein könnte. Zweitens hängt das Ergebnis auch immer davon ab, wie viele Naturkatastrophen es in einem Jahr gibt.

Die Börse unterschätzt die Münchener Rück

Offenbar unterschätzt der Markt derzeit die Fähigkeiten der Münchener Rück, mit den neuen Risiken zurecht zu kommen. Dies belegen jedenfalls die jüngsten Zahlen, die jedoch durch eine Steuerrechnung optisch etwas zu hoch ausfielen.

Die Münchener Rück hat 2007 ihr viertes Rekordergebnis in Folge eingefahren. Der Nettogewinn stieg auf 3,9 Milliarden Euro. 2006 waren es 3,5 Milliarden Euro. Der Konzern will den Aktionären eine Dividende von 5,50 Euro je Aktie zahlen, einen Euro mehr als zuletzt. Damit werden gut 1,1 Milliarden Euro ausgeschüttet.

Weitere Aktienrückkäufe

Auch Aktienrückkäufe bleiben auf der Agenda: Seit Mai seien an der Börse mehr als 15 Millionen eigene Anteilsscheine zu durchschnittlich knapp 132 Euro erworben worden, hieß es. Das ließ sich die Münchener Rück zwei Milliarden Euro kosten. Bis 2010 sollen weitere Aktienrückkäufe im Wert von drei Milliarden Euro folgen. Die Maßnahme ist bei Investoren beliebt, weil die Papiere eingezogen werden und sich die Dividende auf weniger Anteilseigner verteilt. Damit reagiert das Management auf die Kritik vieler Aktionäre, zu viel Kapital im Unternehmen zu halten.

Die amerikanischen Hypothekenkrise und die Turbulenzen an den Börsen machen der Münchener Rück kaum zu schaffen: Im vierten Quartal schrieb sie weniger als zehn Millionen Euro ab, während andere Finanzfirmen in aller Welt milliardenschwere Wertberichtigungen verkraften müssen. „Unsere risikobewusste Anlagepolitik und eine gesunde Skepsis gegenüber Übertreibungen an einzelnen Märkten haben sich bewährt“, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. Bisher hat die Münchener Rück 150 Millionen Euro durch die Hypotheken- und Finanzkrise verloren. Das Portfolio in den kritischen Märkten wurde auf rund 340 Millionen Euro abgebaut, was 0,2 Prozent aller Kapitalanlagen des Konzerns entspricht.

Aktien der Münchener Rück stiegen zum Handelsstart um knapp zwei Prozent auf über 116 Euro.

Prämien sinken

Bei den jüngsten Preisverhandlungen mit ihren Kunden - Erstversicherern wie der Allianz - bekam die Münchener Rück allerdings den schärfer werdenden Wettbewerb zu spüren. Die Preise fielen im Schnitt um 2,8 Prozent, was Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek aber als Erfolg wertete. Zum Jahresbeginn standen zwei Drittel der Policen mit einem Volumen von 8,5 Milliarden Euro in der Schaden/Unfall-Rückversicherung zur Erneuerung an. Zahlreiche Kontrakte seien nicht erneuert worden, hieß es. Die Prämieneinnahmen seien um vier Prozent gefallen.

In den vergangenen Jahren hatte die Branche nach Hurrikanen wie “Katrina“ noch Preiserhöhungen durchsetzen können. Doch das Blatt wendete sich, weil die Schadenbelastungen zuletzt relativ gering ausfielen. Die Münchener Rück verzichtet nach eigenen Angaben lieber auf Einnahmen, als Abstriche bei der Marge hinzunehmen.

Händler loben die Erhöhung der Dividende

Einem Händler zufolge fielen die Zahlen des Rückversicherers für 2007 auf den ersten Blick „gut“ aus. Münchener Rück habe infolge der Unternehmenssteuerreform mit einem erwarteten Rekordgewinn von 3,9 Milliarden Euro seine vorherige Gewinnvorhersage übertroffen. Skeptisch blicke er jedoch darauf, dass für dieses Jahr weniger Vertragsverlängerungen bei überdies niedrigeren Prämien anstünden.

Ein anderer Börsianer betonte, dass es nicht wirklich überraschend sei, dass Münchener Rück die eigenen Ziele übertroffen habe. Dies habe der Rückversicherer zuletzt immer wieder als wahrscheinlich in Aussicht gestellt. Ein „Knaller“ sei jedoch die Anhebung der Dividende von 4,50 auf 5,50 Euro, wodurch sich eine „sehr ordentliche“ Dividendenrendite ergebe. Damit habe Münchener Rück die Vorhersagen des Marktes weit übertroffen. Darüber hinaus seien die Belastungen aus der Krise um schlecht besicherte Hypotheken so gering wie von den Marktteilnehmern prognostiziert ausgefallen, fügte der Börsianer hinzu.

Analysten: Subprime-Abschreibungen sind positive Überraschung

„Die vorgelegten Zahlen sind in großen Teilen sehr positiv“, kommentierte UniCredit-Analyst Lucio Di Geronimo die vorab veröffentlichten Eckdaten. Insbesondere die Abschreibungen im Subprime-Bereich lägen weit unter den von diversen Marktteilnehmern geäußerten Befürchtungen. „Hier hat die Münchener Rück sehr konservativ agiert.“

Auch Analyst Konrad Becker vom Merck Finck & Co nannte die Ergebniszahlen „besser als erwartet“. Allerdings müssten erst die Details des Jahresabschlusses abgewartet werden, die die Münchener Rück am 25. Februar veröffentlichen will. „Noch wissen wir nicht, inwiefern das Konzernergebnis von positiven Steuereffekten oder möglicherweise Verkäufen beeinflusst ist“, sagte er. Die 10 Millionen Euro Abschreibungen im vierten Quartal in Folge der Subprimekrise nach vorherigen Wertberichtigungen in Höhe von insgesamt 150 Millionen Euro in den drei Vorquartale seien „eine sehr niedrige Zahl“, sagte Becker. „Das ist nach all den bisherigen Erfahrungen mit anderen Finanzkonzernen eine positive Überraschung“, fügte er hinzu. Hier habe die Münchener Rück gemessen an früheren Aussagen für Vertrauen gesorgt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @stt
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

 
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